18./19.2.17 - 64. Deutsche Hallenmeisterschaften in Leipzig

13 Jahresbestleistungen und ebenfalls 13 Normerfüllungen für Hallen-EM

Generationswechsel in der deutschen Leichtathletik

von Almuth Steinhoff

Eines zeigten die diesjährigen Hallenmeisterschaften ganz deutlich: die deutsche Leichtathletik lebt und ist jünger denn je! Besonders auf der blauen Rundbahn, aber auch in technischen Disziplinen waren es die "jungen Wilden", die den Ton angaben, Titel sammelten und reihenweise die Normen für die Hallen-Europameisterschaften in Belgrad knackten. "Wir haben hier einen deutlichen Generationswechsel gesehen", analysierte Indriss Gonschinska, Leitender Direktor Sport im DLV, nach den beiden Leipziger Tagen.

An beiden Tagen der 64. Deutsche Hallenmeisterschaften war die Leipziger ARENA ausverkauft Konstanze Klosterhalfen läuft in 4:04,91 Meeting Rekord über 1500m. Freude über die zweitbeste je von einer deutschen Sportlerin gelaufenen Zeit; natürlich ist das die EM-Norm!
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Neben Weltklasseleistungen im Flachsprint-und Hürdenbereich wurden auch die hervorragenden Leistungen aus dem Laufbereich von Robert Farken, Konstanze Klosterhalfen, Alina Reh und Marius Probst als positive Signale gewertet. Ergebnisse, die an beiden Tagen in der ausverkauften ARENA Leipzig für "Dauerraunen" beim sachverständigen Publikum führten. Dazu passend einige Veränderungen in der riesigen Mehrzweckhalle, die für zwei Wochen nur der Hallenleichtathletik gehörte: große LED-Banden, die für alle sichtbar die aktuellen Ergebnisse der laufenden Disziplinen zeigten, zwei Pressetribünen (wo Jahre zuvor noch Stehplatzbereiche konzipiert waren) und (für die Presseleute) ein superschneller Ergebnisdienst.

Als besonderes Erlebnis für die Zuschauer gestalteten sich die Siegerinterviews nach den Wettkämpfen. In bewährter Form vorhanden: Videoleinwände, Informationsstände und Autogrammstunden. Ebenfalls meisterhaft gestaltete sich der durchgetaktete Zeitplan. Da Laufdisziplinen und technische Wettbewerbe parallel stattfanden, mussten die Organisatoren minutiös den reibungslosen Ablauf planen. Daran gekoppelt waren die Moderation und die Musikeinspielung. "Durchgestylt" und überaus modern präsentierten sich diese 64. Hallentitelkämpfe!

Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken) zeigt, wohin es gehen soll - der Stabhochspringer sicherte sich den Hallenmeistertitel 2017 mit 5,68m Den zweiten Vorlauf über 200m gewann Aleixo Platini Menga von TSV Bayer 04 Leverkusen; im Finale holte er Silber (20,96s)

Besonders der zweite Tag war für Rekorde wie geschaffen; auf allen Strecken, die auf dem Sechs-Bahnen-Rundlauf ausgetragen wurden, zeigten die Athleten zum großen Teil Weltklasseleistungen. Sicherlich verbindet man mit dem MONDO-Belag schnelle Zeiten; aber en masse und von solcher Qualität - das hatten wohl nur die Insider oder Berufsoptimisten auf dem Schirm.

"Es läuft" bei den Sprintern und Läufern des DLV. Die Wettbewerbe "jagten sich selbst", frotzelte ein Bildreporter neben mir. Recht hatte er, denn auf die 800m-Finals folgten Schlag auf Schlag die längste Sprintstrecke über zwei Hallenrunden sowie die 200m-Finals. Als besonderen Höhepunkt erlebte das "volle Haus" hochklassige Laufwettbewerbe auf den Mittelstrecken.

Lara Hoffmann (LT DSHS Köln), Siegerin über 400m, führt schon in der ersten Runde das Feld an Marc Koch (LG Nord Berlin) und Marvin Schlegel (LAC Erdgas Chemnitz) unterbieten über 400m die EM-Norm

"Im letzten Jahr waren die jungen Häschen unterwegs, jetzt kommt der alte Hase wieder", scherzte eine bestens aufgelegte Rebekka Haase und spielte auf das vergangene Jahr an. "Ich hatte den Anschluss nicht gepackt, da waren die anderen Mädels viel zu stark. Da musste ich bei den 100m bleiben. (In Leipzig nicht nur eine Randnotiz: Platz zwei über 60m in 7,16s). "Ich hoffe, jetzt kann ich es draußen wieder spannender machen und über die 200m mitreden." Die aus Sachsen kommende Sprinterin stürmte in 22,77s nicht nur zum Titel, sondern auch auf Platz sechs der ewigen deutschen Bestenliste.

Robert Erewa war in seinem Finale das Pendant. Der Wattenscheider ist mit seiner Siegerzeit von 20,52s nicht nur dreifacher Hallenmeister, sondern auch zweitschnellster Sprinter Deutschlands aller Zeiten. "Jetzt steht erst einmal eine kleine Pause an, dann geht es in die Vorbereitung auf den Sommer in verschiedene Trainingslager ", gibt der 200m-Sieger und Vorjahresdritte (2016: 21,12s) einen Ausblick auf die kommenden Wochen.

Das Siegerpodest im Dreisprung mit Vincent Vogel, Max Heß (beide LAC Erdgas Chemnitz) und Martin Jasper (VfB Stuttgart) Der 1500m-Sieger beim Siegerinterview: Marius Probst vom TV Wattenscheid hat den Sprung in die Elite geschafft So sehen Sieger aus: das Podest der 1500m-Läuferinnen mit Konstanze Klosterhalfen (TSV Bayer 04 Leverkusen), Denise Krebs (TV Wattenscheid) und Lena Klaassen (TSV Bayer 04 Leverkusen)

Gleich drei Viertelmeiler blieben unter der EM-Norm und stürmen nach Belgrad. Siegerin Lara Hoffmann war im Ziel fassungslos ob ihrer 52er Zeit: "Dafür habe ich so hart trainiert!" Mit 52,90s erfüllte sich die Athletin von der LG DSHS Köln einen langgehegten Traum; es ist ihre erste Hallenzeit unter 53 Sekunden. Auch die Zweitplatzierte Carolin Walter (TSV Bayer Leverkusen) lief mit 53,60s Bestzeit; gleiches schaffte Laura Gläsner (VfL Eintracht Hannover) nur fünf Hundertstelsekunden langsamer. Mit Ruth Sophia Spelmeyer und Nadine Gonska schickt der DLV eine schlagkräftige Staffel nach Belgrad.

Marc Koch und Marvin Schlegel rockten ebenfalls die Leipziger ARENA; beide 400m-Läufer fahren als Normerfüller zur EM. "Ich muss das alles erst einmal verarbeiten", war der Sieger von der LG Nord Berlin kurz nach der Bekanntgabe der Zeit (46,40s) fassungslos. Sieben Zehntelsekunden verbessert und aktuell Fünftbester in Europa - ein ganz starker Auftritt! Auch Youngster Marvin Schlegel überraschte alle; der U20-Athlet aus Chemnitz katapultierte sich mit einer Zeit von 46,78s in die Nationalmannschaft.

Kraftvoller Antritt von Robert Farken vom SC DHfK Leipzig in der Vorschlussrunde des 800m Rennen. Dahinter folgen Christoph Kessler von der LG Region Karlsruhe (Silber) und Jan Riedel vom Dresdner SC (Bronze) Das Leipziger Publikum "war besonders Ohr" bei diesem Interview vom MDR, denn ihr Lokalmatador hatte gewonnen

Das mit Spannung erwartete 800m-Rennen der Männer wurde zum einen von Lokalmatador und die Jahresbestenliste anführenden Robert Farken (kürzlich DLV-Ass des Monats) geprägt, zum anderen durch U23-Meister Christoph Kessler (LG Region Karlsruhe) offen gehalten. Nach gut siebenhundert Metern musste der Leipziger "beißen", um die Führung nicht noch zu verlieren. Drei Hundertstelsekunden machten den Unterschied zwischen Gold (1:49,78min) und Silber aus. Überglücklich ging Robert Farken nach dem obligatorischen Siegerinterview auf die lautstark beklatschte Siegerrunde. "Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Zu Hause im ersten Männerjahr den Titel zu holen - besser kann es vor Heimpublikum nicht sein." In Belgrad möchte Robert Farken "internationale Erfolge bei den Großen sammeln", Christoph Kessler (mit einem Augenzwinkern) "den Vorlauf überleben".

800m-Siegerin Christina Hering (LG Stadtwerke München) hatte gehofft, dass es ein bisschen schneller geht. Vom Start weg an der Spitze laufend musste sie ihr Rennen gestalten. Die Uhr blieb bei 2:06,52min stehen. Für die Münchnerin zählte zu allererst der Sieg. Es war der dritte Hallentitel in Folge. "Leider ist die Form noch nicht wieder wie im letzten Jahr. - Stolz bin ich darauf, dass sich Mareen Kalis den zweiten Platz holen konnte."

Da war die spätere 800m-Siegerin Christina Hering schon enteilt: Rebekka Ackers führt das Feld der Verfolgerinnen an. Später wird die Leverkusenerin Dritte Christina Hering (LG Stadtwerke München)läuft ungefährdet zum Meistertitel

Kurz nach dem Zieleinlauf bedankte sich 1500m-Siegerin Konstanze Klosterhalfen zuerst beim Leipziger Publikum: "Es war eine tolle Stimmung in der Halle, die mich getragen hat. Ich konnte einfach laufen, ohne nachzudenken. Ich freue mich riesig über die Zeit." 4:04,91min steht nun als zweitbeste Hallenzeit einer deutschen Läuferin in den Protokollen, zudem ist es U23-Rekord und (so ganz nebenbei) die Erfüllung der EM-Norm für Belgrad. Die für den TSV Bayer 04 Leverkusen startende Zwanzigjährige (am Vortag hatte Konstanze Klosterhalfen Geburtstag) stürmte unnachahmlich über die Rundbahn, sodass sie mit fast einer Runde Vorsprung über den Zielstrich lief. Schon beim zweiten Durchlauf hatte sie einen Vorsprung von ca. dreißig Metern herausgelaufen; die 800m-Durchgangszeit betrug 2:10min, 3:17min waren es nach 1200m. - Dreizehn Läuferinnen stellten sich im Finale dem Starter, wobei die Favoritinnen die äußere Startgruppe bildeten. Für knapp vier Minuten gehörte die ganze Aufmerksamkeit der Zuschauer diesem einzigartigen 1500m-Lauf, selbst im Weitsprung hielten die Athleten kurz inne.

Start des 1500-Rennens, die Favoritinnen in der ersten Startreihe: Denise Krebs (13), Konstanze Klosterhalfen (12), Lena Klaassen (11) und Katharina Trost (10) Erst eine Runde vor dem Ziel löste sich der Pulk auf… … Konstanze Klosterhalfen hatte bei ihren Sieg ca. 150m Vorsprung herausgelaufen (4:04,91min), das sind ca. 20 Sekunden

Marius Probst hatte für 1500m gemeldet, stand schon im Vorfeld als dritter EM-Starter (hier für die 800m) fest. Lange Zeit blieb der Wattenscheider hinter dem Führenden und späterem Zweitplatzierten Florian Orth, "denn ein bisschen hatte ich mit dem Rennverlauf gerechnet. Ich glaube auch, dass Florian wusste, dass ich hinten raus schwer zu schlagen bin. Darum ist er das Rennen wahrscheinlich auch so schnell angegangen. Ich bin superfroh und dankbar", kommentierte ein glücklicher Sieger noch auf der Rundbahn. Mit 4:41,40min hat Marius Probst nun beide Normen für Belgrad. "Mit meinem Trainer werde ich nun in Ruhe besprechen, ob ich über die 800m oder die 1500m starten werde."

Über 1500m führte Florian Orth bis zum Eingang auf die Zielgerade vor dem späteren Sieger Marius Probst … Das restliche Feld der 1500m-Läufer

Florian Orth sicherte sich am Vortag die Silbermedaille über die doppelte Distanz. Sieger in einem auseinandergezogenen Feld wurde Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen), der "ein perfektes Rennen lief". Mit 7:59,68min blieb er unter der Acht-Minuten-Grenze und plant von der "Zwischenstation" Leipzig natürlich nun für Belgrad. Teamkamerad und Viertplatzierter Martin Sperlich erreichte mit 8:01,65min persönliche Bestleistung.

Konzentration vor dem ... ... 3000m-Start der Frauen

Gleich dreifach knackten die 3000m-Läuferinnen die EM-Norm: vorneweg Alina Reh (SSV Ulm 1864), die in 8:53,56min zu einer neuen Bestzeit lief. Die kurzentschlossene Meldung von Gesa Felicitas Krause machte sich für die Hindernis-Europameisterin bezahlt: 8:56,13min bedeuteten ebenfalls Normerfüllung und die Silbermedaille. Hanna Klein wurde Dritte (8:57,86min) und streift Anfang März ebenfalls das Trikot der deutschen Nationalmannschaft über.

Vom Start an führte Alina Reh über 3000m und gab bis ins Ziel diese Führung nicht aus der Hand Während Alina Reh die Ziellinie überquert, liegen vor den anderen noch 200m. Hinter Reh laufen Gesa Felicitas Krause und Hanna Klein auf dei Plätze 2 und 3
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Die Hallen-EM in Serbien wird ein weiterer Schritt in Richtung Neustrukturierung der Nationalmannschaft sein; längst haben die "jungen Wilden" den Staffelstab aufgenommen und ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt.

64. Deutsche Hallenmeisterschaften in Leipzig
Ergebnisse der platzierten Frauen 800m - 1500m - 3000m
  Rk. Name Verein Zeit
800m 1 HERING Christina LG Stadtwerke München 2:06.52
  2 KALIS Mareen LG Stadtwerke München 2:07.41
  3 ACKERS Rebekka TSV Bayer 04 Leverkusen 2:08.93
1500m 1 KLOSTERHALFEN Konstanze TSV Bayer 04 Leverkusen 4:04.91 MR
  2 KREBS Denise TV Wattenscheid 01 4:25.34
  3 KLAASSEN Lena TSV Bayer 04 Leverkusen 4:26.07
3000m 1 REH Alina SSV Ulm 1846 8:53.56 PB
  2 KRAUSE Gesa Felicitas Silvesterlauf Trier 8:56.13
  3 KLEIN Hanna SG Schorndorf 1846 8:57.86

64. Deutsche Hallenmeisterschaften in Leipzig
Ergebnisse der platzierten Männer 800m - 1500m - 3000m
  Rk. Name Verein Zeit
800m 1 FARKEN Robert SC DHfK Leipzig 1:49.78
  2 KESSLER Christoph LG Region Karlsruhe 1:49.81
  3 RIEDEL Jan Dresdner SC 1:50.06
1500m 1 PROBST Marius TV Wattenscheid 01 3:41.40 PB
  2 ORTH Florian LG Telis Finanz Regensburg 3:44.48
  3 HETTICH Stefan TSV Gomaringen 3:46.64 PB
3000m 1 RINGER Richard VfB LC Friedrichshafen 7:59.68
  2 ORTH Florian LG Telis Finanz Regensburg 8:01.10
  3 BENITZ Timo LG farbtex Nordschwarzwald 8:01.31

Bericht und Fotos von Almuth Steinhoff folgt !

Ergebnisse www.leichtathletik.de/ergebnisse

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