19.2.17 - 40. Halbmarathon in Mörfelden

Beim Jubiläumslauf siegen Julia Roth und Demeke Wosene

Demeke verpasste den 11 Jahre alten Streckenrekord nur um eine halbe Minute

von Reinhold Daab

Informationen zum Lauf 2018 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

Am Sonntag hatte die Laufgemeinde die Qual der Wahl, denn gleich drei namhafte Veranstaltungen kämpften in unmittelbarer Nähe zu Mörfelden um die Gunst der Teilnehmer. Wer es lieber kurz und knackig haben wollte, der fuhr nach Trebur zur HLV Crossmeisterschaft. Wem der Sinn aber eher nach einem schnellen Zehner stand, wurde in der Nachbarstadt Langen im Rahmen der Triathlonmesse "Triathlon Convention Europe" beim TCE Run fündig. Trotz dieses großen Laufangebots entschieden sich über dreihundert Läuferinnen und Läufer für einen Start beim 40. Jubiläums Halbmarathon in Mörfelden. Sie fanden am frühen Sonntagvormittag gute äußere Bedingungen vor, die Temperatur bewegte sich beim Start um 9:30 Uhr um den Gefrierpunkt und stieg bis zum Ende der Veranstaltung noch etwa um vier Grad an. Dennoch dürften die Konkurrenzveranstaltungen einiges an Teilnehmern gekostet haben, sehr gerne hätte der SKV Mörfelden zum Jubiläum endlich mal wieder über vierhundert Teilnehmer begrüßt. Das war 2011 bislang zum letzten Mal der Fall.

Moderator "Vanman" Jochen Heringhaus schreitet die Startlinie zum Start des 40. Jubiläumslauf beim Halbmarathon in Mörfelden ab und kommentiert anschließend das Rennen mit sachkundigen und witzigen Beiträgen
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Im vergangenen Jahr hatte Florian "Flo" Neuschwander der beeindruckenden Siegesserie von Martin Skalsky nach sechs Siegen in Folge ein Ende gesetzt. Am Sonntag waren beide nicht am Start. Neuschwander war anderweitig beschäftigt und mit einem Stand auf der Messe in Langen vertreten.

Kurz vor dem Start machte das Gerücht die Runde, dass der deutsche Eliteläufer und Olympiateilnehmer Julian Flügel nach Mörfelden kommen wolle. Vorsichtshalber hatte sich Streckensprecher "Vanman" Jochen Heringhaus die wichtigsten Fakten über Flügel besorgt. Leider blieb es ein Gerücht, Flügel kam letztlich nicht und Heringhaus konnte sein Wissen nicht an den Mann bringen. Schade, denn es hätte ein überaus interessantes Rennen werden können, weil mit dem Äthiopier Demeke Wosene ein sehr interessanter Läufer und klarer Sieganwärter am Start war. Wosene kannte die Strecke bereits, denn bei der Marathonstaffel vor 4 Wochen war er als Schlussläufer maßgeblich am Sieg der LG Rüsselsheim beteiligt.

Demeke Wosene zeigt eine famose Leistung und gewinnt den Halbmarathon mit 8 Minuten Vorsprung. Den 11 Jahre alten Streckenrekord verpasst er nur um 30 Sekunden Janek Taplan wird Zweiter und gewinnt die M30 M35-Sieger Mathias Kiefert läuft auf den vierten Platz

Ein ernsthafter Konkurrent für Wosene war nicht in Sicht, so dass das Rennen letztlich zu einer "One Man Show" mit ihm als Hauptdarsteller mutierte. Aber der Reihe nach.

Pünktlich um 9:30 Uhr setzte sich das Teilnehmerfeld im Waldstadion in Bewegung, um die beiden Runden durch den Mörfelder Unterwald in Angriff zu nehmen. Ständig begleitet vom Lärm der im Minutenabstand startenden Flugzeuge, bei denen man fast die Passagiere erkennen konnte, so tief flogen sie über den Wald.

Frauensiegerin Julia Roth (1. W30) Mit neuer persönlicher Bestzeit läuft Eva Skalsky auf Platz zwei (1. W35) Ebenfalls eine neue Bestzeit verhilft Conny Spiecker zu Rang drei (1. W40) Nicole Best spürt einen Geher Wettbewerb vom Vortag in den Beinen, verliert in der zweiten Runde zwei Plätze und wird Vierte (1. W45)

Nachdem die obligatorischen Startfotos im Kasten waren, begab ich mich schnell an die strategisch gut gelegene Kreuzung auf einer Lichtung bei km 1. Hier war einiges los, weil die Teilnehmer auf dem Weg in Stadion denen entgegenkamen, die sich schon auf der zweiten Runde befanden. An dieser Stelle konnte man auch sehr gut einen Blick auf den Abstand zu den Konkurrenten werfen. Das hatte der Führende Wosene jedoch kaum nötig, sein Vorsprung war bereits bei der Hälfte der Strecke riesig. Er befand sich eindeutig auf Streckenrekordkurs und spulte die erste Runde in 34:02 min ab. Wenn er das angeschlagene Tempo durchhalten konnte, war der 11 Jahre alte Streckenrekord von Dominik Burkhardt aus 2006 von 1:08:32 Std. erstmals ernsthaft in Gefahr.

Ein ähnliches Bild bot sich bei den Frauen. Julia Roth brauchte für die erste Runde 42:46 min. und lag mit über zwei Minuten Vorsprung auf ihre erste Verfolgerin Nicole Best deutlich in Führung. Nicole hatte mir vor dem Start erzählt, dass sie am Vortag noch an einem Geher Wettbewerb teilgenommen hatte. Sie konnte nicht einschätzen, wie sich das auf ihr Rennen auswirken würde.

M45-Sieger Uwe Widmann wird Fünfter Mit einer guten Leistung wird Felix Kern Zehnter (1. MJU20) Siegerpose von Frank Wiegand, er gewinnt die M50

Fast alle Teilnehmer befanden sich inzwischen auf der zweiten Runde, ich verpasste nichts mehr und konnte mich nach einer Stunde Laufzeit auf den Rückweg ins Waldstadion machen. Hier herrschte gespannte Erwartung. "Vanman" Heringhaus hielt die Spannung hoch und informierte die Zuschauer im Sekundenabstand, wie viel Zeit noch bis zum Streckenrekord blieb. Als die Uhr schließlich 1:08 Std. anzeigte und Wosene das Stadion noch nicht erreicht hatte, war klar, dass es heute nichts mehr mit einem neuen Rekord werden würde. Für die zweite Runde hatte der Äthiopier eine Minute länger gebraucht, so dass im Ziel leider "nur" 1:09:02 Std. für Demeke Wosene gestoppt wurden (1. M, LG Rüsselsheim), genau 30 Sekunden zu viel. Trotzdem erntete er natürlich viel Lob für seine famose Leistung und die Tatsache, dem Streckenrekord so nahe gekommen zu sein, wie in 11 Jahren kein Läufer vor ihm.

Während die einen Teilnehmer noch auf dem Weg ins Stadion sind, nehmen die anderen bereits die zweite Runde in Angriff Gerhard Wenz (rechts) gewinnt die M70 und wird von Vereinskamerad Hans-Jürgen Homfeld (2. M65) begleitet

Danach vergingen über acht Minuten, bis M30-Sieger Janek Taplan von LC Bingen in 1:17:17 Std. die Ziellinie als Zweiter vor seinem direkten AK-Konkurrenten Stefan Gaub überquerte (1:17:59 Std., VT Zweibrücken). Mit Mathias Kiefert (1:19:32, 1. M35, Spiridon Frankfurt) und Uwe Widmann aus Wiesbaden (1:19.34 Std., 1. M45) blieben nur noch zwei Läufer unter der 1:20 Std. Marke. Eine gute Leistung zeigte der 19-jährige Felix Kern (1. MJU20) von der TSG Kleinostheim, der in 1:22:52 Std. Zehnter wurde. Weitere AK-Sieger: M40 Andre Zimmermann (1:23:54 Std., Eintracht Frankfurt), M50 Frank Wiegand (1:23:26 Std., Passtschon 98), M55 Bernd Faller (1:31:50 Std., Budenheim Runners), M60 Armin Härle (1:29:10 Std., EK Schwaikheim), M65 Valentin Wiedemann (1:49:21 Std., VSV) und M70 Gerhard Wenz (1:55:25 Std., TV 1848 Groß-Gerau).

Armin Härle läuft auf den letzten Metern im Stadion zum M60-Sieg In Begleitung von Klaus von der Grün (7. M55) gewinnt Marisa Gomez-Ruhland die W55 Renate Henrich gewinnt die W50

Nachdem zwei Dutzend Männer im Ziel waren, erreichte die erste Frau das Stadion. Wie nicht anders zu erwarten handelte es sich um Julia Roth vom TV Schweinheim (1. W30), die mit ihrer Siegerzeit von 1:26:09 Std. nicht ganz so zufrieden war. "Eine 1:25 war mein Ziel, eine 1:24 wäre toll gewesen. Aber es ist ja erst Februar". Nach wenigen Minuten hatte sich der anfängliche Frust der Siegerin gleich wieder gelegt. Nicole Best jedoch konnte das Tempo der ersten Runde nicht halten, war auf der zweiten Runde zwei Minuten langsamer und wurde noch auf Platz vier durchgereicht (1:32:34 Std., 1. W45, TV 1846 Groß-Gerau). Der Geher Wettbewerb am Vortag hatte wohl doch zu viel Kraft gekostet.

Zwei Herzensgrüße von drei Damen für, und ein Selfie, zum 40. Jubiläumslauf in Mörfelden. Das muss sein
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Aber es lag natürlich auch an den Leistungen ihrer beiden Konkurrentinnen, die mit neuen persönlichen Bestzeiten überzeugten. Eva Skalsky (1:30:27 Std., 1. W35, LuT Aschaffenburg) und Conny Spiecker (1:31:58 Std., 1. W40, BSG Merck) waren mit den Podiumsplätzen zwei und drei überglücklich. Weitere AK-Siegerinnen: W50 Renate Henrich (1:39:21 Std.), WHK Anika Bohrmann (1:42:35 Std., Eintracht Frankfurt), W55 Marisa Gomez-Ruhland (1:44:23 Std., Spiridon Frankfurt) und W60 Marita Hermes (2:06:11 Std., RLT Rodgau).

Ein neuer Streckenrekord zum 40-jährigen Jubiläum, das wäre in der Tat eine runde Sache gewesen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Gelegenheit, das Versäumte nachzuholen, gibt es im nächsten Jahr beim 41. Halbmarathon in Mörfelden.

Bericht und Fotos von Reinhold Daab
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