11.2.18 - 36. Rheinzaberner Winterlaufserie - 3. Lauf 20km

Souveräne Seriensiege für Jonas und Lena

Text von Wilfried Raatz - Fotos von Johann Till & Ekkehard Gübel 

Informationen zum Lauf 2019 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

Einstmals machten Lauflegende Manfred Steffny und Ernst van Aaken eine einfache Rechnung auf: Man nehme die Resultate der drei Serienläufe der Rheinzaberner Winterlaufserie über 10 km, 15 km und 20 km und erhalte die mögliche Marathonzeit im Frühjahr. Das hieße für die Seriensieger 2017/ 2018 eine Endzeit von 2:22:00 bzw. 2:43:35 Stunden. Das würden sowohl Jonas Lehmann als auch für Lena Berg umgehend unterschreiben. "Ich werde auf der nicht einfach zu laufenden Strecke beim Deutschen Weinstraße-Marathon starten, deshalb wäre für mich eine Endzeit unter 2:30 top!" so der eigentliche Berglaufspezialist, der sich mehr und mehr auch auf der Straße einen Namen machen kann. "Eine 2:44 wäre natürlich toll, aber mit einer 50 bis 60 Stunden-Woche kannst du einfach nicht diese Umfänge laufen, die für eine derartige Zeit nötig wären! Deshalb bleibe ich zunächst weiter auf den kürzeren Distanzen" gestand die 30jährige Heidelberger Neurologin.

Start frei zum Finale der 36. Rheinzaberner Winterlaufserie
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Doch das ist Zukunftsmusik, sicherlich auch zu einem gewissen Teil "graue Theorie", denn ohne Fleiß (sprich Trainings-Kilometer) keinen Preis - und dieser wäre eine Endzeit in dem jeweiligen Zeitfenster. Insgesamt beendeten 412 Läufer diesen läuferischen Dreikampf zwischen Dezember und Februar, ein kleines Plus gegenüber dem Vorjahr. Total liefen bei der 36. Auflage der Winterlaufserie 2016/2017 des TV Rheinzabern 3143 Läufer über die Ziellinie, im Schnitt also 1047 pro Lauftag. "Eine klare Steigerung" freute sich Daniel Hochmuth. Der Organisationschef verhehlt allerdings nicht, dass der Zuwachs zum Teil auf die erstmals im Januar und Februar integrierten 5 km- bzw. 10 km-Einsteigerläufe geschuldet ist.

Organisationsleiter Daniel Hochmuth freut sich über hohe Teilnehmerzahlen bei der 36. Rheinzaberner Winterlaufserie Nur den Kröten wurde ausgewichen ... ... keine Umleitung erfolgte aufgrund von vereinzelt aufkommenden Schneeflocken beim 3. Durchgang der Winterlaufserie

Die Beteiligung ist der eine Teil der Winter-Leistungsüberprüfung in der ältesten Gemeinde der Südpfalz. Das Einzugsgebiet reicht dabei weit über die Pfalz hinaus, ein Großteil kommt aus dem laufbegeisterten Karlsruhe und dem Nordbadischen, aber auch aus dem Württembergischen und weiteren Anrainern sowie aus dem nahen Elsass. Der andere Teil ist die Standortbestimmung - und diese hängt natürlich von den Witterungsbedingungen in den Wintermonaten ab. Die 36. Auflage kann sich über gutes Laufwetter keineswegs beklagen, so gab es beim finalen 20 km-Lauf leichte Plusgrade um 3°, hier und da einige Schneeflocken, aber ein zum Teil kräftig blasender Wind.

Während dem 3. Durchgang war auch die 5. Jahreszeit im Gange - Wildschweine ... ... Steinzeitmenschen ... ... und Kaptäne - alle hatten schnelle Beene - dadää-dadäää-dadää

Absolut gesehen steht in der Leistungsüberprüfung der 10 km-Streckenrekord von Clemens Bleistein, der im Dezember mit 29:53 Minuten den zwei Jahre alten Rekord von Simon Stützel (30:04) verbessern konnte, obenan. Selbst die starken 46:24 von Sebastian Reinwand über die 15 km-Strecke bedeuteten Anfang Januar keine neue Bestmarke, diese hält seit 2006 der Ukrainer Ivan Babaryka mit 46:01 Minuten. Unerreicht sind die Zeiten einer Manuela Zipse, die 1999 gleich auf allen Strecken scheinbar unantastbare Zeiten vorlegte.

Drei Minuten blieb der letztlich souveräne Seriensieger Jonas Lehmann über der Bestmarke von Habtom Weldu, der 2016 auf eine Gesamtzeit von 2:18:49 kam. Gleich acht Minuten lief Lena Berg bei ihrem überzeugenden Hattrick 2017/18 über der Bestmarke von Manuela Zipse, die 1999 den Spitzenwert von 2:35:34 vorlegte.

Hier liegt noch Martin Diepold vor Jonas Lehmann und Jan-Lukas Becker, im Ziel wird er Zehnter und holt sich den 3. Platz in der Serienwertung Bei km 11,5 lag Jan Lukas Becker noch deutlich vor Jonas Lehmann (im Hintergrund) Jonas Lehmann geht 3 km vor dem Ziel in Führung

Lassen wir die sicherlich (auch) notwendigen Vergleiche - und betrachten die durchaus spannenden Entscheidungen um die Tages- und Seriensiege. Jan-Lukas Becker, nach 10 km und 15 km auf Rang drei platziert, wollte mit einem Generalangriff auf die vor ihm rangierenden Jonas Lehmann (1:17:23) und Martin Diebold (1:18:27) attackieren. "Zumindest Rang zwei ist möglich", so der Seriensieger 2014), "das waren nur 36 Sekunden! Zu verlieren hatte ich ja nichts, denn der dritte Rang war für mich ziemlich klar!" Aus einer Dreiergruppe mit Jonas Lehmann und Martin Diebold riss der für die LG Region Karlsruhe startende 24jährige mit Mut zum Risiko aus, konnte aber nicht mehr als 80 Meter Sprung bei km 8 herauslaufen. Dabei blieb es zumindest im Vergleich zu Jonas, während Martin keinen guten Tag erwischte und hier schon deutlich zurücklag. Nach 17 km jedoch war es geschehen: Der Heltersberger Berglaufspezialist war aufgelaufen und sogleich auch in Führung gegangen - und somit auf dem Weg zum überzeugenden Gesamtsieg. "Der Wendepunkt in Jockgrim bricht mir immer wieder das Genick. Aber ich bin zufrieden: Der zweite Platz ist super!"

Verfolgergruppe vlnr. mit Sebastian Pieczarek dem späteren 6. (5. Serie), Christoph Hakenes der 7. und M45-Sieger wird (6. Serie) und Karsten Müller als 8. im Ziel (16. Mann in der Serie) Andere Verfolger wie Rolf Suter fühlen sich auf den Platzierungen im Mittelfeld scheinbar wohl

"Ich war vor dem Start schon etwas nervös", gestand Jonas Lehmann sichtlich erleichtert über den letztlich doch sicheren Tagessieg in 1:04:38 Stunden vor Jan-Lukas Becker (1:04:49). "Jan-Lukas lief zwar früh etwas weg, aber richtig schnell war es nicht. Dazu war der Wind auch zu stark!" Schon in zwei Wochen wird man den Heltersberger im angestammten Terrain zunächst wiederfinden, wenn in Steinbach am Donnersberg der Pfälzer Berglaufpokal 2018 gestartet wird - mit dem inzwischen sechsfachen Gesamtsieger Jonas Lehmann.

Hinter Jan-Lukas Becker überraschte dessen Karlsruher Trainingskollege Jasper Püschel bei seinem ersten Start in diesem Winter in Rheinzabern. "Ich brauche ein Break in der Klausurenphase", gestand der 21jährige aus dem hessischen Flörsheim, den des aus Studiengründen ins Nordbadische gezogen hatte. Der angehende Wirtschaftsingenieur möchte nach einer anhaltenden Verletzungsmisere 2018 einen Neustart wagen. Die Voraussetzungen jedenfalls sind gut, denn die als Dritter erreichten 1:05:33 Stunden sind deutlich unter seinem Halbmarathon-Hausrekord von 1:09:21, der bei der DM in Hannover fällig sein dürfte.

Der Erste im Ziel: Jonas Lehmann gewinnt auch die Serie Jan Lukas Becker wird jeweils 2. Jasper Büschel wird 3. in der Tageswertung über 20km Kibrom Issac läuft auf Rang 4 der Tageswertung Marius Meyfarth wird 5. über 20km und 4. der Serie

Dahinter folgten praktisch im großen Minutentakt Kibrom Issac (jetzt im Dress des TSV 05 Rot/ 1:06:22), Marius Meyfarth (Engelhorn Sports Team/ 1:08:38) und Sebastian Pieczarek (LG Region Karlsruhe/ 1:09:37) auf den Plätzen, bevor die Karlsruher Christoph Hakenes (LSG), Karsten Müller und Lukas Bittigkoffer (beide LG Region) innerhalb von nur drei Sekunden noch unter die 1:10-Stunden-Marke spurteten. Abgeschlagen als Zehnter mit dem Lemminge-Läufer Martin Diebold ein weiterer KA-Läufer, seine 1:10:03 Stunden reichten allerdings für Rang drei der Gesamtwertung in 2:28:30 hinter Jonas Lehmann (2:22:00) und Jan-Lukas Becker (2:23:52). Hinter dem Mannheimer Marius Meyfarth gleich vier Serien-Kategoriensieger mit Sebastian Pieczarek (M30), Christoph Harkenes (M45), Patrick Hilpert (M35) und Sebastian Grotelch (M40) auf den Plätzen 5 bis 8.

Ludwig Mesel vom LC Bad Dürkheim siegt mit starken 2:14:12 in der M80 Peter Lessing vom SC Önsbach gewinnt die M75 in unglaublichen 1:42:02 Im sommerlichen Tenue: Armin Härle vom EK Schwaikheim gewinnt die M60 in 1:19:35

"Eine bessere Endzeit wäre möglich gewesen, doch ich musste einen Großteil der Strecke alleine laufen", zeigte sich Lena Berg zunächst etwas unzufrieden - doch wenig später überwiegte die Freude über den Hattrick mit den drei Tageserfolgen über 10 km (25:24), 15 km (54:12) und 20 km (1:13:59) und dem Gesamtsieg, der mit 2:43:35 Stunden und satten zehn (!) Minuten Vorsprung vor den beiden Karlsruher LG-Läuferinnen Sophia Kaiser (2:53:47) und Johanna Flacke (2:54:25) gewann. Alleine die viertplatzierte Marika Bernhard blieb als W45-Erste mit 2:58:46 noch knapp unter der Drei-Stunden-Marke, die Tamara Walter (VfL Ostelsheim) mit 3:00:19 knapp verpasste.

Lena Berg, die schnellste Frau über 20km, gewinnt auch die Serie Platz 2 für Sophia Kaiser sowohl im 20km Rennen als auch in der Serienwertung Die Gewinnerin der W45 Marika Bernhard (1431) wird 3. Frau über 20km und 4. in der Serienwertung. Neben ihr Tamara Walter (460), die als 6. über 20km ins Ziel läuft und in der Seriwenwertung den 5. Rang erreicht Johanna Flacke wird auf der 20km Strecke 4. und sichert sich den 3. Podestplatz in der Serienwertung

"Für meine Psyche war es heute natürlich wichtig, gegen den Wind alleine zu kämpfen. Klar hätte ich gerne einige Männer um mich herum gehabt, aber die waren entweder schneller oder letztlich langsamer als ich!" gab Lena Berg einen Einblick in den stillen Kampf einer überragenden Seriensiegerin. Die zumeist alleine trainierende Heidelbergerin möchte sich vor allem auf der Halbmarathon-Distanz verbessern. Schon alleine deshalb sind die 1:13:59 ein erster Fingerzeig, wohin die Reise für die 30jährige Ärztin gehen wird. Die Stationen Frankfurt oder Kandel im März, Hannover und Heidelberg im April sollten schon weiteren Aufschluss über die (Halbmarathon-)Formkurve von Lena Berg geben können.

Erika Krüger von der LSG Karlsruhe gewinnt in 2:48:48 die W80 Ingeborg Lang von Stimmel-Sports gewinnt in 1:41:24 die W70 Felicitas Kuld vom SSC Karlsruhe siegt in 1:35:26 in der W60

Überraschend schnappte Sophia Kaiser den an sich bereits für Johanna Flacke zementierten zweiten Rang noch weg, denn vor dem finalen 20 km-Lauf betrug ihr Rückstand 3:30 Minuten. Doch die 19jährige, im Dezember DLV-Starterin bei den Cross-Europameisterschaften in Samorin, gestattete sich eine Woche vor den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund, wo sie über 1500 m gemeldet ist, eher einen ambitionierten Trainingslauf. Im Schlepp von "Edelpacer" Frederik Unewisse, der sich nach dem Frankfurt-Marathon eher im Krankenstand als im leistungsbezogenen Training befand, machte Sophia Kaiser Sekunde um Sekunde auf ihre Teamkollegin bei der LG Region Karlsruhe wett und lag in der Endabrechnung knapp voraus.

Zeitgleich mit den Serienläufern startete der neu eingeführte 10km Einsteigerlauf. Zwischen seinen 20km laufenden Vereinskameraden von der LG Region Karlsruhe Sebastian Pieczarek (Nr.4) und Karsten Müller (315), Sebastian Speiser, der mit 34:38 Minuten als 2. eine flotte Einsteigerlaufzeit liefert Steffen Ulmrich setzt als Schnellster die Marke von 32:28 min für den neu eingeführten Einsteigerlauf über 10km Auch bei den Frauen hängt Natalie Wangler die Siegerzeit mit 35:54 min hoch auf Isabelle Großkopf wird in 36:38 min 2. Frau im 10km Einsteigerrennen

Bleibt noch ein Blick auf den Einsteigerlauf über 10 km, den so etablierte Athleten wie Steffen Ulmrich und Natalie Wangler für sich in guten Endzeiten sicherten. Der U20-Athlet der MTG Mannheim, im Dezember noch Starter bei den Cross-Europameisterschaften, bog als Erster von der Jockgrimer Straße ins Ziel nach 32:29 Minuten. Als Sechste freute sich die eigentliche Marathonläuferin Natalie aus Gengenbach über den Quantensprung auf 35:54 Minuten, womit sie ihre Bestzeit um eine Minute steigern konnte.

Organisationsleiter Daniel Hochmuth bei der Siegerehrung der schnellsten Serienmänner der 36. Rheinzaberner Winterlaufserie mit dem 3. Martin Diebold, dem 2. Jan Lukas Becker und dem Sieger Jonas Lehmann (v.l.) Und bei der Siegerehrung der Frauen mit der Siegerin Lena Berg, der 2. Sophia Kaiser und der 3. Johanna Flacke (v.l.)
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Rot war Trumpf bei der Team-Siegerehrung in der IGS-Sporthalle, die nach dem Ausfall vor Monatsfrist wieder zur Verfügung stand, wenngleich die fehlende Deckenverkleidung die noch laufenden Sanierungsarbeiten verriet. Denn sowohl bei den Männern, hier gewann LG Region I vor LG Region II (die Karlsruher Dominanz rundeten die Lemminge und die LSG auf Rang drei und vier ab) als auch bei den Frauen waren die Leistungsträger aus dem Badischen ein ordentliches Stück voraus. Die in der Renovierungsphase befindliche Decke jedenfalls war den vielen Serienläufern eher gleichgültig, schließlich hatte der TV Rheinzabern einmal mehr alles bestens im Griff - und auch die große Torte für das teilnehmerstärkste Team der LSG Karlsruhe schon vor der offiziellen Siegerehrung zum "Verzehr freigegeben".

Die schnellsten Frauen & Männer der 36. Rheinzaberner Winterlaufserie 2017/18
Pl. Name Verein 10km 15km 20km Gesamt
1
Berg Lena Engelhorn Sports Team
35:24
54:12
1:13:59
2:43:35
Lehmann Jonas TUS Heltersberg
30:43
46:39
1:04:38
2:22:00
2
Kaiser Sophia
LG Region Karlsruhe
38:59
57:47
1:17:01
2:53:47
Becker Jan Lukas LG Region Karlsruhe
30:43
48:20
1:04:49
2:23:52
3
Flacke Johanna LG Region Karlsruhe
35:29
57:44
1:21:12
2:54:25
Diebold Martin Karlsruher Lemminge
31:08
47:19
1:10:03
2:28:30
4
Bernhard Marika (1.W45) TV Herxheim
39:24
59:16
1:20:06
2:58:46
Meyfarth Marius Engelhorn Sports Team
32:28
49:21
1:08:38
2:30:27
5
Walter Tamara VFL Ostelsheim
39:15
59:38
1:21:26
3:00:19
Pieczarek Sebastian LG Region Karlsruhe
32:57
50:59
1:09:37
2:33:33
6
Keppler Carmen SV Oberkollbach
39:34
1:00:10
1:22:20
3:02:04
Hakenes Christoph (1. M45) LSG Karlsruhe
32:57
51:04
1:09:42
2:33:43

Bericht von Wilfried Raatz
Fotos von Johann Till & Ekkehard Gübel

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