25.2.18 - 16. Sindelfingen Glaspalast-Waldlauf

Eis, Eiseskälte und Sonnenschein

Johannes Bergdolt und Isabel Leibfried meistern den anspruchsvollen Parcours am schnellsten

von Günter Krehl

Seit 2012, als ich erstmals vom Lauf berichtet habe, ist der Start des Hauptlaufes im Innern des Glaspalasts, dem nationalen Markenzeichen, was Hallenleichtathletik betrifft. Seit 1977 wurden dort Deutsche Meisterschaften ausgetragen. In den Monaten Januar und Februar, meist sogar bis weit in den März hinein, gehört die Halle den Leichtathleten, die Wochenende für Wochenende Meisterschaften von den Schülern bis zu den Senioren auf der roten Bahn und dem grünen Innenraum abhalten.

Axel Stahl, einstiger Supertriathlet, der in Maichingen ein im Umkreis sehr bekanntes Sportgeschäft betreibt, ist der Motor der Veranstaltung und am Mikrofon ständig präsent. Momentan organisiert er 11 Wettbewerbe im Lauf- Triathlon- und Radbereich. Nachdem er mit seiner Schönbuch Trophy (Rad- und Trailmarathons durch den Schönbuch) großen Zulauf hatte, gibt es dieses Jahr im August neu die Nordschwarzwald Trophy (MTB Strecken bis 80 km und Trails bis 50 km).

Sindelfinger Glaspalast Waldlauf - der Name ist Programm
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2012 herrschten am Morgen des Lauftages 17 Grad minus, heuer war es mit 7 Grad zwar nicht ganz so kalt, der eisige Nordostwind dürfte jedoch so manchen potentiellen Starter abgehalten haben. Durften die Bambini (7 Jahre und jünger) vor 6 Jahren ihre Runden in der Halle drehen, wurden sie dieses Mal ins Freie gelassen. Das "Marathontor" wurde geöffnet, die kalte Luft wehte herein und die Kids brausten nach draußen. Nach kurzer Zeit hatte Luca als erster die etwa 700 m durchlaufen. Zeiten wurden nicht genommen aber für jedes Kind gab es eine Urkunde und ein Präsent.

Start der Bambinis: Gleich geht es durchs "Marathontor" hinaus in die Kälte Mädchen und Jungen U10/12. Gleich nach zehn Metern geht es in die erste Linkskurve. Das ging nicht ohne Sturz vonstatten

Wenig später ging es für U10 und U12 von der Halle hinaus ins Freie und eine Runde um die Sportplätze. 57 Mädchen und Jungen liefen nach drei neunzig Grad Kurven aus der Halle und umrundeten die Sportplätze. Aaron Ott (4:40) und Julia Schneider (4:47) als Gesamtdritte waren am schnellsten wieder zurück.

 

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19 Jugendliche der Klassen U14 und U16 absolvierten danach die gleiche Runde, mussten allerdings zwei Mal um die Sportplätze herum. Alexander Stephanon (6:46) und Melissa Blum (7:50) als Gesamtsechste waren die Sieger. Beide Streckenlängen waren mit 1.500 m und 2.500 m sehr großzügig angegeben. Leider hat sich seit 2012 noch kein Teilnehmerboom bei den Jugendläufen eingestellt. Die Bedingungen wären eigentlich ideal: Letzte Vorbereitungen im Warmen, eine kurze wohltuende aktive Kältedusche und dann wieder Erholen und Umziehen im geschützten Raum. Besonders für Jüngere und begleitende Geschwister gibt es seit Anfang an vielseitige Spiel- und Sportmöglichkeiten im Innenraum. Auch können Eltern, Großeltern und Betreuer diesen problemlos betreten und hautnah betreuen, anfeuern und fotografieren oder filmen.

Axel Stahl gibt die letzten Informationen an das kleine Häufchen Jugendlicher U14/16, die zwei Runden um die Sportplätze zurücklegen werden Der Hauptlauf ist gestartet: nach einem Kilometer führt Levin Maurer vor Johannes Bergdolt und Ulrich Königs

Waren die Jugendläufe etwas zu kurz, mussten die Hauptläufer einige Meter mehr bewältigen. Der Wintereinbruch zwang die Organisatoren kurzfristig zu einer Streckenänderung. War 2012 auf kaltem griffigem Neuschnee die große Runde problemlos zu belaufen, gab es dieses Jahr auch im Sindelfinger Wald viel Eis. So führte die Strecke wie gewohnt von der Halle auf Asphalt etwa einen Kilometer bis zum Wald. Dort mussten dann aber zwei etwa 4 Kilometer lange Runden bewältigt werden, ehe es wieder auf gleichem Weg zur und in die Halle hinein ging. Die Strecke war gut präpariert und es war erstaunlich, mit welcher Eleganz die meisten Teilnehmer über die teils langen Eispassagen schwebten. Trotzdem gab es Stürze, von zweien wurde mir berichtet. Natürlich müssen bei diesen Verhältnissen die Zeiten relativiert werden. Ein Garminresultat deckt sich annähernd mit meiner Streckenschätzung: 10,3 km.

Die Spitzengruppe der Frauen mit Isabel Leibfried, Tamara Walter und Nicole Möbus nach Kilometer 1 noch Kopf an Kopf Eisiger Wind erschwert das Laufen bei herrlichem Sonnenschein

Vor 6 Jahren geleitete ein Führungsfahrrad den Läuferpulk durch die Halle, dann durch das große Tor ins Freie und irgendwo in der Nähe des früheren Startareals wurde fliegend nach "Indianapolisart" das Rennen freigegeben. Da an dieser Stelle keine Matten auf dem Boden lagen, wurde diese unbefriedigende Lösung nicht beibehalten. Zwar verleiten die ersten Meter nun nicht gerade zum Blitzstart für die meisten Teilnehmer, die jetzige Lösung ist aber auf alle Fälle die fairste.

Nach einem Kilometer führte Levin Maurer (SpVgg Holzgerlingen) das Feld mit allen Favoriten im Schlepptau an. Bei den Frauen lag ein Trio mit Isabel Leibfried (TherapieReha Bottwartal), Tamara Walter (VfL Ostelsheim) und Nicole Möbius (Heart and Sole Stuttgart) Kopf an Kopf vorn.

Waldrunde eins beginnt mit griffigen schneefreien Wegen Die schneefreien Teile waren wunderbar zu laufen

Kurz vor Streckenhälfte hatten sich Johannes Bergdolt (Team Physiotherapie Kontos) und Ulrich Königs (TherapieReha Bottwartal) leicht abgesetzt. Fabian Schneckenburger (TF Feuerbach) folgte mit 10 Meter Abstand und weitere 20 Meter dahinter lag, auf Position vier zurückgefallen, Levin Maurer. Als Fünfter folgte Julian Mutterer (TSV Calw), der das ganze Rennen allein bestreiten musste. Als Triathlet der erweiterten Weltklasse ist er solche Rennen allerdings gewohnt.

 
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Die Topfavoritin Isabell Leibfried lag nur 5 Meter vor Nicole Möbus, während Tamara Walter schon 60 Meter Rückstand aufwies. Weitere 20 Meter dahinter folgte Alexandra Olpp (TC Backnang) auf Rang vier.

Kurz vor Streckenhälfte: Johannes Bergdolt und Ulrich Königs 10 m vor ... ... Fabian Schneckenburger Levin Maurer folgt auf Platz 4

Auf der letzten Abwärtspassage im Wald bei Kilometer neun suchte Johannes Bergdolt die Entscheidung. Hier gab es auf der eisigen Passage für die schnelleren Läufer beim Überrunden kleinere Probleme. Bergdolt vergrößerte seine 10 Meter Vorsprung bis ins Ziel auf 17 Sekunden. Mit 35:47 siegte der junge Läufer, der offiziell für den VfL Sindelfingen startet und eine 10 km Bestzeit von 31:38 hat, am Ende noch relativ überlegen. Ulrich Königs, Teamgefährte von Arne Gabius, lief mit 36:04 auf der schwierigen Strecke verhältnismäßig nah an seine Bestzeit (33:37) heran. Fabian Schneckenburger blieb bis zum Schluss dicht auf Königs Fersen und erreichte nach 36:10 das Ziel. Die nächsten Plätze belegten Levin Maurer (36:22), Julian Mutterer (36:52) und Valentin Schimpf (TV Konstanz/ 37:48).

Spitzentriathlet Julian Mutterer wird Gesamtfünfter
Seit Jahren immer ganz vorn mit dabei und in der M50 kaum zu bezwingen: Wolfgang Gauss Auf der letzten Abwärtspassage im Wald bei Kilometer neun gab es auf der eisigen Passage für die schnelleren Läufer, hier der Gesamtdritte Fabian Schneckenburger, beim Überrunden kleinere Probleme

Isabel Leibfried hatte sich in der zweiten Runde deutlich von ihren Verfolgerinnen abgesetzt und siegte unangefochten in 41:47. Die Athletin, die eigentlich für die TSG Heilbronn startet, zählt zur erweiterten deutschen Spitzenklasse und hat unter anderem eine 10.000 m Bestzeit von 34:47. Platz zwei war dann doch hart umkämpft. Mit 42:29 zu 42:35 setzte sich Nicole Möbus gegen die am Ende stark aufkommende Tamara Walter durch. Möbus hat eine Bestzeit von 35:56 und lief 2017 bei den Deutschen Meisterschaften in Bad Liebenzell 36:21 im Trikot des VfL Sindelfingen, seit diesem Jahr hat sie einen Startpass für die TSG Heilbronn. In Liebenzell lag Walter noch 3 Minuten hinter Möbus. Inzwischen hat die von der LG Calw zum VfL Ostelsheim gewechselte Athletin einen großen Leistungssprung vollzogen. 6 Tage nach Rang 5 bei der Winterlaufserie in Rheinzabern gewann sie letztes Wochenende im Glaspalast die Baden-Württembergische Seniorenmeisterschaft über 3.000 m mit 20 Sekunden Vorsprung. Auf den weiteren Plätzen folgten Alexandra Oppelt (43:22), Birgit Sommer (LG Filder/ 45:43) und Sandra Lermer (Team Allianz/ 46:50).

Nicole Möbus verlässt als Gesamtzweite den Wald einen Kilometer vor dem Ziel Tamara Walter folgt als Gesamtdritte wenige Meter dahinter Keine Minute später folgt Alexandra Olpp auf Platz vier

Starke Leistungen im älteren Seniorenbereich erzielten als Klassensieger Martina Buettner (49:55/W50), der Gesamtsiebzehnte Wolfgang Gauss (40:08/M50), Erich Faist (45:37/M60), Werner Hasler (45:45), der durch Sturz gehandicapt trotzdem die M55 gewann und Günther Lippold (47:49/M65).

2012 wurden noch die ersten 5 Frauen und Männer auf dem Podest geehrt, dieses Mal fand die Ehrung nur für die jeweils drei Besten statt. Die Altersklassensieger konnten ihre Urkunden und Preise am Infostand abholen. Sicher halten viele diese Ehrungen für zeitraubend und überflüssig. Gut gestaltet kann so eine Siegerehrung auch in der heutigen Zeit noch eine schöne Würdigung dieser besonderen Leistungen sein.

Gezeichnet vom Sturz hat Werner Hasler das Tempo gewaltig drosseln müssen. Trotzdem reicht es noch deutlich zum Klassensieg M55 Günther Lippold gewinnt die Klasse M65 mit annähernd 5 Minuten Vorsprung Selbst auf Asphalt musste man aufpassen, auf dem Rückweg kein Problem, nach dem Start im dichten Pulk nicht ungefährlich

Das Verpflegungsangebot war vielfältig und es gab keine Wartezeiten. Dieses Mal konnte ich das reichhaltige Kuchenbüfett auskosten, vor 6 Jahren war es bereits leergefegt gewesen. Vielleicht lag es daran, dass damals 415 Sportler die 10 Kilometer bewältigt hatten, heuer leider nur noch 284. Auch mit den gleichzeitig gestarteten 66 Freizeitläufern über 6 Kilometer ist ein bedauerlicher Teilnehmerrückgang zu verzeichnen gewesen. Die Kurzstreckler hatten nur eine Runde zu absolvieren. So fand sich in der ersten Ergebnisliste des Hauptlaufes eine "Gesamtsiegerin" vor Isabel Leibfried, die nur eine Runde gelaufen war, obwohl sie für den Zehner gemeldet hatte. Stefan Dunder (23:41) und Swantje Friedrich (29:39) waren die Schnellsten auf der Kurzstrecke.

Wenige Meter vor dem Glaspalast an den Sportplätzen, die die Jugendlichen umrunden mussten

Mein Fazit von 2012 kann ich fast unverändert übernehmen: Eine gelungene Veranstaltung bei (kaltem) Kaiserwetter. Eine gut präparierte aber nicht ganz einfach zu laufende Ersatzstrecke für die Großen und ein Lauf- und Spielerlebnis für die Jüngeren. Schön die bebilderten Startnummern mit aufgedruckten Vornamen, leider waren die kleinen weißen Nummern nicht zu erkennen und selbst auf Fotos so gut wie nicht zu entziffern. Insgesamt eine Toporganisation und ein in Deutschland wohl einmaliger Start- und Zielbereich. Gratulation an Axel Stahl und seine vielen engagierten und freundlichen Helfern. Dass Athleten so entspannt in einer Großarena ihren Laufsport ausüben können - und das bei einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis - ist, zumal im Großraum Stuttgart, nicht selbstverständlich. Bleibt zu hoffen, dass Axel noch viele Jahre zum Wohle unseres geliebten Sports so engagiert organisiert und der Glaspalast die Läufer weiterhin so freundlich aufnimmt.

Eine letzte Kehre und dann hinunter zum "Marathontor" Ganz große Gefühle beim Einlauf in den "Leichtathletiktempel"
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Einen kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings doch noch. Ich vermisse in der Gesamtergebnisliste die Jahrgänge und die Altersklassenplatzierungen. Ich befürchte, wenn es so weitergeht, werden eines Tages Ergebnislisten aus Datenschutzgründen ohne Namen, Geschlecht und Zeit erstellt.

Bericht und Fotos von Günter Krehl

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Ergebnisse www.eventservice-stahl.de
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