18.2.18 - 3. Emsbüren Glashauslauf

Über 1000 Starter genießen florales Ambiente

Flowerpower im größten Blumengewächshaus des Kontinents

Durch die Blumen: Tobias Hüer und Kerstin Evers siegen

von Michael Schardt 

Dass eine besondere Location zum Erfolg einer Laufveranstaltung maßgeblich beitragen kann, konnte man in der Vergangenheit des Öfteren beobachten - zuletzt beim Glashauslauf des SV Concordia Emsbüren. Erst zum dritten Mal ausgetragen, wuchs die Teilnehmerzahl im größten Blumengewächshaus Europas bei der jüngsten Auflage bereits in den vierstelligen Bereich an. Schon bei der Premiere konnten 670 Läufer und Läuferinnen begrüßt werden, im Folgejahr wurde die Marke von 800 Finisher geknackt, und nun hatten über 1000 Läufer gemeldet, von denen 938 das Ziel erreichten. Kein Wunder also, dass die Organisatoren zufrieden und ein wenig stolz ob der positiven Entwicklung sind. Als die Idee zu diesem ungewöhnlichen Rennen geboren wurde, hätte wohl niemand im Traum daran gedacht, dass die Veranstaltung so gut angenommen werden würde, zumal sie weit abseits jeglicher größeren Siedlung stattfindet im kaum bewohnten deutsch-niederländischen Grenzgebiet.

Der Glashauslauf von Emsbüren findet im größten Indoor-Gewächshaus Europas, der Emsflower, statt. Sommerliche Temperaturen und frühlingshaftes Ambiente sind einzigartig für einen Winterlauf in deutschen Landen
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Aber offenbar zieht die Aussicht, mitten im Winter bei sommerlichen Temperaturen unter frühlingshaft anmutendem Ambiente seinen Lieblingssport betreiben zu können, die Läuferinnen und Läufer magisch an. Der einzige Hallenstraßenlauf Deutschlands ist in jeder Hinsicht etwas Besonderes. Man läuft durch ein endlos scheinendes Blütenmeer von Frühlingsblumen, erlebt unterschiedliche Klimazonen, die in schnellem Wechsel aufeinanderfolgen und wird angefeuert von begeisterten Zuschauern, die in ungewöhnlich großer Zahl im Parkett, aber auch auf der Galerie ihrer Anerkennung Ausdruck verleihen.

Emsflower

Auch die sportlichen Bedürfnisse werden in vollem Umfang erfüllt, für den Breitensportler ebenso wie für den Spitzenläufer. Die Strecken sind offiziell vermessen, vollkommen flach und schnell. Der Untergrund ist so gut beschaffen, wie man ihn wohl kaum bei einem Straßenlauf vorfinden wird. Die Wege durch die Blumenbeete sind breit und stellen auch bei Überrundungen kein Hindernis dar. Zudem sind die Kilometer ausgeschildert, eine große Uhr zeigt die Rennzeit an und Führungsfahrräder weisen dem schnellsten Mann und der schnellsten Frau den Weg durch die luftigen Glas-Stahl-Konstruktionen, die sich auf einer Gesamtfläche von umgerechnet mehr als 65 Fußballfeldern ausbreiten.

Flache Strecken, breite Wege und vermessene Distanzen machen den Glashauslauf auch für Bestenlistenjäger interessant. Es ist Deutschlands einziger 10-km-Straßenlauf, der vollständig unter einem Hallendach stattfindet

Damit nicht genug! Es steht ein großer Gastrobereich zur Verfügung mit Kuchentheke, Cafébar und sogar obligatorischem Grillstand. Dazu ein großes Kinderbespaßungsgelände, eine umfangreiche Beschallungsanlage und Infostände für Besucher, die sich mehr für die Blumenzucht als für den Ausdauersport interessieren. Alles in allem eine Attraktion nicht nur für Sportler, sondern auch für andere Gäste, die gerne einen Sonntagnachmittag in der riesigen Anlage der Firma Emsflower genießen möchten und dabei ihre Kinder gut betreut wissen.

Unendliche Weiten! Farbenprächtige Frühlingsblumen wie Primeln, Feilchen, Stiefmütterchen oder Ranunkeln sind des Läufers ständige Begleiter beim Glashauslauf der SV Concordia Emsbüren Heimische Originale geben nicht nur ein lohnendes Fotomotiv ab, sondern sind aktiv als Starter und in die Siegerehrung eingebunden

Normalerweise wäre das Vergnügen für Besucher noch größer als heuer, denn die Emsflower führt zur Zeit einen Umbau durch, weshalb bis Mitte März 2018 das Besucherzentrum inklusive des Erlebnispark mit Tropengarten, Schmetterlingsattraktion, Spieleparadies und sämtliche anderen Highlights geschlossen ist. Glücklicherweise aber war der Glashauslauf in der Durchführung durch die Baumaßnahmen nicht behindert, stellt er doch für das in holländischer Hand befindliche Gewächshaus einen nicht zu unterschätzenden Werbefaktor dar. Sicherlich ein Hauptgrund, warum es zu der fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen dem Sportverein und dem Unternehmen kam.

Die Außenanlage der Emsflower wirkt kurz vor der Laufveranstaltung etwas verlassen ... ... im Inneren der riesigen Emsbürener Stahl-Glas-Konstruktion herrscht hingegen Ems-iges Treiben, vor allem bei der Kinderbespaßung

Vorweglaufen

Der Glashauslauf schaffte bei seiner dritten Auflage insgesamt, aber auch in allen Einzelkonkurrenzen Teilnehmerrekorde. Das gilt auch für die drei Kinder- und Schülerläufe. Als erste durften die Bambini der Jahrgänge 2011 und jünger an den Start. Genau 111 Mädchen und Jungen waren bei der kleinen Blumenrunde über 550 Meter dabei. Bevor es losging, machte das AOK-Maskottchen noch einige Späße an der Startlinie und initiierte ein Aufwärmprogramm für die kleinsten. Mit ordentlichen Zeitmesschips ausgestattet, gab es auch für die Bambini eine Wertung und anschließend eine Medaille für alle. Schnellstes Mädchen war Antonia Karia Agnes (2:22min), flottester Junge Finn van Lengerich (2:13min), beide vom Veranstalterverein Concordia Emsbüren.

Zwei Läufe für Erwachsene stehen auf dem Programm und drei für Kinder. Hier gehen über 100 Bambini auf eine gut 500 Meter lange Strecke Beim ersten Schülerlauf über 1700m der Jahrgänge U11 und jünger sind Leni Speller und Noah Möllenkamp die schnellsten

Für die beiden Schülerläufe, die über eine Runde von 1700 Meter führen, musste die Strecke neu abgesteckt werden. Dies geschieht mittels fahrbarer Blumenkästen, die in wenigen Minuten von einigen der Helfer "umgetopft" werden.

Bei den Klassen U09 bis U11 kam es zu klaren Siegen von Leni Speller vom TuS Haren in 8:12min, die 2016 schon das Bambinirennen gewonnen hatte, und Noah Möllenkamp vom SC Baccum in 7:41min, jeweils gefolgt von Leni Strieker (SV Bawinkel, 8:28min) und Lena Eilers (FC Leschede, 9:04min) beziehungsweise Florian Wallmeier (SV Teuto Riesenbeck, 8:03min) und Fiete Borg (FC Leschede, 8:10min).

Start des Schülerleistungslaufs der U12- bis U16-Läufer. Es gewinnen Luke Hiddink (mitte) und Ina Beenen (ganz rechts) Eine starke Fraktion des DSC aus dem fernen Oldenburg macht sich vor dem Hauptlauf mit den besonderen Gegebenheiten der Strecke und den unterschiedlichen Klimazonen vertraut

Bei den älteren Jahrgängen der Altersstufen U12 bis U16 kam es zu zwei äußerst engen Entscheidungen. Ina Beenen vom SC Spelle-Venhaus behauptete sich in 7:44min mit einer Sekunde Vorsprung vor Maren De Koning vom AV Archeus (7:45min) und Gina Nyhoegen (SV Vorwärts Nordhorn) in glatt acht Minuten. Bei den Jungs hatte Luke Hiddink vom AV Archeus in 7:35min die Nase vorn. Es folgten Gerrit Feldmann (SV Concordia Emsbüren, 7:38min) und Tom Nyhoegen (SV Vorwärts Nordhorn, 7:40min). Knapp 250 Schüler hatten an den drei Wettbewerben teilgenommen.

Schneller Organisator: Thomas Otting

Wenn es in der Vergangenheit im Emsland zu Wettbewerben über zehn Kilometer kam, dann stand bei den Männern sehr oft das "Thomas-Duell" im Mittelpunkt, jener spannende Zweikampf zwischen Thomas Bruns von der Union Meppen und Thomas Otting von der Concordia Emsbüren. Auch beim ersten Glashauslauf 2016 hatten sich die beiden schnellsten Männer im Emsland einen packenden Wettstreit geliefert, den - wie so oft - Bruns in 32:39min für sich entscheiden konnte vor Otting (33:34min). Im Zweiten Jahr gaben andere Läufer den Ton an. Da hatte Karsten Meier von der LG Braunschweig, mehrfacher Landesmeister und Sub-30-Minuten-Läufer, mit Streckenrekord in 31:28min gewonnen vor Gerold Hartger von LC Nordhorn in 31:52min.

Start des Hauptlaufs mit rund 300 Teilnehmern Eine besondere Herausforderung für die Läufer sind die ständig wechselnden Temperaturen, die zwischen sieben und 23 Grad liegen können, sowie die unterschiedliche Luftfeuchtigkeit in den verschiedenen Hallen

Ob Otting bei der jetzigen Auflage wieder mit Bruns um Sieg und Niederlage fighten würde (Meier und Hartger waren nicht vor Ort), wusste Otting, der Mitorganisator des Glashauslaufs und Abteilungsleiter seines Leichtathletikteams ist, bei der Vorbesprechung nicht zu sagen. Noch habe Bruns nicht gemeldet, sagte er, wenn er aber noch kommen sollte, dann ist ja bekannt, wer gewinnen wird. Das war eine Anspielung darauf, dass Bruns im vergangenen Jahrzehnt fast immer gegen Otting gewonnen hatte, doch fand der Mann aus Meppen diesmal nicht den Weg nach Emsbüren, dafür aber ein Vereinskamerad von ihm, der Otting den Sieg streitig machen sollte: Tobias Hüer. Doch der Reihe nach.

Spaß steht für dieses lustige Duo eindeutig im Vordergrund: Frank Sommerkamp (rechts) und Heiko Weber Halle rauf, Halle runter, so gestaltet sich die Rennstrecke. Mit dazu gehören acht Wendepunkte, wie dieser hier rechts Während unten die Läufer ihre Runden drehen, stehen oben auf der Galerie viele Zuschauer, die die Akteure kräftig anfeuern

Auf dem Papier musste nicht Otting (M30), sondern Christoph Paetzke (M35) vom DSC Oldenburg als Favorit aller Voranmelder gelten. Schließlich lief dieser, als er noch für die LG Braunschweig an den Start ging, nahe an die dreißig Minuten heran und stellte bei der traditionsreichen Sandkruger Schleife über 13 km einen Streckenrekord auf, der noch immer besteht und an dem sich mehrfach Europameisterschafts-Teilnehmer Jens Nerkamp die Zähne ausbiss. Doch scheint Paetzke nicht mehr in der Form früherer Jahre, so dass er beim Glashauslauf nur kurze Zeit ganz vorne mitmischen konnte. Dort, an der Spitze, hatte sich ein Duo gebildet, bestehend aus Hüer und eben Otting, die drei der vier Runden die Pace machten. Erst auf der Schlussrunde fiel Organisator Otting etwas ab, so dass Hüer in 34:16min, der bisher schwächsten Siegzeit, sicher siegte, während Otting sich wieder mit dem zweiten Platz in 34:27min zufriedengeben musste. Paetzke landete abgeschlagen in 35:11min auf Rang drei, recht knapp vor Nico Grünke (M35) vom SuS Darme Triathlon in 35:20min.

Tobias Hüer von der SV Union Meppen konnte sich am Schluss absetzen und den Hauptlauf gewinnen Thomas Otting gehört zu den Organisatoren des Glashauslaufs und läuft über 10 km sogar auf Platz 2 Christoph Paetzke holt Rang 3 Nico Grünke verpasst als 4. das Treppchen knapp

Zu einem erstaunlichen Ergebniseintrag kam es in der M65-Altersklasse, die Werner Zittlau (Jahrgang 1951) zwischenzeitlich aufklärte, der als Altersklassensieger in 37:22 min auf die Bühne gerufen wurde. Die gesamte Distanz hatte er aber gar nicht absolviert und die Ergebnisliste wurde nachträglich korrigiert. Er gehörte beim Glashauslauf zu einer auffälligen Gruppe von Läufern, die allesamt barfuß die Strecke absolvierten. Offizieller Sieger der M65 war somit Ernst Klus (42:31min) vor Josef Grond (44:31min).
Anm.d.Red.: Die Aktualisierung dieses Absatzes erfolgte am 28.2.2018

Kerstin Evers verteidigt Titel erfolgreich

Titelverteidigerin und Streckenrekordhalterin (40:00, 2017) bei den Frauen war Kerstin Evers (W40) von der LG Papenburg. Sie hätte sich einen gemütlichen Nachmittag machen können, denn ihre stärksten regionalen Konkurrentinnen waren nicht am Start. Evers drückte aber kräftig auf die Tube und blieb nicht ganz so weit von ihrer Zeit aus dem Vorjahr zurück. Sie siegte mit knapp zwei Minuten Vorsprung in 40.43min. Einen sicheren zweiten Rang fuhr Heike Jacobs (W50) vom SV Olympia Uelsen in 42:20min ein vor Eva Berghaus (WHK, o.V.) in 43:17 und Lisa Böttcher (WHK) vom DSC Oldenburg in 46:17min. Von 297 Finishern waren 61 weiblich.

Wiederholt ihren Vorjahressieg: Kerstin Evers Heike Jacobs wird 2. Rang 3 für Eva Berghaus Lisa Böttcher wird 4.

Jedermanns- und Teamlauf

Während beim Hauptlauf eine kleine (400m) und vier große Runden (2400m) zu laufen sind, stehen für die Jedermanns- und Teamläufer fünf Runden á 1000m auf dem Programm. Das bedeutet auch, dass zwischen den beiden Erwachsenenläufen die Laufstrecke verändert werden muss, was leicht durch die rollenden Blumenkästen geschehen kann. Was die besondere Schwierigkeit bei beiden Distanzen ausmacht, sind die unterschiedlichen Temperaturen, die in den Hallen herrschen. Da kann es augenblicklich noch 23 Grad mit gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit sein, und wenige Momente später durchlaufen die Akteure einen Bereich mit vielleicht nur sieben Grad. Kein Wunder daher, dass sich einige Läufer zu dick angezogen hatten. Der Engländer John Mallin etwa, der 2. in M60 über 5 km wurde, erreichte schweißüberströmt die Ziellinie und meinte nur, dass er auf das zweite T-Shirt besser verzichtet hätte: "Einfach zu warm" sei es ihm gewesen, meinte der Mann von den Rheda Hotspurs, der gerne etwas schneller gelaufen wäre. Andere empfanden es ebenso.

Start 5km. Mit 400 Finishern ist es der stärkstbesetzte Lauf des Tages Blumenspalier auch für die Jedermänner

Im Jedermannsrennen der Frauen dominierten drei Läuferinnen, die noch keine 17 Jahre alt sind. Als schnellste erwies sich Vorjahressiegerin Amelie Vedder, die unlängst von der GV Germania Twist zum SV Union Meppen gewechselt ist. Die aktuelle Jugendcross-Landesvizemeisterin Niedersachsens siegte in 20:05min und verbesserte sich gegenüber 2017 um über fünfzig Sekunden. Vom Streckenrekord von Celina Kocks (18:46min) blieb sie aber noch deutlich entfernt. Nele Heymann von TuS Haren, erst 14 Jahre alt, wurde in 20:19min zweite vor Nele Segger (SC Spelle-Venhaus) in 21:06min.

Bei den Männern behielt erwartungsgemäß Hendrik Pohle (MHK) vom SV Brackwede in 16:27min die Oberhand. Damit hatte er genau eine Minute Vorsprung vor Maurice Backschat (MHK, LC Nordhorn, 17:27min) und anderthalb Minuten vor Sebastian Heymann (M35) vom SV Concordia Emsbüren in 17:51min. In einem beherzten Schlussspurt hatte sich letzterer knapp gegen Mahomed Hosein (ASB Refuges, M30, 17:53min) durchgesetzt. Der Streckenrekord von Hendrik Schutte (15:35min) blieb unangetastet.

Gab die Poleposition bis ins Ziel nicht mehr ab: 5-km-Sieger Hendrik Pohle Maurice Backschat wird 2. Mit viel Energie auf Rang 3: Lokalmatador Sebastian Heymann Das Frauentreppchen über 5km zieren drei U18-Läuferinnen, v.l.: Nele Heymann (2.), Siegerin Amelie Vedder und Nele Segger (3.)
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Innerhalb des Jedermannslaufs fand auch ein Mannschaftswettbewerb (vier Läufer) statt. Bei den Frauenteams siegte TuS Haren mit Nele Heymann, Nina Achter, Lynn Mörker und Michelle Achter in 1:31:25h. Von den Männerquartetts war die Concordia Emsbüren mit Sebastian Heymann, Henning Hoffmann, Sebastian Schwerdt und Niklas Pröhl in 1:24:50h das schnellste. Schließlich siegte die Rosen-Gruppe im mit mindestens einer Frau bestückten Mixedwettbewerb in 1:41:35h. Hier waren Angela Ender, Lukas Paschke, Tobias Rolfes und Klemens Zaksek nicht zu schlagen gewesen.

Michael Schardt

Bericht von Michael Schardt
Fotos von Thomas Linnemann

Thomas Linnemann
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