25.3.17 - 27. Hemsbacher Altstadtlauf

Vom Winde verweht

von Axel Künkeler

Informationen zum Lauf 2018 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

Gute Stimmung, eine erfreulich hohe Teilnehmerzahl mit rund 760 Finishern, nahezu ideale Bedingungen bei frühlingshaftem Wetter: besser hätte der Rahmen für den schon traditionellen Auftakt der Frühjahrs-Laufsaison an der Bergstraße kaum sein können. Als solches gilt nämlich der inzwischen schon 27. Altstadtlauf in der nordbadischen Kleinstadt Hemsbach. Zwei Jahre nach dem Silberjubiläum und ein Jahr nach dem 125-jährigen Bestehen des Ausrichters TV Hemsbach also alles andere als grauer Alltag, vielmehr fast schon wieder Festtags-Stimmung!

Und auch die sportlichen Leistungen stimmten. Im Hauptlauf über zehn Kilometer gewann Kim Abel vom TV Schriesheim in 31:22 Minuten. Damit verfehlte er nach Angaben des lang-jährigen OK-Chefs Rainer Nies, der seinen Nachfolger Andreas Bonk immer noch tatkräftig unterstützt, den Streckenrekord nur um wenige Sekunden. "Vom Winde verweht", könnte man sagen, in Anspielung auf den amerikanischen Literatur- und Film-Klassiker der 1930er Jahre. Denn die Bedingungen für die Läufer waren mit Sonne pur und Temperaturen knapp unter der 20-Grad-Marke nur fast ideal. Der Wind machte nämlich eine Ausnahme und den Läufern vor allem auf den langen Geraden doch sehr zu schaffen, wie Kim Abel und andere im Gespräch nach dem Rennen betonten.

Vom Start in der Schlossgasse hinein in die Altstadtgassen von Hemsbach Blühende Bergstraraße - Ideale Bedingungen zum Auftakt der Frühjahrs-Laufsaison
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Dennoch war der M20er mit Zeit und Platzierung "sehr zufrieden", schließlich kam er "aus dem Training zum Wettkampf", war morgens noch eine Stunde auf der Rolle. Der Zollbeamte steht in der Vorbereitung auf den Heidelberger Halbmarathon am 30. April und die im Juni in Wilhelmshaven stattfindenden Deutschen Zoll-Meisterschaften. Bei seinem Formtest über die fünf Zwei-Kilometer-Runden in Hemsbach lag Kim Abel von Beginn an in Führung und lief ein konstantes Tempo von gut drei Minuten pro Kilometer. In seinem Windschatten folgte drei Runden lang Jochen Uhrig von der TSG 1862 Weinheim. Körner konnte er dabei aber trotzdem nicht sparen, jedenfalls musste der M30er den Jüngeren zu Beginn der vierten Runde ziehen lassen. Im leichten Anstieg nach Start und Ziel in der Schlossgasse setzte sich Kim Abel ab und lief die letzten zwei Runden alleine dem Sieg entgegen.

Sonne pur statt Nebel! Kein Wunder, die 'Monnemer Newwlfetza' sorgten für ausgelassene Stimmung Altstadt-Feeling in der Herrenstraße

Für Jochen Uhrig (31:52) blieb dreißig Sekunden hinter Abel Platz zwei gesamt und natürlich der Sieg in seiner Altersklasse M30. Hinter den Beiden gab es ein weiteres spannendes Duell um den dritten Platz auf dem Podest. Zunächst war Friedrich Biniok (MTG Mannheim) alleine in der Verfolgung der beiden Führenden, bevor sich Luca Bongiovanni aus der nachfolgenden Fünfer-Gruppe löste und in Runde zwei zu Biniok aufschloss. Nun lief auch das Pärchen Biniok-Bongiovanni in trauter Zweisamkeit drei Runden gemeinsam. Und auch hier fiel die Entscheidung im Anstieg in der Schlossgasse, wenn auch hier erst zu Beginn der fünften und letzten Runde.

Dritte Parallele zum Duell Abel-Uhrig: mit dem aus Hannover stammenden M20er Friedrich Biniok (34:35) setzte sich ebenfalls, wenn auch etwas knapper, der Jüngere gegenüber dem M40-Sieger Bongiovanni (34:44) durch. Für den Mittelstreckler Friedrich Biniok, der mehr auf der Bahn als auf der Straße zuhause ist, war es ein Tempoausdauerlauf "etwas schneller als geplant, aber keine Bestzeit". Biniok bereitet sich auf die Landesmeisterschaften in Baden-Württemberg vor, bei denen er über 1.500 Meter starten und sich für die Süddeutschen Meisterschaften qualifizieren möchte. In Hemsbach war er zum ersten Mal überhaupt am Start, zeigte sich nach dem Rennen von der "super Stimmung" an der Strecke begeistert.

Drei Runden lang kann Jochen Uhrig im Windschatten von Kim Abel mithalten. Am Ende siegt Kim Abel ganz souverän, Jochen Uhrig wird Zweiter Auch um Platz drei gab es ein enges Duell zwischen Friedrich Biniok und Luca Bongiovanni (1015). Den 3. Platz auf dem Podest sichert sich Friedrich Biniok, für M40-Sieger Luca Bongiovanni bleibt Rang 4 Julius Kadel läuft als Dritter M20 auf Rang 5 gesamt

Der dritte M20er, Julius Kadel vom Laufteam Weinheim, konnte sich irgendwann ebenfalls aus der Gruppe lösen und lief in 35:45 ungefährdet auf Rang fünf.

Dahinter ein weiteres interessantes Duell Schriesheim vs. Weinheim, vielleicht das spannendste überhaupt an diesem sonnigen Nachmittag: die beiden M30er Benjamin Buss (TV Schriesheim) und Sebastian Palussek (Team Radsport Wagner Weinheim) liefen bis zur Zielgeraden Seit' an Seit'. Mit viel Selbstvertrauen zog der Weinheimer plötzlich den Schluss-Spurt an, doch der Überraschungscoup ("etwas zu früh angesetzt", bedauerte Palussek) misslang.

 

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Benjamin Buss konterte, zog davon, während Sebastian Palussek resignierte. "Früher war er meistens stärker, diesmal hatte ich ein paar Körner mehr übrig", attestierte der Läufer des TV Schriesheim. So wurde Buss (36:21) Gesamt-6./2. M30, während für Palussek (36:28) die Plätze sieben gesamt und drei in der Altersklasse blieben.

Die Sieger der AK60 Christel Kremser und Christoph Randt. Dazwischen die W40erin Andrea Dieter Otto Weber vom Lauftreff des Heppenheimer Skiclubs gewinnt die M50 Benjamin Buss (l) kontert den Schluss-Spurt von Sebastian Palussek und behauptet Rang 6

Im weiteren Feld der 143 männlichen Finisher gab es zahlreiche ambitionierte Leistungen, aber auch wie stets eine Reihe von Hobby-Läufern. Die M50 gewann Otto Weber (Lauftreff des Heppenheimer Skiclubs) in guten 38:41 Minuten, was gleichzeitig Rang 15 gesamt für ihn bedeutete. Die Leistung ist umso bemerkenswerter, als Weber nach einer Verletzungspause in Hemsbach überhaupt erst den ersten Wettkampf 2017 bestritt. Sein Highlight in diesem Jahr wird der Berlin-Marathon sein. Wenn die Formkurve weiter bergauf geht und "der Muskel hält", wie in Hemsbach, dann kann Otto Weber in der Bundeshauptstadt vielleicht sogar seine persönliche Bestzeit von 2:57 Stunden angreifen.

OK-Chef Andreas Bonk begrüßte eine große Läuferschar Start zum 2KM-Jedermannlauf mit dem späteren Zweiten Marius Manger (888) an der Spitze

Die nächsten Ziele des M60-Siegers stehen sogar kurz bevor. Christoph Randt vom Lauftreff Hemsbach, der in 42:42 Minuten zudem Rang 30 gesamt belegte, wird schon im April gleich an zwei Marathons in den USA teilnehmen. Zunächst geht es zum 120. Boston Marathon (17. April), dann mit dem Flieger weiter nach Kalifornien, wo am 30. April der Big Sur Marathon (LaufReport wird im Mai ausführlich in der Rubrik ‚Reisen & Laufen' berichten) südlich von San Francisco stattfindet. Zwischendurch bleibt für ihn und seine Partnerin genügend Zeit für einen Trip mit dem Wohnmobil durch die kalifornischen Nationalparke.

Huch, wer kommt denn da - Markus Psik mit seinen Zwillingen im Babyjogger Erfrischung tat gut bei sonnigen Temperaturen knapp unter 20 Grad

Weniger spannend als bei den Männern war beim 27. Hemsbacher Altstadtlauf diesmal das Renngeschehen im Klassement der 45 Frauen auf der 10-Kilometer-Distanz. Zwar konnte sich zunächst die Jugendliche Judith Kadel (Laufteam Weinheim) an die Spitze setzen, musste aber schnell der erfahrenen Julia Bongiovanni (TV Schriesheim) den Vortritt lassen. Obwohl die W30erin mit ihrer Pollen-Allergie zu kämpfen hatte, gewann sie am Ende deutlich in 38:03 Minuten vor Kadel (39:23), die damit ebenfalls noch unter der 40-Minuten-Marke blieb. Deutlich darüber dann schon die Drittplatzierte Heike Neuburger vom TSV Amicitia Viernheim, die sich in 41:42 Minuten nicht nur den letzten Platz auf dem Podest, sondern den Sieg in ihrer Altersklasse W40 sicherte.

Julia Bongiovanni heißt die souveräne Siegerin über 10km Die Siegerin der weiblichen Jugend Judith Kadel läuft auf Rang zwei im Klassement der 45 Frauen Dritte 10-Frau wird W40-Siegerin Heike Neuburger

Noch größer war der Abstand auf den Plätzen hinter dem Podest: Christiane Maurer kam als zweite W40erin nach 44:26 Minuten auf Rang vier. Bemerkenswert die Leistung der blinden Lena Dieter (TSV Amicitia Viernheim), die mit ihrem Guide Sarah Campbell in 45:03 Minuten Patz fünf und den Sieg in der W20 sicherte. Ihre Mutter Andrea Dieter kam in 53:29 Minuten als 22. Frau und 7. W40 ins Ziel. Nur wenige Plätze dahinter die Siegerin der W60: Christel Kremser vom LT Lorsch holte sich in 53:55 Minuten zudem Platz 25 im Frauen-Klassement.

Schnellster Jedermann ist ein Lokalmatador - Simon Halbig aus Hemsbach Schnellste Jederfrau ist die C-Schülerin Caera Campbell Zweite weibliche Teilnehmerin über 2000m wird die B-Schülerin Carolin Siegel vor Birgit Köhler (hinten links)

Ähnlich stark wie im Hauptlauf (190 Finisher) war die Beteiligung beim Schüler- und Jedermannlauf (197) über zwei Kilometer, dessen Resonanz gegenüber den Vorjahren spürbar anzog, wie Rainer Nies erfreut feststellte. Hinter dem Sieger Simon Halbig aus Hemsbach dominierte die Jugend. Nach einer Runde lag Halbig (6:40) im Ziel vor den beiden B-Jugendlichen Marius Manger (6:51) und Jan Werner (6:57), die beide aus dem Nachwuchs des TSV Amicitia Viernheim stammen. Bei den Mädels siegte die C-Schülerin Caera Campbell (ebenfalls TSV Amicitia Viernheim) in 8:09 Minuten vor der B-Schülerin Carolin Siegel (8:21) vom Bergstraßen-Gymnasium und Birgit Köhler (8:28) von der TSG 1862 Weinheim.

Besenläufer Bernhard Hertinger vom LT Hemsbach mit dem M70er Dr. Hansjörg Droescher Kein verfrühter Osterhase - dieses Laufwesen läuft für mehr Zeit und die AIDS-Hilfe Frankfurt Spaß an der Freud hatte nicht nur Annette Stickel-Puzo
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Am frühen Nachmittag hatten zuvor schon die Schüler und Schülerinnen sowie die Bambini das Bild rund um das prachtvolle Rothschild-Schloss der Hemsbacher Stadtverwaltung bestimmt. 372 Teilnehmer verzeichnen die Ergebnislisten für die 800-Meter-Läufe. Der Spaß an der Freud' stand dabei für die meisten im Vordergrund, aber auch das ein oder andere Nachwuchstalent war sicher mit dabei. Vielleicht tauchen einige von ihnen mal in den Siegerlisten des 40. Hemsbacher Altstadtlaufes auf. Doch bis dahin wird die Bergstraße noch Jahr für Jahr oft erblühen: die auch als ‚Toskana des Nordens' und ‚Strada Montana' bezeichnete Weinregion in Nordbaden und Südhessen, ist für ihre frühe Mandelblüte in Deutschland beliebt und bekannt.

Bericht und Fotos von Axel Künkeler

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Ergebnisse www.volkslauf.de Info www.tvhemsbach.de
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