26.3.16 - IAAF Cardiff University World Half Marathon (GBR)

Ein sehr starker Geoffrey Kamworor wurde Weltmeister

Schwierige Bedingungen bei der Halbmarathon-Weltmeisterschaft in Cardiff

von René van Zee

Cardiff (Wales) war dieses Jahr Austragungsort der 22. Halbmarathon-Weltmeisterschaften. Es gab langanhaltend Probleme mit dieser Meisterschaft, aber nach innovativen Änderungen von der IAAF, geht es seit 2014 wieder aufwärts. Seit 2010 finden die Weltmeisterschaften im Halbmarathon jedes zweite Jahr statt, abwechselnd mit den Cross-Weltmeisterschaften.

Ort der Halbmarathon-Weltmeisterschaften 2016: das mit Sehenswürdigkeiten bestückte Cardiff, Hauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt von Wales im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland
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Die Änderungen:

  1. Diese Meisterschaften finden seit 2012 im März statt.

  2. 2014 gab es in Kopenhagen erstmals einen offiziellen Massenstart. 30.000 Hobbyläufer starteten in Kopenhagen gleichzeitig zusammen mit den Männern. Es wurde ein Riesenerfolg und für die Hobbyläufer ein wunderschönes Erlebnis mit den Spitzenläufern gemeinsam bei einer Weltmeisterschaft zu starten. Auch in Cardiff gab es einen Massenstart und auch hier war er ein Erfolg: 20.000 Hobbyläufer hatten sich angemeldet.

  3. Die Weltmeisterschaften wurden an Großstädte mit großen bestehenden Events vergeben. 2018 trägt Valencia diese Weltmeisterschaft aus. Mit dem Valencia-Marathon verfügt die Stadt über eine schnelle Strecke und eine sehr gut funktionierende Organisation.
Pressekonferenz mit Paula Radcliffe, Mohamed Farah, Sara Hall, Geoffrey Kamworor und Sebastian Coe IAAF Road Running Seminar am Abend vor dem Rennen für Veranstalter von Events mit IAAF-Label

Nur 30 Prozent der Elite-Läufer kamen dieses Jahr aus Europa. Länder wie Frankreich, Großbritannien, Spanien, Dänemark und Italien sind immer mit Teams dabei. Seit 2012 waren keine deutschen Athleten mehr am Start. Sabrina Mockenhaupt war in Kavarna 2012 die letzte deutsche Teilnehmerin. Nach Rio reisen zwei volle deutsche Marathonteams zum olympischen Marathon. Dort läuft man ohne Tempomacher, wie bei der Halbmarathon-WM in Cardiff. Es wäre eine guter Test gewesen, hier dabei zu sein.

Cardiff hatte für dieses Event vier Botschafter: Paula Radcliffe (42), Steve Jones (60), ehemaliger Weltrekordler im Marathon, Sieger des Chicago-Marathon (1984 mit Weltrekord 2:08:05 und 1985) und Sieger des New York- sowie London Marathons, Mo Farah (33) und Lynn Davies (73) Olympiasieger Weitsprung in Tokyo 1964 mit 8,23 Meter. Am Freitag gab es für Veranstalter von Events mit IAAF-Label ein Laufseminar, wo u.a. die größten Marathons der Welt vertreten waren. Bemerkenswert, dass Berlin nicht dabei war. Für Deutschland war nur Jo Schindler vom Frankfurt Marathon und Walter Abmayr anwesend. Es gab Präsentationen und wurde über viele Themen rund um Straßenläufe diskutiert.

Direktor der Global Sports Communication Jos Hermens (links) mit Steve Jones, ehemaliger britischer Langstreckler (Marathon BZ 2:07:13) Frankfurt Marathon Veranstalter Joe Schindler (links) und Dave Bedford, ehemaliger Europarekordhalter über 5000 und 10.000 Meter

Die Kulisse und Atmosphäre im alten Zentrum von Cardiff, wo sich Start und Ziel in der Nähe vom Castle und der schönen Town Hall befanden, waren atemberaubend. Die Begeisterung für dieses Event wurde in Großbritannien noch größer, als bekannt wurde, dass der Olympiasieger und Weltmeister über 5000 und 10.000m Mohamed Farah in Cardiff für sein Land antreten sollte.

Für den Volkslauf gab es Tempomacher Für die Weltmeisterschaftskandidaten, hier Mo Farah vor Geoffrey Kamworor, ging es um Medaillen

Das Rennen

Geoffrey Kamworor, amtierende Halbmarathon-Weltmeister sowie Cross-Weltmeister 2015 und Mo Farah waren die großen Favoriten bei den Männern. Beim Start stürzte Kamworor, konnte aber sehr schnell zur 11-köpfigen Spitzengruppe aufschließen. Die Kenianer bestimmten das Tempo: 5km14:10. Sie funktionierten als Team sehr gut. Es war so schnell, dass sich Mo Farah nach 10 Kilometern entschied, nicht mehr das hohe Tempo mitzuhalten. Nach 15 Kilometern in 41:41 lagen nur noch Geoffrey Kamworor und Ben Karoki (Muchir) in Führung. Zwei Kilometer vor dem Ziel erhöhte Kamworor das Tempo und führte damit die Entscheidung herbei. Im strömenden Regen verteidigte Geoffrey Kaworwor seinen Titel aus 2014 erfolgreich. Unter sehr schwierigen Bedingungen, Dauerregen und viel Wind, schaffte er es, eine sehr schnelle Zeit zu laufen. Er gewann in 59:10 Minuten vor Bedan Karoki in 59:36 und für die begeisterten Briten wurde Mo Farah noch Dritter in 59:59.

Startvorbereitung zum IAAF Cardiff University World Half Marathon

Die Wetterverhältnisse im wunderschönen Cardiff waren Freitag sehr gut, aber am Samstag fürchterlich schlecht. Entlang der wunderschönen Strecke waren sehr viele Zuschauer und das sorgte für eine gute Stimmung. Der Sieger Kamworor: "Wir haben vom Anfang an viel Druck gemacht, das ist uns gut gelungen. Zum Schluss war es wegen des schlechten Wetters nicht einfach. Jetzt habe ich viel Selbstvertrauen für die 10.000 m in Rio." Bedan Baroki war auch sehr zufrieden mit seiner Leistung. Er ist ein Freund von Kamworor und beiden trainieren oft zusammen. Baroki übersiedelte 2007 nach Japan. Er läuft für ein Fabrikteam. Er wurde bei den Olympischen Spielen 2012 Fünfer und bei den Weltmeisterschaften 2015 in Beijing Vierter über 10.000m. Farah lobte Kamworor: "Er war heute sehr stark. Ich bereite mich auch auf die 10.000m in Rio vor. Das wird noch spannend."

Beim Massenstart der Volksläufer ging es gemächlicher zu

Bei den Frauen blieb eine Spitzengruppe von drei Kenianerinnen und zwei Äthiopierinnen bis Kilometer 15 zusammen. Als dann erst die Äthiopierin Genet Yalev das Tempo nicht mithalten konnte und Netsanet Gudeta bei Kilometer 17 zurückfiel, blieben noch drei Kenianerinnen über. Nach 19 Kilometern wurde Mary Ngugi das Tempo auch zu hoch und es blieben nur noch Peres Jechirchir und Cynthia Limo übrig. Auf den letzten 150 Metern entschied Peres Jechirchir das Rennen für sich und siegte in 1:07:31 h vor Cynthia Limo in 1:07:34. Dritte wurde mit 1:07:54 Mary Wacera Ngugi.

Peres Jechirchir aus Kenia läuft nur 3 Sekunden vor ihrer Landsfrau Cynthia Jerotich Limo zu Gold Bei den Männern hatte Geoffrey Kipsang Kamworor mit 26 Sekunden einen komfortablen Vorsprung Für Großbritannien lief Mohamed Farah auf den Bronzeplatz

Jechirchir war bisher noch nicht so bekannt. 2015 gewann sie in Prag den 10 km Lauf in 30:55. Cynthia Limo hatte in diesem Jahr schon in Ra's al-Chaima, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, den RAK Halbmarathon in 1:06:04 gewonnen. Es war für Peres Jechirchir ein doch etwas überraschender Sieg.

Das schnellsten 3 Frauen kamen aus Kenia mit Peres Jechirchir, Cynthia Jerotich Limo und Mary Wacera Ngugi, die somit auch in der Teamwertung Gold holten
Die schnellsten 3 Männer mit Geoffrey Kipsang Kamworor, Bedan Karoki Muchiri und Mohamed Farah. Bei den Männern konnte nur der Brite Mo Farah in die afrikanische Läuferdominanz einbrechen, Gold in der Teamwertung ging auch hier nach Kenia
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Teamwertung

Frauen: 1. Kenia, 2. Äthiopien und 3. Japan. Bei den Männern gewann Kenia vor Äthiopien und Eritrea. Es waren sehr schöne Weltmeisterschaften unter schlechten Bedingungen. Das Publikum verdient ein Riesenkompliment. Selbst bei heftigem Regen blieb es an der Strecke, auch bei den 20.000 Hobbyläufern.

 

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Die 10 Erstplatzierten Frauen & Männer der IAAF Halbmarathon Weltmeisterschaft am 26.3.2016 in Cardiff

  Frauen Männer
Pl. Name Land Zeit Name Land Zeit
1 Peres Jechirchir KEN
1:07:31
Geoffrey Kipsang Kamworor KEN
59:10
2 Cynthia Jerotich Limo KEN
1:07:34
Bedan Karoki Muchiri KEN
59:36
3 Mary Wacera Ngugi KEN
1:07:54
Mohamed Farah GBR
59:59
4 Netsanet Gudeta ETH
1:08:01
Abayneh Ayele ETH
59:59
5 Genet Yalew ETH
1:08:15
Tamirat Tola ETH
1:00:06
6 Gladys Chesir Kiptagelai KEN
1:08:46
Simon Cheprot KEN
1:00:12
7 Pascalia Chepkorir Kipkoech KEN
1:09:44
Abrar Osman ERI
1:00:58
8 Dehininet Demsew ETH
1:10:13
Mule Wasihun ETH
1:01:11
9 Gladys Tejeda PER
1:10:14
Edwin Kiprop Kiptoo KEN
1:01:21
10 Yuka Ando JPN
1:10:34
Stephen Mokoka RSA
1:01:27
Team Team
1 Kenia
3:22:59
Kenia
2:58:58
2 Äthiopien
3:26:29
Äthiopien
3:01:16
3 Japan
3:32:25
Eritrea
3:06:18

Bericht und Fotos von René van Zee

Ergebnisse www.iaaf.org

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