18.2.18 - 41. Halbmarathon in Mörfelden

Fantastischer, neuer Streckenrekord durch Demeke Wosene

Hervorragende Bedingungen locken 340 Teilnehmer nach Mörfelden

von Reinhold Daab

Bevor ich mich am frühen Sonntagmorgen auf den Weg nach Mörfelden machen konnte, war bei minus 4 Grad zunächst mal Scheiben frei kratzen angesagt. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was die Teilnehmer beim 41. Halbmarathon in Mörfelden gut eine Stunde später erwartete, kühle Temperaturen bei strahlend blauem Himmel. Etwa vier Stunden später war es auf meinem Heimweg genau umgekehrt, die Temperaturanzeige war jetzt auf plus 4 Grad angestiegen.

Obwohl die Parallelveranstaltungen am Samstag bei der Winterlaufserie in Seligenstadt und am Sonntag beim Cross in Trebur befürchten ließen, dass dies Auswirkungen auf die Teilnehmerzahlen in Mörfelden haben könnte, war das Interesse am Halbmarathon erstaunlich groß. 344 Voranmeldungen und 340 Teilnehmer im Ziel, das nennt man eine Punktlandung und das war sogar die beste Beteiligung seit 2012.

Hans Hormel begrüßt zunächst die Teilnehmer am Halbmarathon in Mörfelden und sorgt anschließend noch dafür, dass die Teilnehmer richtig geleitet werden
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Ein Blick in die Teilnehmerliste verriet, dass sich Natascha Schmitt und Demeke Wosene angemeldet hatten. Diese beiden sind in der Vergangenheit als Einzige in die Nähe der 2006 von Veronika Ulrich (1:20:29 Std.) und Dominik Burkhardt (1:08:32 Std.) aufgestellten Streckenrekorde gekommen. Natascha Schmitt blieb 2012 genau eine Minute über dem Rekord und Demeke Wosene verpasste ihn im vergangenen Jahr sogar nur um eine halbe Minute. Im Starterfeld suchte ich dann aber vergebens nach Natascha, sie war nicht gekommen. Vermutlich passte der Halbmarathon doch noch nicht in ihre Saisonvorbereitung, die sie nach sehr langer Verletzungspause erst kürzlich mit einem Trainingslager auf Lanzarote eingeläutet hatte. Aber Wosene war da und reihte sich kurz vor dem Start in die erste Startreihe ein. Dabei ließ er kurz verlauten, dass er den Streckenrekord angreifen wolle. Nach seinem furiosen Sieg in Groß-Gerau vor einer Woche durchaus kein unmögliches Unterfangen.

Der 41. Halbmarathon in Mörfelden ist gestartet Alleine auf weiter Flur, mit riesigem Vorsprung kommt Favorit Demeke Wosene von der ersten Runde zurück

Die Halbmarathonstrecke in Mörfelden besteht aus einem 2-Runden-Kurs mit Start und Ziel im Stadion. Dort hatte sich "Vanman" Jochen Heringhaus wieder einmal häuslich eingerichtet, um die Zuschauer in seiner unnachahmlichen, witzigen Art mit viel Sachkenntnis zu unterhalten und fast jeden Teilnehmer beim Stadiondurchlauf namentlich zu erwähnen und eine Anekdote zum Besten zu geben. Nach dem Start um 9:30 Uhr waren die Teilnehmer nach einer halben Stadionrunde schnell im Wald entschwunden, so dass mir genügend Zeit blieb, mich auf die Kreuzung kurz nach Kilometer 1 zu begeben und die Rückkehr der Läuferinnen und Läufer abzuwarten. Lange musste ich nicht warten, bald schon tauchte das rote Trikot des führenden Läufers auf der Lichtung auf, begleitet von einem Radfahrer, der ihm den Weg frei machte. Mit langen, raumgreifenden Schritten stürmte Wosene an mir vorbei Richtung Stadion und er machte einen hervorragenden Eindruck.

Tobias Zibold wird Dritter (1. M40) Den M45-Sieg holt sich Gregor Scharf als Sechster M50-Sieger Thomas Kröll Hans Schweitzer gewinnt die M60

Es dauerte über drei Minuten, bis mit Janek Taplan der erste Verfolger auftauchte, da war der Führende schon längst im Stadion und nahm die zweite Runde in Angriff. Wiederum weitere vier Minuten dauerte es, bis so langsam weitere, größere Läufergruppen vorbeikamen. Das Feld war schon am Ende der ersten Runde sehr weit auseinandergezogen. Jetzt kam es auf der Schneise Richtung Stadion zu Begegnungsverkehr, die schnelleren Teilnehmer waren bereits auf der zweiten Runde, während die anderen noch auf dem Weg ins Stadion waren. Dorthin begab ich mich ebenfalls, nachdem das Gros der Teilnehmer an mir vorbeigezogen war. Schließlich wollte ich den Einlauf des Siegers nicht verpassen. Jochen Heringhaus hatte sich die Durchgangszeit von Wosene notiert und klärte mich auf, dass er mit einer 33iger Zeit voll auf Kurs und deutlich unter der alten Marke lag. Vorausgesetzt, er konnte das angeschlagene Tempo in der zweiten Runde tatsächlich beibehalten.

Carlo Nenast führt eine Gruppe an, ihm folgt die schnellste Frau Barbara Schwefer Mit zwei nahezu identischen Runden läuft W50-Siegerin Ruth Wolf auf den zweiten Platz Die dritte Frau Silke Altmann wird von M55-Sieger Bernd Faller begleitet

"Da kommt er", Wosene war ins Stadion eingelaufen und hatte für die letzten knapp 300 Meter auf der Tartanbahn ein sattes Zeitpolster, jetzt konnte nichts mehr passieren. Freudestrahlend und mit hoch in die Luft gereckten Armen lief Demeke Wosene in neuer, fantastischer Streckenrekordzeit von 1:07:24 Std. als Sieger (1. M) über die Ziellinie. Dort überreichte ihm sein Betreuer Markus Dangmann von der LG Rüsselsheim eine Fahne vom Stamm der Oromo, der größten ethnischen Gruppe in seinem Heimatland Äthiopien. Wosene kam im Oktober 2015 als Flüchtling nach Deutschland und befindet sich derzeit noch im Anerkennungsverfahren. "Seine Chancen stehen gut", erklärte Dangmann, um gleich darauf anzumerken. "So, jetzt fahren wir direkt weiter nach Trebur, Demeke will dort beim Cross über die Langstrecke starten". Nach 21,1 km war der Sieger richtig warm und wenn die beiden sich beeilt haben, ist er auf dem Weg nach Trebur auch nicht ausgekühlt und konnte sich dort das Warmlaufen sparen. Viel Zeit blieb ihm ohnehin nicht.

Begegnungsverkehr, während die einen Teilnehmer bereits die zweite Runde in Angriff genommen haben, sind die anderen noch auf dem Weg ins Stadion Demeke Wosene gewinnt den Halbmarathon mit neuem Streckenrekord und ... ... schmückt sich nach seinem Rekordlauf mit der Fahne der Oromo aus seiner Heimat Äthiopien

Janek Taplan freute sich im Ziel, dass er eine Minute schneller war wie im Vorjahr, gleichzeitig verpasste er als Zweiter in 1:15:08 Std. (1. M30, LC Bingen) seine Bestzeit ebenfalls um etwa eine Minute. Der Abstand auf den Dritten, M40-Sieger Tobias Zibold, betrug über 6 Minuten (1:21:24 Std., Team Erdinger Alkoholfrei). Die folgenden Plätze belegten: 4. Björn Ulbricht (1:22:01 Std., 2. M30), 5. Georg Stiebeling (1:22:18, 1. M35, beide Eintracht Frankfurt Triathlon), 6. Gregor Scharf (1:22:26 Std., 1. M45, TV Hergershausen). Weitere AK-Sieger: 11. Thomas Kröll (1:23:21 Std., 1. M50, TG Tria Rüsselsheim), 51. Bernd Faller (1:33:57 Std., 1. M55, Budenheim Runners), 64. Hans Schweitzer (1:36:11, 1. M60, LC Michelstadt), 70. Siegfried Fischer (1:36:52 Std., 1. M65, TV Großostheim), 255. Hermann Mayer (1:59:49 Std., 1. M70, TSV Bitzfeld).

Mit über sieben Minuten Rückstand wird Janek Taplan Zweiter (1. M30) Beide Daumen hoch für Frauensiegerin Barbara Schwefer (1. W35) Der dritte Platz geht an Silke Altmann (2. W50) W40-Siegerin Irina Haub läuft auf Rang 4 und schmunzelnd ins Ziel

Erstmals seit 2013 erreichte die schnellste Frau das Ziel nicht unter 1:30 Stunden. Der Siegerin Barbara Schwefer konnte das herzlich egal sein, mit zwei sehr gleichmäßigen Runden von 44:48 min. und 45:20 min. holte sie sich 1:30:07 Std. den Sieg bei den Frauen (1. W35, TSG Altenhain/Team Eschathlon). Noch wesentlich gleichmäßiger (45:24/45:30 min.), aber insgesamt einige Sekunden langsamer absolvierte Ruth Wolf das Rennen, so dass in 1:30:53 min. für die Läuferin von der TSG Kleinostheim der zweite Platz sowie der W50-Sieg heraussprangen. Ihre AK-Konkurrentin Silke Altmann wurde in 1:34:51 Std. Dritte (LC Marathon Rotenburg). W40-Siegerin Irina Haub von DJK Flörsheim lief in 1:35:59 Std. auf Rang vier. Der fünfte Platz ging in 1:37:28 Std. an Pia Bohland (TuSpo Borgen), womit sie auch die Schnellste in der Hauptklasse war. Den Sieg in der W30 holte sich Marija Rezic aus Dreieich in 1:38:45 Std. als Sechste.

Otto Weber freut sich beim Zieleinlauf über Rang 11 und den zweiten Platz in der M50 Pia Bohland gewinnt als Fünfte die WHK W55-Siegerin Iris Eggert und ihr Begleiter Alan Lee haben immer sehr viel Spaß auf der Laufstrecke
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AK-Siege gingen noch an: 1. W45 Michaela Märten (1:48:34 Std.), 1. W55 Iris Eggert (1:54:54 Std., Lauf für mehr Zeit), 1. W60 Constanze Taylor, Flörsheim-Weilbach (2:04:48 Std.), 1. W65 Marianne Krolow, Frankfurt (2:29:54 Std.).

Wenn Demeke Wosene mit seinem neuen Streckenrekord nicht für das Highlight der Veranstaltung gesorgt hätte, dann wäre es ein eher durchschnittlicher Halbmarathonlauf mit recht mäßigen Ergebnissen gewesen. So aber geht die 41. Austragung in die Geschichtsbücher beim Mörfelder Halbmarathon ein.

Bericht und Fotos von Reinhold Daab
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