3.2.19 - Diekirch Eurocross (Luxembourg)

Über ein Dutzend Treppen musst du laufen ...

von Holger Teusch 

Die "Palmarès", die Liste der Sieger des Eurocross in Diekirch liest sich gut. Bernard Barmasai, der ehemalige Hindernislauf-Weltrekordler aus Kenia stand in der Stadt im Norden Luxemburgs schon auf dem Siegerpodest (1997). Ebenso Vincent Rousseau (1990), der Belgier, der 1993 Halbmarathon-Weltrekord lief. Ebenso der in Deutschland seinerzeit bekannte Tendai Chimusasa aus Zimbabwe (1994 und 1996). Dieter Baumann musste sich vor 22 Jahren mit dem dritten Platz hinter Barmasai und dem späteren Europarekordler (3000 Meter, 5000 Meter, 10.000 Meter) Mohammed Mourhit aus Belgien mit dem dritten Platz begnügen.

 
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Wie viele Höhenmeter auf kurzer Wegstrecke beim Eurocross bewältigt werden müssen, zeigt sich am Ende des Treppenabschnitts. Und auch danach geht es noch etwas bergan Seit einigen Jahren lockt der Eurotrail auch die Läufermassen im Winter nach Diekirch. Über 13 km oder 19 km gibt es nicht das klassische Eurocross-Gefühl mit Treppen, sondern große Landschaftsrunden
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Besser erging es den deutschen Frauen: Irina Mikitenko (1999, 2000), Uta Pippig (1990), aber auch Susanne Ritter (jetzt Hahn, 2006) oder Simret Restle (2015) gewannen in der einzigen luxemburgischen Garnisonsstadt. 2018 trug sich die zurzeit vielleicht beste deutsche Crossläuferin Elena Burkard in die "Palmarès" ein.

Und jetzt Anna Gehring! Die deutsche 10.000-Meter-Meisterin vom ASV Köln führte mit ihrem Sieg die eindrucksvolle Serie ihrer Erfolge in diesem Winter fort: Crosslauf-Vizeeuropameisterin der U23-Juniorinnen und Gold mit der deutschen Mannschaft, der zweite Platz beim Silvesterlauf in Trier (hinter Burkard), der Sieg mit den Europateam beim Cross-Vergleich gegen Großbritannien (mit Laura Muir) und die USA im schottischen Stirling - und jetzt Diekirch, der Eurocross.

 
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Stark besetzte Jugendlauffelder sieht man beim Eurocross immer noch. Die luxemburgischen Vereine tragen einen Crosscup untereinander aus. Eine Station ist natürlich der Eurocross Erst ein normaler Anstieg, dann die Treppen, schon die 14-Jährigen mussten den brutalen Anstieg bewältigen

Der 22-Jährigen scheint der Diekircher Parcours mit seinen kleinen und großen Gemeinheiten zu liegen. Zu den größeren Gemeinheiten gehören zweifelsohne die Treppen. Bis auf die Jüngsten, die sich ausschließlich auf den teilweise noch schneebedeckten Wiesen des Sportzentrums austoben dürfen, müssen alle anderen mindestens einmal den Anstieg hinauf. Es fängt mit einer vergleichsweise harmlosen Steigung an. Man will ja nicht meckern. Es ist ja Cross und die paar Höhenmeter inklusive schmierigem Lehmboden findet man auch bei guten deutschen Crossläufen zuweilen.

Aber dann steht man vor einer Treppe - und kein Aufzug in Sicht. Grob in den Berg hineingelegt raubt sie die letzten Sauerstoff- und Glykogenmoleküle. Hohe, aus Eisenbahnschwellen gezimmerte Stufen lassen nicht an Laufen denken. Zum Glück ist nach rund einem Dutzend dieser Folterinstrumente der Spuk vorbei - so scheint es zumindest, wenn der Blick wieder mehr als einen halben Meter nach vorne schweift, sich der Oberkörper aufrichtet. Doch der Schein trügt: Erst steigt der Pfad noch weiter an, um dann teilweise halsbrecherisch zurück ins Tal zu stürzen. An Erholung ist kaum zu denken.

 
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Schon die Treppen hinauf oder noch eine flache Runde? Elke de Dobbelaere (182) war sich nicht sicher, wann es den berüchtigten Anstieg im U16-Rennen hinauf ging. Nach 2710 Metern musste sich die Belgierin klar Rebecca Bierbrauer vom Verein Silvesterlauf Trier (191) um fast 30 Sekunden geschlagen geben Die viertschnellste U16-Läuferin Meret Joeris vom MTV Bad Kreuznach zeigte, wie man die Treppen mit guter Armarbeit hoch kommt

Es ist halt eine richtige Crosslauf-Strecke, die Gehring in 20:26 Minuten für 5610 Meter bewältigt. Hinter Gehring belegte die Kenianerin Mercyline Jerono in 21:05 Minuten den zweiten Platz. Als Dritt- und Viertplatzierte folgten mit Vera Coutellier (21:14) und Vera Hoffmann (22:17) zwei Trainingspartnerinnen von Gehring beim ASV Köln. Die Luxemburgerin Hoffmann studiert in der Domstadt und startet in Deutschland für den Traditionsverein. Im Großherzogtum trägt die 22-Jährige das Trikot des Eurocross-Ausrichter-Clubs Celtic Diekirch. Noch am Abend vor dem Crossrennen lief sie in der Coque in Luxemburg-Stadt ein 1500-Meter-Hallenrennen. 0,13 Sekunden hinter der EM-Halbfinalistin Charline Mathias (ebenfalls Luxemburg) belegte sie in 4:17,78 Minuten den zweiten Platz.

 
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Die Luxemburger Vivian Henz (175) und Aurélien Carre dominierten klar das U16-Rennen der Jungen über 2,9 km. Der zu Beginn noch an dritter Stelle liegende Raphael Jüris von der LG Kreis Ahrweiler (151) wurde am Ende Vierter Der sechstschnellste U16-Läufer Simon Quint (Wittlicher TV) schaute trotz Laktat in den Beinen auf den Treppen noch entspannter aus, als manch anderer Läufer

Im Männer-Eliterennen über brutale 10.330 Meter und sieben (Frauen: drei) Anstiegen über die Treppen schaffte es diesmal zwar kein Deutscher aufs Podium (2018 gelang das dem späteren U23-Crosslauf-Vizeeuropameister Samuel Fitwi von der LG Vulkaneifel als Dritter), bemerkenswert ist aber der vierte Platz von Joseph Katib. Dass der 36-Jährige von der LG Braunschweig schon deutscher Berglaufmeister war, zeugt von seinen Kraxel-Qualitäten. In Diekirch bewies er aber auch, dass ihm Rhythmuswechsel nichts anhaben können. Marathon-Olympiateilnehmer Yonas Kinde, ein Äthiopier, der in Luxemburg lebt und für das IOC-Flüchtlingsteam in Rio de Janeiro startete, war in 36:19 Minuten nur 19 Sekunden schneller. An der Spitze duellierten sich der mehrfache schwedische Crosslaufmeister Andreas Åhwall und Artem Kazban aus der Ukraine. Am Ende hatte Kazban in 35:33 Minuten die Nase doch noch deutlich vor dem Mann aus Skandinavien (35:48).

U23-Vizeeuropameisterin Anna Gehring (50) vom ASV Köln dominierte das 5610-Meter-Rennen der Frauen-Elite nach belieben und siegte in 20:26 Minuten vor der Kenianerin Mercyline Jerono (57, 21:05 Minuten). Die Belgierin Shana Lauwers (54) wurde am Ende Sechste (22:48) Vera Coutellier (55) machte als Drittplatzierte des Frauen-Elitelaufs den Triumph des ASV Köln perfekt

In den Asserennen kommt der Eurocross weder was Klasse, noch was Masse betrifft an alte Zeiten heran. Im Großherzogtum erlebt dagegen Traillaufen einen Boom. Nur logisch, dass die Eurocross-Organisatoren den Cross Populaire schon vor einigen Jahren gegen einen Wettbewerb dieser Kategorie austauschten. Nach einigen Einführungsrunden über die Crosslauf-Strecke geht es auf eine große Runde durch die Eifel-Ardennen-Landschaft. Über 19 km gab es durch Franziska Schneider vom VfL Waldbreitbach in 1:35:11 Stunden sogar eine deutsche Siegerin. Schnellster Mann war in 1:18:14 Stunden mit Sven Remakel ein Luxemburger. Über 13 km siegten Sonny Eschette (1:07:34 Stunden) und Toon Blommarts (57:54 Minuten).

Dass Crosslauf in Luxemburg immer noch einen hohen Stellenwert besitzt, sieht man bei den Rennen des Nachwuchses. Der Eurocross hat zwar seinen Status als IAAF Permit Meeting verloren, zur Crosslaufserie des Großherzogtums gehört er aber natürlich weiterhin. Immer zwei Geburtsjahrgänge zusammengefasst, aber nach Mädchen und Jungen getrennt, standen teilweise 50 Kinder und mehr an der Startlinie. Wie bei Crosslauf-Welt- oder -Europameisterschaften die Nationen, stellen sich die Vereine in Blöcken gemeinsam auf. Kochte in den 1990iger Jahren die Stimmung bei den Eliteläufen, so ist es mittlerweile beim Nachwuchs am lautesten beim Eurocross.

Weniger als 24 Stunden nach einem 1500-Meter-Hallenrennen, bei dem sie in 4:17,78 Minuten 13 Hundertstelsekunden hinter ihrer luxemburgischen Landsfrau Charline Mathias Zweite wurde, erkämpfte sich Vera Hoffmann beim Crossrennen ihres Vereins Celtic Diekirch den vierten Platz Am Ende der Treppen stützte sich so mancher Läufer mit den Händen auf den Oberschenkeln ab, um auch die letzten Meter zu schaffen
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Für einen Teil der 12- bis 17-Jährigen ging es außer um ihre Einzelplatzierung und Punkte fürs Vereinsteam auch im Vergleich der Leichtathletik-Verbände Luxemburgs und des Rheinlands (LVR) um Punkte. Wie bereits 2018 setzten sich die Einheimischen von der FLA (Fédération Luxembourgeoise d'Athlétisme) durch. Doch der Vorsprung schmolz auf zehn Punkte zusammen. Bei den Mädchen war sogar der LVR besser. Durch Rebecca Bierbrauer vom Verein Silvesterlauf Trier gab es zusätzlich zu Anna Gehrings Erfolg im Elitelauf einen weiteren deutschen Sieg (in der Altersklasse U16).

Bericht und Fotos von Holger Teusch

Ergebnisse www.eurocross.lu

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