3.2.18 - AOK Winterlaufserie Duisburg, Teil 1

Nikki Johnstone souverän - Anika Fels überrascht

Europas größte Winterlaufserie ist zugleich auch die beste

Laufen nach Bernouilli Gesetz - Zielmatte (fast) höchste Erhebung

von Michael Schardt 

Im Jahr 1986 fand die dreiteilige Winterlaufserie in Duisburg unter bescheidener Beteiligung zum ersten Mal statt. Nun erlebte sie ihre dreiunddreißigste Auflage und darf sich längst mit großem Abstand als größte Veranstaltung dieser Art in Deutschland, ja in ganz Europa fühlen. Denn trotz akribischer Recherche konnte hierzulande keine Serie ermittelt werden, die mehr Teilnehmer zu mobilisieren wüsste, gleichfalls nicht auf dem gesamten Kontinent. Regelmäßig meldeten sich in den letzten Jahren über 5000 Teilnehmer für die gesamte Winterlaufserie an, im Spitzenjahr sogar annähernd 6000, weshalb man die Veranstaltung auf rund 5500 Läufer deckeln musste.

Die größte Winterlaufserie Europas verzeichnet jährlich über 5000 Anmeldungen. Es gibt eine kleine und eine große Serie mit je drei Läufen im Februar und März. Beim ersten Teil sind fünf bzw. zehn Kilometer zu laufen im Sportpark Duisburg sowie an Regattastrecke und Kanal
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Auch bei der diesjährigen Folge konnte der Zeitmessdienstleister Frielingsdorf vermelden, dass das Kontingent mit 5400 Läufern und Läuferinnen nahezu ausgeschöpft sei. Dies ist umso erstaunlicher, als dass Einzelläufer, die vielleicht nur an einem Rennen teilnehmen möchten - im Gegensatz etwa zu den Serien von Köln oder Hamm -, nicht zugelassen sind und keine Möglichkeit der Nachmeldung eingeräumt wird. Regelmäßig wird das Anmeldeportal Tage oder gar Wochen vor dem Termin geschlossen. Zuletzt hatte man sogar den 5-km-Lauf der kleinen Serie in zwei Rennen unterteilt, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. Der Jedermannslauf hatte sich bei den jüngsten Durchführungen zu einem äußerst beliebten Format entwickelt.

 
Banner anklicken - informieren
LR-Info Rhein-Ruhr Marathon Duisburg HIER

Kein Ausfall

Wie der immer bestens informierte Moderator Andreas Menz mitzuteilen wusste, sei bisher noch keine der Veranstaltungen ausgefallen, obwohl sie in der Vergangenheit mehr oder weniger regelmäßig mit ungemütlichen Witterungsbedingungen zu kämpfen gehabt habe. Das bedeutet, dass die Bilanz von nunmehr 97 ununterbrochen durchgeführten Rennen makellos ist und das 100. Jubiläum beim ersten Teil 2019 zu feiern wäre, vorausgesetzt, von den nächsten drei Läufen fällt nicht doch noch einer aus.

Am Maschendrahtzaun im Leichtathletikstadion ist die illustre Geschichte der Laufveranstaltung in Text und Bild nachzuvollziehen Neu bei der diesjährigen Auflage war die Einführung einer kleinen und großen Serie für den Nachwuchs

Bei so einer positiven Entwicklung darf die Frage erlaubt sein, welches Erfolgsgeheimnis der Winterlaufserie zugrunde liegt, zumal Läufe mit ähnlichen Konzepten in den letzten Jahren und Jahrzehnten nach Duisburger Vorbild gegründet wurden und zur Konkurrenz avancierten. Erste Antworten auf die Fragen könnten lauten, dass die Strecken durch Park und an Gewässern eine ansprechende landschaftliche Kulisse bilden, dass sie DLV-vermessen, bestenlistenfähig und vollkommen flach sind. Oder dass sich das Konzept der (von Teil eins bis drei) immer länger werdenden Distanzen bewährt hat, ohne dass man auf ein kleinmaschiges Rundenmuster zurückgriffe. Denn selbst der abschließende Halbmarathon besteht aus nur einer Runde. Man könnte auch die vielen freundlichen Helfer nennen, die professionelle Organisation oder die vielfältigen Leistungen.

Erfolgskonzepte

Der Garant für den Erfolg scheint tatsächlich aber diesen Dingen vorgelagert zu sein. Es sind die vielen Gespräche und Meetings zwischen den Events, die sich Jahr um Jahr um die Frage drehen, wie man die Strukturen und Abläufe immer wieder verbessern kann, wie man Sponsoren und Organisatoren, die Kommune und die Öffentlichkeit mit ins Boot holen kann, wie man aus dem Helferteam eine eingeschworene Gemeinschaft machen und für die Läufer ein Event der Extraklasse gestalten kann.

Eine ganze Armada an Führungs- und Schlussfahrradfahrer steht bereit, den Läufern Geleitschutz zu geben; damit die Motivation unterwegs nicht ausgeht, heizt diese Rhythmusgruppe den Läufern ein

Nur ein paar Beispiele: Der Sportartikelhersteller Nike war 24 Jahre lang ununterbrochen Haupt- und Titelsponsor der Duisburger Winterlaufserie, obwohl sich dessen Konzepte während der langen Zeit verändert hatten und für die deutschen Mitarbeiter neue Vorgaben aus der amerikanischen Firmenzentrale über den großen Teich waberten. Nichtsdestotrotz war kein Sponsor einer deutschen Laufveranstaltung länger treu als Nike den Duisburgern, was sicher auch damit zusammenhängt, dass Duisburg zur Betreuung ihrer Förderer eine professionelle Beraterfirma eingeschaltet hat. Auch für die öffentliche Wahrnehmung tun die Organisatoren einiges: man bietet der Presse hervorragende Arbeitsbedingungen, informiert knapp, aber wesentlich und müllt deren Vertretern ihre Mailbriefkästen nicht unentwegt mit uninteressanten Materialien oder Werbung zu. Dass eine solche Veranstaltung nicht von einer Eventagentur durchgeführt wird, sondern von einem ganz normalen Laufverein, dem ASV Duisburg, wird man kaum glauben wollen, doch ist es so. Bemerkenswert auch, dass die Bitte, ein Foto des ein oder anderen Orgaleiters knipsen zu dürfen, ungern gesehen und deshalb freundlich abgelehnt wurde. "Wir sind ein Team, bestehend aus vielen Helfern, da steht keiner in der ersten Reihe, soll nicht hervorgehoben erscheinen. Das versteht ihr doch? ..."

Neu: Serie für die Schüler

Mittlerweile, seit 2016, hat die AOK Krankenversicherung Nike als Titelsponsor abgelöst. Die passen nicht minder gut zu uns und unserem gesundheitssportlichen Konzept, erklärt der umtriebige Peter Heyden vom Ausdauersportverein Duisburg, und auch die Sparda Bank, die der neugeschaffenen Winterlaufserie "Für Kids" einen Förderrahmen gebe. Man wolle nun auch den jüngeren Jahrgängen die Möglichkeit eröffnen, eine Serienteilnahme zu buchen. Bei den Erwachsenen mitzulaufen war in der Vergangenheit daran gescheitert, dass die Schüler zu jung sind für die langen Distanzen.

2000 Meter stehen für die älteren Schülerjahrgänge auf dem Programm. Zwischen dem Start am Fußballstadion und dem Ziel im LA-Stadion führt die Strecke über breite Alleen. Jan Schetter führt das Feld bis ins Ziel an Start des ersten von zwei Läufen über fünf Kilometer. Sieger Habtom Tedros (in blau) ist links zu sehen

Nach dem Vorbild der Erwachsenen wurde auch für die jüngeren eine kleine und eine größere Serie geschaffen. Die kleinere Serie für die Jahrgänge 2007 und jünger steigert sich von1 über 1,5 bis 2 km; die größere der Jahrgänge 2003 bis 2006 von 2 über 3 bis 4 km. Auch diese Distanzen sind vermessen und starten wie die beiden Erwachsenenserien an der Duisburger Fußballarena und enden auf der Laufbahn des Leichtathletikstadions. Zwischen Start und Ziel liegen etwa 500 Meter.

Der erste Startschuss fiel um 13 Uhr für die kleinsten. Ein Junge schaffte es sogar, unter vier Minuten zu bleiben. Das war der zehnjährige Felix Bohmert von der LG Coesfeld, der 3:39min (netto) brauchte. Luca Zikoll (SC Bayer 05 Uerdingen, 4:04min) und Joshua Börger (o.V., 4:14min) folgten vor zwei weiteren Läufern der stark vertretenen LG Coesfeld. Bei den Mädchen ließ die zehnjährige Ida Büttner vom TV Wanheimerort alle Konkurrentinnen hinter sich, sie lief 3:59min und war damit Gesamtzweite. Auf die Plätze liefen Carina Düren (Club Raffelberg) in 4:11 und Leonie Büchel (Eintracht Duisburg) in 4:20min.

Lange Schlangen in beiden 5-km-Läufen. Je 1250 Akteure stark sind die zwei Felder. Breite Alleen durch den Wedaupark und gut zu belaufende Spazierwege am Kanal bilden die ansprechende Kulisse des Jedermannslaufs

Im Schülerleistungslauf gewann der 13-jährige Jan Schetter (o.V.) in 7:20min den Lauf über 2 km. Es folgten Ole Kuse (TuS Xanten) in 7:24min und Tim und Felix Claeßen von der LG Coesfeld, die sich zwillingsbrüderlich Rang drei und vier in 7:42min bzw. 7:45min sicherten. Bei den Mädchen entwickelte sich ein knappes Rennen, das erst mit einem fulminanten Spurt auf der Zielgeraden für Ida Held (o.V.) in 8:44min entschieden wurde vor Lara Aigner (o.V.) in 8:45min und Caroline Eichholz vom Steinbart Gymnasium in 9:02min.

Mit der Beteiligung von 68 Mädchen und Jungen in beiden Läufen war der Veranstalter sicher nicht zufrieden, wie auf der Homepage in einer Nachbetrachtung zu lesen ist. Die Beteiligung sei noch bescheiden gewesen. Vermuteter Grund ist, dass der dritte Teil der Serie bereits in die Osterferien falle und viele Kinder deshalb erst gar nicht gemeldet hätten. Man wird bei der zweiten Auflage sicher versuchen, mehr mit den Schulen und Lehrern ins Gespräch zu kommen und vielleicht an der Terminierung arbeiten. Die Beteiligung wird sich vermutlich verdoppeln oder gar vermehrfachen.

Nur der erste und letzte Kilometer sind für beide Erwachsenenläufe gleich Die Duisburger Strecken sind so flach, dass die Zielmatte die höchste Erhebung wäre, wenn es diese Senke kurz vor Schluss nicht geben würde ... Die letzten Meter werden im 2008 eröffneten Leichtathletikstadion absolviert

Aus eins mach zwei

2018 fand der erste Teil der Winterlaufserie bei ordentlichen Witterungsbedingungen statt. Morgens, bei der Anreise, war der Himmel noch blau gewesen und die Sonne ließ sich bei milden Temperaturen länger sehen. Im Laufe der Veranstaltung verdichteten sich die Wolken zusehends, aber es blieb - bis auf wenige Tröpfchen - trocken. Auch der Wind an der Regattastrecke, der den Ruderern schon oft arg zugesetzt hatte, blieb fast völlig aus. Also fast ein idealer Rahmen für Anfang Februar. Das war auch der Grund für die Hoffnung, dass nicht so viele der gemeldeten Läufer der Veranstaltung fernbleiben würden wie es üblicherweise der Fall ist. Betrachtet man sich die aktuellen Zahlen, dann sollte sich die Hoffnung zumindest für den 5-km-Lauf sehr wohl erfüllen. Denn 2017 hatten 1749 Akteure ihr Rennen erfolgreich beendet, jetzt, 2018, waren es rund 120 mehr (1873). Beim Hauptlauf fiel die Bilanz nicht so günstig aus. 2517 Läufer aus 2017 standen nur 2138 aus 2018 gegenüber. Dabei dürfte der Verlust von fast 400 Läufern vor allem dem Trend zur kürzeren Serie geschuldet sein, aber auch einer allgemeinen Entwicklung, dass die Winterlaufserien sich gegenseitig immer mehr Konkurrenz machen und die Läufer sich auf mehr Veranstaltungen verteilen als vielleicht noch vor zehn Jahren.

Das letzte Rennen des Tages ist der 10-km-Lauf. Die Strecke führt an der Regattastrecke und am Seitenkanal vorbei

Zusammen genommen finishten 2017 den ersten Teil der Serie 4266 Läufer, in diesem Jahr (mit den 68 neu hinzugekommenen Schülern - 4011 + 68) 4079. Interessant sicher auch, dass der Frauenanteil beim Zehner nur ein gutes Viertel betrug, beim Jedermannslauf hingegen fast die Hälfte.

Im Zuge der Entwicklung, dass insbesondere der Fünfer im ersten Teil immer beliebter wird und auch, um die Versorgung im Ziel zu entzerren, hat man die Jedermänner erstmals auf zwei Läufe aufgeteilt. Wer in den ersten oder zweiten Lauf kommt, bestimmt nicht die Leistungsstärke, sondern das Meldedatum. Die ersten 1250 Startnummern gehören in den ersten Lauf, alle nachfolgenden in den zweiten. Für die Ergebnisliste werden beide Läufe wieder in einer Rubrik zusammengefasst, anhand der Startnummer ist aber rekonstruierbar, wer wo gelaufen ist.

Die Gesamtsiegerin über fünf Kilometer und Titelverteidigerin Katharina Wehr Lene Grund gewinnt den zweiten Lauf über 5 km und wird fünfte gesamt Achim Baumgarth gewinnt Lauf Nr. 2 Dominik Faupel freut sich gleich über zwei Fahrradbegleiter

Katharina Wehr verteidigt Titel

Bei den Frauen erwies sich Katharina Wehr (W20) vom Turnverein Wanheimerort als die überlegene Ausdauersportlerin. Sie hatte schon in den beiden letzten Jahren gewonnen, zuletzt in einer Zeit von 18:40 und war auch bei der neuesten Titelverteidigung nicht zu gefährden. Im Gegenteil: sie blieb in 18:11min (netto, denn die Reihenfolge wird nicht nach dem Bruttowert bestimmt) fast eine halbe Minute unter ihrem Siegwert von vor zwölf Monaten. Das hätte in der Gesamtwertung hinter 14 Männern Rang 15 bedeutet.

Wehr blieb als einzige Frau unter zwanzig Minuten. Zweite wurde die U18-Läuferin Jona Parthe von der LG Coesfeld in 20:42min, die knapp, nämlich nur um eine Sekunde, Christiane Hüsgen (o.V., W45) auf Rang drei verwies. Deren Zeit: 20:43min. Schnellste Läuferin aus Wettstreit zwei und fünfte gesamt war Lene Grund (Spiridon Haltern, W40, 20:42min) vor Lucia Eykholt (W30, LV Marathon Kleve, 21:09min) und Nadine Roeder (W40, o.V., 21:10min).

 

Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info zu den Bieler Lauftagen HIER

Auch bei den Männern kamen die drei schnellsten Läufer aus dem ersten Rennen. Dies waren etwas überraschend der Vorjahresvierte Habtom Tedros (M20) von der TG Neuss in guten 15:43min, Roman Schulte-Zurhausen (M30) von der Ausdauerschule Bunert in 15:45min, der schon 2017 zweiter geworden war, und Luca Fröhling (LV Marathon Kleve, MU20), der 16:19min brauchte und sich von Rang 7 im Vorjahr aufs Treppchen verbesserte. Vierter und Sieger des B-Laufs wurde Achim Baumgarth (M40, SuS Schalke) in 16:34min. Er hatte dort seinen ärgsten Widersacher in Kjell Harmsen (MU18, TRC Essen 84, 17:21min).

Die Witterungsbedingungen waren ansprechend und der Wind sehr ruhig, wie am Läuferspiegelbild leicht zu erkennen ist
Laufen auf dem Deich

Physikalisches Prinzip für Läufer

Zugegeben: vom Bernoullischen Gesetz hatte ich bis in meine späten Tage noch nie etwas gehört, zumindest erinnere ich mich nicht daran, denn ich hatte es in der Schule eher mit Kunst, Musik und Literatur als mit Chemie, Geometrie oder Physik. Jetzt aber wurde ich von Peter Heyden, einem der Leiter der Winterlaufserie, damit bekannt gemacht. Das Bernoulli-Prinzip ist ein Begriff aus der Strömungslehre und bezeichnet einen Effekt, der sich - je nach Druck - bei der Wasser- oder Gasdurchlaufgeschwindigkeit ergibt, nachdem eine enge Stelle bei einem Durchlass passiert wurde. Auf große Läuferfelder übertragen ergibt sich, dass nach einer Schmalstelle des Kurses, der möglichst gleich nach dem Start liegen soll, ein umso freieres und schnelleres Laufen ermöglicht werde für die Gesamtzahl der Teilnehmer. So oder so ähnlich habe ich es, ein in den Naturwissenschaften nicht bewanderter Mensch, aufgefasst und nach bestem Wissen hier wiedergegeben.

Mit dem Prinzip "Aus eins mach zwei" bei dem großen Jedermannsfeld war das Bernouilli-Prinzip eigentlich obsolet, für den Hauptlauf aber um so wirkungsmächtiger geworden, schließlich waren hier deutlich mehr Läufer in einem Rennen zugegen als dort in zweien: immerhin 2100 an der Zahl. Jedenfalls war die Fließgeschwindigkeit der Hauptläufer und -läuferinnen von Anfang an sehr hoch, so dass zahlreiche Bestzeiten und überhaupt sehr gute Ergebnisse erreicht wurden. Dazu trug freilich auch der sehr flache und schnelle Kurs bei, der bis auf eine Minibrücke im hinteren Teil und eine kleine Wegesdelle am Schluss vollkommen flach war.

Souveräner Sieger des Hauptlaufs: Nikki Johnstone Platz 2 für Timo Schaffeld Dritter wird Martin Husen Mehr als ein Dutzend mal hat Manuel Meyer (vorne) schon die WLS gewonnen, diesmal wurde er Fünfter

Nikki Johnstone zurück

Der Dominator des Hauptlaufs war Nikki Johnstone von Art Düsseldorf, der aktuell, wenn ich es richtig sehe, die deutsche Marathonbestenliste 2018 nach seinem Sieg in Kevelaer auch nach diesem Wochenende noch knapp anführt. Nach seinem glänzenden Auftritt am Niederrhein hatte man sich beim Wintermarathon in Pulheim ebenfalls eine neue Streckenbestzeit von dem flotten Schotten erhofft. Doch musste er das Rennen absagen "aus Verletzungsgründen", wie er zu Protokoll gab. Jetzt, eine Woche später, war keine Einschränkung mehr zu sehen, denn souverän stürmte er dem Feld voraus und distanzierte bis zur Zielmatte seine Konkurrenz nahezu um eine volle Minute. Der Pädagoge im Trikot des Allgemeinen Ratinger Turnvereins erreichte nach 31:38min das Ziel und war damit nur unbedeutend langsamer als der Vorjahressieger Karol Grunenberg, der zugunsten der 25 km langen Asselronde in Appeldorn (die übrigens Hendrik Pfeiffer gewann) auf einen Start bei der Serie verzichtet hatte. Zu einer neuen Bestzeit brachte es Vizemeister Timo Schaffeld, wie vom Moderatorenduo Jochen Baumhof und Andreas Menz zu erfahren war. Der M20-Mann vom OTV Endurance-Team schaffte eine Zeit von 32:33min. Auch der dritte, Martin Husen (M35) vom SV Alfeld soll Bestwert gelaufen sein, hieß es. Nach 32:57min war dieser im Ziel.

Anika Fels überrascht alle und sich selbst

Eine erstaunliche Entwicklung hat in den letzten Monaten Anika Fels (W20) von der LG Coesfeld genommen und auf unterschiedlichen Distanzen für bemerkenswerte Resultate gesorgt. Die Studentin aus Münster musste man auf dem Schirm haben, wenn es um den Sieg in der Ruhrmetropole gehen sollte, obwohl mit Angela Moesch (W45) eine frühere Siegerin mit dabei war und mit Melanie Linder (W40), Carina Fierek (W35) und Sabine Dettmer (W20) drei derjenigen Läuferinnen erneut antraten, die 2017 auf dem Podest gestanden hatten. Fels selbst, aus einer laufaffinen Familie stammend, war damals fünfte in mäßigen 40:50min geworden.

Nach ihrem 5. Platz im Vorjahr überraschte die stark verbesserte Anika Fels mit dem Sieg in neuer persönlicher Bestzeit Angela Moesch wird 2. Rang 3 für Melanie Linder Lise Devits kommt auf Rang 4

Über den Rennverlauf lässt sich wenig sagen, denn es gibt keine Zwischenzeiten, und die Starter sind sehr bald aus dem Gesichtsfeld der Beobachter entschwunden. Erst bei Kilometer 8,5 kommen sie wieder in den Blick, und da hatte Fels eine stabile Männergruppe gefunden, in deren Sog sie schnell unterwegs war und schon einen beträchtlichen Vorsprung herausgelaufen hatte. Als sie sich vorsichtig umsah, als sie über die Kanalbrücke lief, ging der Blick ins Leere, denn da war noch keine Konkurrentin zu sehen. Fels konnte sich gegenüber dem Vorjahr um dreieinhalb Minuten steigern, sicher auch wegen einer besseren Physis. Die 22-jährige siegte in 37:22min klar und vermutlich mit neuer Bestzeit. Schneller als Papa Hubert (44min) und Mama Lisa (55min) war Anika Fels damit; nur Bruder Sven konnte sie im familieninternen Wettkampf nicht besiegen. Der lief in 35:17min auf Rang 14 der Männer.

Das bekannte Moderatorenduo Andreas Menz (links) und Jochen Baumhof sind eng mit der WLS verbandelt. Menz startete hier schon als B-Jugendlicher und gefühlt zwanzig weitere Male; Baumhof organisiert u. a. den Königsforstmarathon in Bergisch-Gladbach Siegerehrung im Stadion mit v. l.: Angela Moesch (2.), Siegerin Anika Fels, Melanie Linder (3.), Lisa Devits (4.) und Carina Fierek (5.)

Eine gute Vorstellung lieferte auch Angela Moesch von der LG Deiringsen, die nach 38:09min finishte und zweite wurde. Drei weitere Läuferinnen blieben unter vierzig Minuten: Die Vorjahreszweite Melanie Linder von der SG Wenden war anderthalb Minuten langsamer als vormals und wurde in 38:33min 3. Es folgten Lise Devits (Triathlon Mülheim, 38:40min), Carina Fierek (TuS Xanten, 39:25min) und Barbara Schlüter (o.V., 40:19min).

Zum Schluss

Die Entscheidungen in den Serien sind mit der ersten Distanz sicher noch nicht gefallen, auch wenn der jeweilige Vorsprung des ersten vor dem zweiten oder der ersten vor der zweiten komfortabel sind. Aber es gibt bei dem über fast zwei Monate laufenden Programm einige Unwägbarkeiten (Verletzung, Terminprobleme), und die langen Distanzen stehen noch aus und lassen noch viel Spielraum für Aufholjagden. Die kleine Serie beinhaltet noch Läufe über 7,5 und 10km, die große über 15 km und Halbmarathon.

Zieleinlauf in Duisburg Verpflegung im Zielbereich
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Wie kürzlich bekannt gegeben wurde, gibt es jetzt sogar eine ganz große Serie, denn der ASV Duisburg kooperiert mit dem Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg und verlängert damit die Winterlaufserie bis in den Sommer. Wer sich bei der Anmeldung für das vierteilige Komplettpaket entschieden hat, kommt in eine Sonderwertung. Es kann also gut sein, dass der Sieger der dreiteiligen Winterlaufserie ein anderer ist als der der WLS mit Marathon, sofern ersterer auf die Königsdistanz verzichtet oder dort noch eingefangen wird. Für Spannung ist auf mehreren Ebenen gesorgt ...

Bericht und Fotos von Michael Schardt

 unter Sportonline-Foto.de
Foto-Impressionen im LaufReport HIER
Ergebnisse www.winterlauf-halbmarathon-frauenlauf.de
Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.