18.2.18 - RLP-Crosslauf-Meisterschaft in Plaidt

Viel Rheinland, wenig Pfalz und Rheinhessen

von Holger Teusch 

Rheinland-Pfalz ist sportlich gesehen ein dreigeteiltes Land. Es gibt die Sportbünde Rheinland, Rheinhessen und Pfalz mit ihren jeweiligen sportartspezifischen Fachverbänden und quasi als Dachorganisation einen Landessportbund - Föderalismus pur. Entsprechend gibt es oft Meisterschaften in jeder der drei Regionen und auf Landesebene. So auch im Crosslauf. Für diese hatte man in diesem Jahr mit Plaidt einen verkehrstechnisch günstig gelegenen Ort mit Autobahnanschluss nur wenige Kilometer von der Crosslaufstrecke entfernt gefunden. Was allerdings auch nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass es vom südlichsten Zipfel des Retorten-Bundeslandes immer noch rund zwei Stunden Fahrt waren. Das und weniger die parallel stattfindenden deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund dürfte überwiegend der Grund gewesen sein, weshalb die Läufer aus dem Verband Rheinland zahlenmäßig fast zehnmal so stark vertreten waren, wie die aus den Verbänden Pfalz und Rheinhessen zusammen.

In Kälte und Nebel liefen Frauen, Seniorinnen, U23- und U20-Juniorinnen im Mittelstreckenrennen über 3550 Meter Mühlsteine erinnern im Plaidter Nettepark, dass der Ort ursprünglich aus neun Bauernhöfen und sieben Wassermühlen bestand und die Steinindustrie eine rund 2000-jährige Tradition hat
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In Plaidt erwartete die Läufer eine oft gelobte Strecke. "Es ist alles drin. Viele Kurven, Wiese, Parkwege, steile Böschungen", zählte Yannick Pütz auf. Der 20-Jährige von der LG Rhein-Wied reiste als amtierender Rheinlandmeister auf der Mittelstrecke an. Von Beginn des auf drei Runden durch den Nettepark (= 3550 Meter) angesetzten Rennens machte er seine Ambitionen zur Titelverteidigung klar und bestimmte zunächst das Tempo. Doch schon nach einem Drittel der Distanz schloss sein Vereinskamerad Jannik Weiß auf. Der noch der Jugendklasse angehörende U20-DM-Finalist hatte die bessere Renneinteilung und riss schnell eine Lücke zu Pütz. Der wiederum hatte mit Dominik Werhan (PST Trier), Miebale Ademicale (TV Alzey) und Marius Meyfarth (LC Hassloch) bald ein Quartett im Nacken. Gegen die Pfälzer und Rheinhessen konnte sich Pütz erfolgreich wehren. Der ehemalige deutsche B-Jugendmeister Werhan kämpfte sich aber an ihm vorbei.

Der noch der Jugendklasse angehörende Jannik Weiß von der LG Rhein-Wied (vorn) siegte im 3550-Meter-Mittelstreckenrennen und sein Vereinskamerad Yannick Pütz war als U23-Titelträger Drittschnellster Mit Schwund zum Sieg: David Mahnke vom ABC Ludwigshafen war über 3550 Meter schnellster U18-Jugendlicher Die kurzen, aber steilen Böschungen kosteten den Teilnehmern, wie hier den Jugendlichen Pascal Thielke (LG Kreis Ahrweiler/533) und Samir Förster (LG Sieg/752) viel Kraft

Der aus Eritrea stammende Ademicale musste sich auf der Mitteldistanz noch mit dem undankbaren vierten Platz im Gesamteinlauf begnügen. Auf der Langstrecke zeigte der 24-Jährige sein Ausdauerpotenzial. In 32:58 Minuten gewann er locker das Rennen über 9125 Meter. Weniger locker war es für den zweitplatzierten Tim Dülfer. Der Triathlet vom PST Trier bereitet sich zurzeit auf die rheinland-pfälzischen Crossduathlon-Meisterschaften Anfang März in seiner Heimatstadt vor. Hohe Umfänge laufend, aber vor allem auf dem Mountainbike machten die Beine schwer. Vor dem Start sei er skeptisch gewesen, ob das überhaupt etwas werden würde, erzählte er später. Doch als der Startschuss gefallen war, lief es zusehends besser für den 23-Jährigen. Er kämpfte sich an Christian Schmitz vorbei auf den zweiten Platz vor.

Für den Lokalmatador von der LG Maifeld-Pellenz war es ein Heimspiel. "Früher bin ich von meinem Heimatort Bassenheim hierher zum Training gelaufen", erzählte der zweimalige DM-Siebte über 3000 Meter Hindernis. Die Wege im Nettepark kennt er also in- und auswendig, auch wenn er mittlerweile im benachbarten Andernach wohnt und viel am Rhein trainiert. Nach Verletzungsproblemen in den vergangenen Jahren reichte es diesmal für Schmitz in 34:31 Minuten immer noch zum dritten Platz. Für Mittelstrecken-Vizemeister Dominik Werhan war der vierte Platz bei seinem Start am Tag gar nicht so undankbar. Denn damit war er wieder in der siegreichen Mannschaft des PST Trier vertreten.

Lokalmatador Christian Schmitz (LG Maifeld-Pellenz/690/am Ende Dritter) und der spätere Sieger Miebale Ademicale vom TV Alzey führte das Feld der Langstreckenläufer zu Beginn an Überrundung auf der Langstrecke: Tim Dülfer (PST Trier/Zweiter über 9175 Meter) läuft zu Beginn der Böschung an Patrick Gierten vorbei, der mit den M30/35-Senioren der LG Bernkastel-Wittlich den Titel holte Nach dem zweiten Platz über 3550 Meter lief der ehemalige deutsche Jugendmeister Dominik Werhan (PST Trier, links) mannschaftsdienlich auch noch die Langstrecke mit und trug auch über mehr als 9 km zum Teamerfolg der Trierer bei. Christian Rötsch (LLG Hunsrück, rechts) siegte souverän in der Altersklasse M40

Auf der nur 6925 Meter langen Frauen-Langstrecke, die wie das M30-45-Senioren-Rennen gemeinsam mit dem über 9125 Meter gestartet wurde, durfte die ausrichtende LG Maifeld-Pellenz mit Jana Krämer eine Lokalmatadorin als Rheinland-Pfalz-Meisterin feiern. Die knapp 20-Jährige setzte sich in 29:37 Minuten souverän gegen die mehr als fünf Minuten langsamere Monika Wüster (USC Mainz) durch.

Olivia Gürth von der Diezer TSK Oranien legt im steilen Anstieg die entscheidenden Sekunden zwischen sich und der späteren U18-Vizemeisterin Katharina Fröhlig (LG Vulkaneifel) im 2475 m Rennen der WJ U16/18 U23-Juniorin Anna-Lena Theisen von der LG Rhein-Wied war die mit Abstand Schnellste über 3550 Meter Starke Jugendliche: U20-Vizemeisterin Judith Pink (PST Trier/778) teilte sich das Rennen gut ein und musste sich nach 3550 Metern nur knapp der U20-DM-Finalistin über 800 Meter Morgane Dusaux (LAZ Birkenfeld/600) geschlagen geben

Härter umkämpft war das Mittelstreckenrennen der Frauen. Siegerin Anna-Lena Theisen (LG Rhein-Wied) hatte nach 3550 Metern in 14:13 Minuten am Ende 19 Sekunden Vorsprung auf Morgane Dusaux (LAZ Birkenfeld/14:32). Die Jugend-DM-Finalistin über 800 Meter teilte sich das Rennen ebenso wie U20-Vizemeisterin Judith Pink (PST Trier/14:34) und die W35-Beste Tanja Wittmann (TSV Schott Mainz/14:36) gut ein. Nach der ersten Runde noch zurückhängend, zeigte sich, dass das Trio sein Pulver nicht zu früh verschossen hatte. Im Endspurt setzen sich die schnellen Beine der Mittelstrecklerin Dusaux knapp gegen die von Pink und Wittmann durch.

Stefan Pulger von der LG Rhein-Wied dominierte zu Beginn des Meisterschaftsprogramms bei Nebel und Frost das Ü50-Seniorenrennen über 5,8 km Unter einem guten Stern liefen Benjamin Becker (LG Rhein-Wied) und Lutz Kohlhaas (Spvgg. Wildenburg) im Seniorenrennen über knapp 7 km: Sie wurden Landesmeister in der M30 beziehungsweise M45 Jana Krämer landete für die ausrichtende LG Maifeld-Pellenz den wertvollen Sieg auf der Frauen-Langstrecke
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Nachdem die Ü50-Senioren mit dem überragenden Stefan Pulger (LG Rhein-Wied/M50) und Alwin Nolles (LG Meulenwald Föhren/M55) an der Spitze sowie die Mittelstreckenrennen noch im Nebel durchgeführt wurden, setzte sich während der zweiten Hälfte der kompakt durchgeführten Titelkämpfe mehr und mehr die Sonne durch. Das machte das Laufen auf dem nun teilweise aufgeweichten und nassen, im Schatten aber immer noch hart gefrorenen und teilweise vereisten Untergrund aber nicht unbedingt leichter, für Trainer und Betreuer an der zuschauerfreundlichen Strecke aber weit angenehmer.

Bericht und Fotos von Holger Teusch

Ergebnisse www.lvrheinland.de

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