2.2.19 - Dieringhausen Crosslauf 10. Meerhardt Extreme

2018 verschobenes Jubiläum nun nachgeholt

Schwierigste Bedingungen seit ever - trotzdem Finisherrekord

Sonja Vernikov sorgt für neue Streckenbestzeit

von Michael Schardt 

Dieringhausen im Oberbergischen ist ein Ortsteil der Handballhochburg Gummersbach, liegt im Flusstal der Agger und darf sich an einem profilierten Gelände rechts und links der Ufer erfreuen.

Eigentlich schon Grund genug, einen schönen Traillauf ins Leben zu rufen. Das dachte sich vor nunmehr gut zehn Jahren auch Dieter König anlässlich einer eigenen Teilnahme an einem benachbarten Crossrennen.

 
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Zunächst, so König, sollte es bei einer einmaligen Durchführung bleiben, doch daraus sind nun schon zehn Veranstaltungen geworden. Am jetzigen Samstag fand das kleine Jubiläum zwar mit einer einjährigen Verspätung statt, weil 2018 das Unwetter Friederike zur Absage zwang, aber der Lauf wird immer beliebter, hat inzwischen ein überregionales Starterfeld erobert und jetzt, zum runden Geburtstag, sogar einen Finisherrekord erzielt. Alles gute Gründe, um die nächste Dekade mit Mut und Vergnügen anzugehen.

Während es am Start noch einigermaßen gut präparierte Laufwege gab, herrschte oben auf dem Berg noch der Winter. Es sollen zum Jubiläum die schwierigsten Bedingungen seit Bestehen gewesen sein, aber erneut den Lauf absagen, wollte man nicht. Dafür gab man einen Warnhinweis mit in den Startbeutel
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Anspruchsvoll und abwechslungsreich

Mit ein Grund, so König in einem Zeitungsinterview, sei auch die Strecke. Je nach Wetterlage gestalte sie sich jedes Jahr anders. Auch der Blick auf den Meerhardtturm wandle sich gegenüber dem Sommer erheblich. Da könne man den bewusst als Ruine konzipierten Aussichtsturm ganz anders wahrnehmen mit der freien Sicht auf ihn. (Wer bisher glaubte, es gäbe keine "Ruinenbaumeister" - wie der Titel eines Romans von Herbert Rosendorfer lautet, wird spätestens hier eines besseren belehrt.)

Vor allem, so König weiter, würden es kaum vergleichbare Herausforderungen bei einem Crosslauf in NRW geben, was Läufer aus nah und fern anziehe. Der Zehner weist 310 Höhenmeter und beim schwierigsten Stück 24 Prozent Steigung auf, der Fünfer immerhin noch 200 Höhenmeter.

 
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Das Logistikzentrum der Veranstaltung strahlt nicht gerade Gemütlichkeit aus bei dieser trüben Witterung Dieter König ist Erfinder und Cheforganisator des Meerhardt Extreme Wintercrosslaufs Gleich zwei Zielbögen erwarten die Finisher, einer davon ist nicht mit Luft gefüllt

In diesem Jahr seien die Bedingungen aber so extrem gewesen, wie noch nie, sagte der Orgachef und Erfinder noch bei der Ansprache am Start. Man solle die Warnhinweise befolgen, damit alle wieder gesund ins Ziel kommen. Es gäbe Matsch, Schnee und teilweise auch verstecktes Eis, weshalb man da ruhig gehen oder langsam laufen soll, da dort keine Rennen entschieden würden. Tatsächlich befolgten die Läufer die Hinweise, so dass die medizinische Abteilung einen ruhigen Nachmittag verleben konnte.

 
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Auch M65-Läufer Udo Lohrengel, später Sieger seiner Altersklasse über fünf Kilometer, zeigte Respekt vor dem zu erwartenden Terrain. Er kennt hier jeden Baum und Stein und muss es schließlich wissen, steht doch schräg gegenüber des Starts sein Geburtshaus. Während Lohrengel sich mit der kleinen Meerhardt-Variante begnügte, lief Ehefrau Birgit Lennartz die Hauptroute, wo sie sich mit dem Frauenteam der LLG St. Augustin (zusammen mit Daniela Drose und Ilse Schmitz) die Mannschaftswertung in 2:50:56h sicherte.

Der Hauptlauf ist zehn Kilometer lang und weist 310 Höhenmeter auf. Die schwierigste Stelle hat 23 Prozent Steigung. Er besteht aus einer 7 und einer 3 km Runde Die Ausnahme: ein gut zu belaufender Untergrund kurz nach dem Start

Umgekehrte Vorzeichen

Da Dieringshausen ziemlich genau in der Mitte zwischen Köln und Siegen liegt, sind es immer wieder auch Läufer aus diesen beiden Regionen, die den einheimischen Strategen das Wasser abgraben wollen. Ein Crosslauf, der durchaus auch die Gattungsbezeichnung "Berglauf" tragen dürfte, ist vor allem ein gefundenes Fressen für Läufer aus dem Sauer- und Siegerland, die auch diesmal tonangebend waren. So standen bei den Männern mit Timo Böhl vom Team TVE Netphen und Tim Dally vom TuS Deutz zwei Läufer in der Voranmeldeliste, die schon bei der letzten Austragung 2017 ganz oben auf dem Treppchen gestanden hatten und nun zu den Favoriten zu zählen waren.

Weiter oben nimmt der Schnee und die Steigung so zu, dass viele in den Gehmodus überwechseln Der höchste Punkt und gleichzeitig Namensgeber des Laufs ist der absichtlich als Ruine gebaute Aussichtsturm Meerhardt, auf dem sogar ein paar Zuschauer standen

Der vorgesehene Kurs der Hauptläufer - die Distanz ist nahezu genau zehn Kilometer - besteht aus einer langen Runde von sieben und einer kurzen von drei Kilometern. Da das Feld nach der ersten Runde am Ziel vorbeikommt, können die Zuschauer einigermaßen Einblick in das Renngeschehen gewinnen. Was sie zu sehen bekamen, war das umgekehrte Vorzeichen der letzten Edition. Böhl (M30) hatte schon nach fünf Kilometern einen Vorsprung herausgelaufen, während Dally (M30) sich auf Absicherung des zweiten Platzes konzentrierte - zu frisch agierte sein Konkurrent.

Böhl gewann, von oben bis unten verdreckt, die Konkurrenz in 38:19min, vor Dally, der 39:58min benötigte. Ihm blieben nur zwölf Sekunden Vorsprung auf Lokalmatador Richard Glatz (M40) von der LG Gummersbach, der in 40:10min finishen konnte. Rang vier ging an Tobias Lautwein (M30) von Runnergy (40:49min). Der sicherte sich mit die Männermannschaftswertung zusammen mit Frank Lütters und Simon Hoppee im2:08:20h. 175 Läuferinnen und Läufer konnten den Zehner erfolgreich bestreiten.

 
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Sieger Timo Böhl (links) und der 2., Tim Dally. Bei der letzten Austragung war die Reihenfolge der beiden umgekehrt gewesen Richard Glatz sicherte sich den 3. Platz

Auf den Hund gekommen

Das kann allerdings nicht für eine sehr schnelle Läuferin gelten, die sogar als Erste im Ziel war. Sie hatte sich hinter einen Hund gespannt, der sie bergauf derart gezogen hatte, dass ein Konkurrentin nur dachte, "ich glaube, ich stehe". Laut Aussage eines Organisators wurde gar vermutet, dass sie am Berg schneller gewesen sei als der schnellste Mann. Der Jury blieb nichts anderes übrig, als die Läuferin aus der Liste zu streichen. Es waren noch weitere Läuferinnen und Läufer mit Hund unterwegs, ob die auch aus der Liste genommen wurden, ist unbekannt. Zumindest bei einem Gespann hatte man im Ziel den Eindruck, dass der Hund mehr der Gezogene als Ziehende war.

Nicht nur dieses Gespann wurde gesichtet. Das Regelwerk lässt eine offizielle Teilnahme und Wertung aber mit Hund nicht zu
Tatsächliche Siegerin wurde Franziska Espeter (492) aus Laasphe, die hier scheinbar sogar den Männersieger Timo Böhl (412) hinter sich gelassen hat. Aber der läuft sich nur ein wenig aus Zweitplatzierte und Siegerin von 2017: Rike Westermann vom TV Refrath

So wurde auch bei den Frauen der Kampf um Gewinn und Niederlage eine erfolgreiche Angelegenheit der Sauerland-Siegerland-Region. Klar schnellste war Franziska Espeter (W30) vom TV Laasphe. Sie siegte mit mehr als siebzig Sekunden Vorsprung in genau 48 Minuten vor der letzten Gewinnerin Rike Westermann (W35) vom TV Refrath in 49:17min. Hinter der dritten Daniela Zoll (W35) von der LG Gummersbach (50:58min) belegte die frühere Eliteläuferin Silke Optekamp (W40, Skinfit-Sho Köln) einen ordentlichen vierten Rang (51:03min).

Dritte bei den Frauen wurde Lokalmatadorin Daniela Zoll Die frühere Leistungsläuferin Silke Optekamp wurde im Hauptlauf 4. und startete für einen der Sponsoren, den Skinfit-Shop Köln Ramona Wied wird 5. und siegt in W45

5km: Streckenrekord mit Ansage

Der Streckenrekord über 5km (tatsächlich wohl hundert Meter länger) lag bei den Frauen bei gut 25 Minuten. Da war es nicht schwer vorherzusagen, dass eine Starterin diesen doch wohl brechen können müsste. Die 17-jährige Sonja Vernikov hatte eine Woche zuvor in Duisburg eine Siebzehneinhalb auf einer allerdings flachen Strecke hingelegt, wie viel Zeit allerdings das Streckenprofil in Dieringhausen kostet, ersieht man aus der Tatsache, dass Vernikov (Skikeller Kaulardt & Schroiff) hier 22:40min brauchte. Ein Unterschied von vollen fünf Minuten. Die Streckenbestzeit schaffte das Jungtalent dennoch und durfte sich am Schluss auch einer Sonderprämie erfreuen. Im Siegertrio war Vernikov mit ihren siebzehn Lenzen sogar die Älteste. Zweite wurde die Siegerländerin Inga Sauer vom TV Buschhütten. Die U18-Läuferin brauchte 25:57min und verwies die U16-Läuferin und Fußballerin Madlen Behrends des FV Wiehl in 26:23min auf den Bronzerang.

 
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Start des Fünfers, der mit seinen Finishern zum neuen Teilnehmerrekord beitrug Auch die Jedermänner mussten hinauf zum Meerhardtturm

Madlen war zugleich die schnellste Teilnehmerin einer komplett angetretenen U15-Jugendfußballmannschaft, obwohl alle anderen Teamplayer Jungen waren. Mit ihren Mitstreitern durfte sie sich über den Pokal des teilnehmerstärksten Vereins im Jugendbereich freuen, obwohl sich einige der Jungs nicht mit Ruhm und Ehre bekleckert und Abkürzungen genommen hatten. Obwohl bekannt, gingen die Organisatoren des TSV Dieringhausen mit den "Streichen" der Burschen mildtätig um und sahen von einer Disqualifikation ab, zumal die gesuchte harte Trainingseinheit für die wetterbedingt spielfreien Jungkicker doch etwas zu hart war.

Der Fünfer ging fünfzehn Minuten vor dem Hauptlauf in entgegengesetzter Richtung an den Start. Der Lauf, der erst seit 2015 zum Programm gehört, konnte mit 75 Teilnehmern ein gutes Ergebnis einfahren - ganz zur Freude der fünfzig emsigen Helfer. Bei den Männern konnte Leon Kaiser seinen letztmaligen Sieg wiederholen. Der U20-Mann vom TSV 04 Bayer Leverkusen siegte in 20:47min mit nur einer Sekunde Vorsprung vor Ersen Albayrak vom Team TV Buschhütten (MHK), der 20:48min brauchte. Rang drei ging an Wiktor Vernikov, den jüngeren Bruder von Sonja. Er, fürs gleiche Team unterwegs wie die Schwester, kam nach 20:58min ins Ziel.

 

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Das Siegerpodest bei den 5-km-Frauen v.l.: Inga Sauer (2.), Siegerin Sonja Vernikov und die Fußballerin Madlen Behrends (3.) Das Treppchen der Männer mit v.l. Ersen Albayrak (2.), Sieger und Titelverteidiger Leon Kaiser sowie Wiktor Vernikov (2.)
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Gut aufgestellt

Nach dem Lauf lange im Freien zu verweilen, war nicht angesagt. Es waren zwar keine Minusgrade zu konstatieren, aber auch keine milden Gegebenheiten. So begaben sich die meisten Läufer in die etwa ein Kilometer entfernte Schulturnhalle "Auf der Ente", wozu es auf der anderen Seite der Agger erneut einige Höhenmeter zu bewältigen gab. Manche Teilnehmer erledigten dies auch laufend. Hier warteten warme Duschen und ein reichhaltiges Buffet und natürlich die Siegerehrungen auf die Ausdauersportler. Und auch viele Sonderpreise und Gratifikationen.

Überhaupt war es erstaunlich, dass es schon einen reichhaltig gefüllten Starterbeutel gab, dazu die Berechtigung zur Teilnahme an einer wertvollen Tombola und an allen Ecken und Kanten Getränke, Süßigkeiten, Obst usw. Fürderhin wurden aus Überschüssen soziale Einrichtungen gefördert. Das alles kann nur bedeuten, dass der Veranstalter bei örtlichen Sponsoren bestens aufgestellt ist und einen hervorragenden Ruf genießt. Als Sahnehäubchen konnte Dieter König in einer Pause bei der Ehrung verkünden, dass gerade das Autohaus seinen Vertrag um fünf Jahre verlängert hat, in dessen Räumlichkeiten die Startnummern ausgegeben und die Nachmeldungen vonstattengehen.

Alles in allem eine vollkommen runde Sache mit dem Meerhardt Extreme Lauf: organisatorisch wie atmosphärisch.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse www.meerhardtextreme.de

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