6.1.19 - 41. Ratinger Neujahrslauf

Gegen den Trend: Teilnehmerrekord im Nachjubiläumsjahr

Eyob Solomon nur 3. - Siege für Habtom Tedros und Lisa Jaschke

5km: Glänzender Streckenrekord durch Frederik Ruppert

von Michael Schardt 

Schön, dass es hierzulande solch tolle Läufe gibt und die Organisatoren über Jahrzehnte das Geschick und Engagement haben, die Veranstaltung allen Widerständen und Unwägbarkeiten zum Trotz zu immer neuen Erfolgen zu führen. Denn schnell können beispielsweise neue behördliche Auflagen einem Event den Garaus machen, wie in der Nachbarschaft jetzt das Beispiel der beliebten Nettetaler Winterlaufserie schmerzlich zeigt.

Auch der Ratinger Neujahrslauf musste kurzfristig eine Hiobsbotschaft verkraften, dass nämlich die Polizei nicht mehr als Helfer bei der Verkehrsregelung zur Verfügung stehe.

 
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Zwei Bilder, ein und dieselben Veranstaltung. Dichtes Gedränge auf und am Rand der Laufstrecke in der Innenstadt - hier während eines Schülerlaufs -; zuschauerfreier Läuferauftritt in den Randbezirken - hier beim Zehner
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Mit einem Helferaufruf über die Homepage und regionale Zeitungen gelang es rechtzeitig, mit zusätzlichen freiwilligen Kräften die Lücke zu kompensieren. Belohnt wurden die Veranstalter um Orgachef Jürgen Robbel mit einem neuen Streckenrekord über fünf Kilometer der Männer und einer Rekordbeteiligung. 1939 Läufer und Läuferinnen hatten sich voran- oder nachgemeldet - 1631 konnten ihr Rennen finishen, darunter über 600 Bambini und Schüler in drei Jugendrennen. In gewisser Weise sind diese Zahlen dem üblichen Trend entgegengesetzt, wonach Finisherrekorde meist in Jubiläumsjahren erreicht werden und im Folgejahr wieder deutlich absinken. In Ratingen, das 2018 seinen Vierzigsten feierte, waren es 2019 über 200 Akteure mehr als beim runden Geburtstag. Und das, obwohl die äußeren Bedingungen heuer alles andere als günstig waren.

Ein Lauf im Wandel

Der Ratinger Neujahrslauf hat in seiner mehr als vier Jahrzehnte langen Geschichte manchen Wandel erlebt und überraschende Entwicklung genommen. So liege heute der Schwerpunkt der Veranstaltung im Breitensportbereich, erklärt der Vorsitzende des Gesamtvereins ASC Ratingen, Ludger Abs, gegenüber LaufReport. Früher habe man ja noch Asse aus Afrika eingekauft, habe Preisgelder ausgesetzt und absolute Spitzenleute am Start gehabt. Wie aus einer Dokumentation hervorgeht, konnte man Stars wie den früheren Weltmeister und Vizeweltmeister Khalid Skah aus Marokko oder Luka Kaitany aus Kenia problemlos einfliegen, da der Ort des Geschehens kaum fünf Kilometer vom Düsseldorfer Flughafen entfernt liegt.

Start des Jedermannslaufs über vermessene fünf Kilometer. 450 Teilnehmer waren dabei Der Fünfer besteht aus einem schnellen Zwei-Runden-Kurs mit jeweils ein paar Höhenmetern. Links geht es in die finale Runde, rechts ins Ziel

Heute, so der Vorsitzende weiter, freue man sich mehr über die zahlreiche Beteiligung der Schulen, über den Aufschwung im Jugendbereich und die gute Annahme des Jedermannslaufs, der erst vor wenigen Jahren anstelle eines zweiten Zehners eingeführt worden sei.

Gewandelt hat sich schon vor Jahren der Name des Events. Früher firmierte die Veranstaltung noch unter dem Label "Silvesterlauf" und fand im alten Jahr statt, dann wurde dieser in "Neujahrslauf" umgetauft und auf das Dreikönigswochenende verlegt. Dass es sich bei dem Neujahrslauf aber um die älteste Veranstaltung dieser Art in Deutschland handle, wie die vielseitige Chronik schon im ersten Satz behauptet, stimmt so wohl nicht, denn der Gummersbacher Silvesterlauf, um nur einen von mehreren zu nennen, bringt es auf über sechzig Jahre und Austragungen.

 
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5km: Starker Mann aus Myhl knackt Streckenrekord

Wie der Zehner ist auch der Fünfer DLV-vermessen, geeignet also, um sich an die Spitze der neuen deutschen Jahresbestenliste zu katapultieren. Ganz einfach zu laufen ist der Zwei-Runden-Kurs durch die Ratinger Innenstadt allerdings nicht, denn er hält eine seichte, aber langgezogene Steigung bereit, die auch dem späteren Sieger fast den Zahn gezogen hätte.

Ludger Abs ist Vorsitzender vom Gesamtvereins des ASC Ratingen und freut sich über den Melderekord mit fast 2000 Läufern Der aktuelle deutsche Mittelstrecken-Hochschulmeister (800m) Frederik Ruppert blieb im 5km Lauf mit 14:54min erstmals unter 15 Minuten und stellte damit einen neuen Streckenrekord auf Rang 2, ebenfalls mit neuer PB, erlief sich Mannschaftskamerad Hannes Vohn vom SC Myhl Der Drittplatzierte Dennis Breuer vom ASV Duisburg glücklich im Ziel

Die beiden zwanzigjährigen Mittelstreckler Frederik Ruppert und Hannes Vohn vom ambitionierten Verein SC Myhl hatten gerade ein Trainingslager in Paderborn hinter sich gebracht, wo sie die schöne Ahorn-Leichtathletikhalle für Sprint- und Intervalleinheiten nutzen konnten. Der Neujahrslauf stand als Abschluss-Wettkampf auf dem Programm mit dem Ziel, neue persönliche Bestzeiten zu erreichen. Rotschopf Frederik Ruppert stürmte wie die Feuerwehr los, Vohn war zwar auch schnell unterwegs, konnte da aber nicht mithalten. Vorderfußläufer Ruppert war schon beim ersten Durchlauf am Marktplatz so schnell unterwegs, dass der langjährige Moderator Burkhard Swara - um die Stimmung anzuheizen - offen mutmaßte, ob es wohlmöglich einen neuen Streckenrekord geben könnte, die erste Zeit unter fünfzehn Minuten. Für letzteres wurde es zwar noch etwas eng, aber der Zwanzigjährige, amtierender deutscher Hochschulmeister über 800 Meter, schaffte beides, trotz der Überrundungen, trotz des im Zielbereich rutschigen Pflasters, trotz des Nieselregens, der nur beim Fünfer zu beklagen war.

Nicht zum ersten Mal auf Platz 1: Anna Maria Hiegemann verpasst im 5km Lauf eine Zeit von unter 18min nur knapp Annika Faber wird 2. Sarah Valder freute sich über Rang 3 Aus Köln kommt die viertplatzierte Nina Ahrens

Er sei viel zu schnell angegangen, pustet Ruppert im Ziel, am letzten Berg habe er fast nichts mehr drauf gehabt, die Kraft sei ausgegangen. Ruppert gewann in 14:54min mit neuem Streckenrekord und neuer Bestzeit. Noch nie sei er unter fünfzehn Minuten belieben. Eine fulminante Verbesserung um fast eine halbe Minute erreichte auch Hannes Vohn, der in 15:23min zweiter wurde vor Dennis Breuer in 16:59min. Auf dem Programm von Vohn stehen in Kürze einige Hallenmeisterschaften, vor allem strebt er aber die Qualifikation für die deutschen Meisterschaften in der Juniorenklasse über 5000 Meter an, die bei 14:59min liegt. Breuer (M20) vom ASV Duisburg hatte sich zum Schluss aus einem Trio lösen und Bronze erlaufen können vor Lennard Böge (U20) vom TriTeam Ratingen 08 in 17:05min.

 
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Gute Leistungen gab es auch bei den Frauen zu sehen. Da musste sich die mehrfache Titelträgerin Anna Maria Hiegemann (Lauftreff Stoppenberg, W20) heftiger Konkurrenz erwehren, um in 18:09min den Sieg einzufahren. Dass sie sich über eine knapp verpasste Zeit von unter achtzehn Minuten etwas ärgere, wie der Mann am Mikrophon vermutete, war ihr nicht anzusehen. Ein starkes Rennen machte die B-Jugendliche Annika Faber vom TV Haßlinghausen, die in 18:34min Silber gewann vor Sarah Valder (W20, Bunert) in 18:58min. Valder hatte vor Wochenfrist beim Merheimer Silvesterlauf in Köln über zehn Kilometer noch das Treppchen knapp verpasst. Nina Ahrens (W20) aus Köln blieb wie zwei weitere Läuferinnen ebenfalls unter zwanzig Minuten und landete in 19:11min auf dem vierten Rang.

Startaufstellung 10 km mit den späteren Erstplatzierten: Eyob Solomon, für den die Startnummer 1 kein gutes Omen war, Habtom Tedros (Nr. 3) und Simon Dahl (Nr. 1010) Der Marktplatz wird gleich nach dem Start und dann noch zwei Mal gekreuzt

Hauptlauf: Tedros schlägt Solomon und Jaschke Vernikov

Die Hauptstrecke in Ratingen war nicht immer genau zehn Kilometer lang, sondern schon mal 12 oder 10,5km, seit sie es aber ist, werden Streckenrekorde rubriziert. Diese stammen beide aus den frühen neunziger Jahren und lauten bei den Männern auf 28:13min und Frauen 31:29min, aufgestellt vom Engländer Paul Evans und der Kenianerin Helen Kimayo. Diese zu brechen, ist seit vielen Jahren illusorisch, seit keine Gelder mehr bezahlt werden.

Der Zehner wird auf einem Drei-Runden-Kurs ausgetragen, der, abgesehen von einem kurzen, flachen Abschnitt in der Mitte, zur einen Hälfte abwärts und zur anderen aufwärts führt. Die langgezogene, aber sanfte Steigung wartet auf die Läufer nach einem Kilometer und zieht sich 1200m hin. Die letzten 300m Richtung Ziel weisen dann wieder leichtes Gefälle auf.

Rund 560 Läufer und Läuferinnen machten sich auf einen anspruchsvollen Parcours von drei Runden

Als sich um 13 Uhr über 550 Teilnehmer auf den Weg machen, ist die hübsche Ratinger Innenstadt immer noch so voll von Zuschauern wie zu den vorher stattfindenden Schülerläufen. Man steht in mehreren Reihen hintereinander und feuert die Langstreckler kräftig an. Hier kann man von einem echten Citylauf sprechen. Einige hundert Meter später wird es schnell still, denn der Rest der Strecke führt überwiegend über Ausfallstraßen um die Innenstadt herum, wo fast niemand mehr steht.

 
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Zwei Kilometer vor dem Ziel liegt das Siegertrio noch dicht beieinander: Eyob Solomon (blau, 3.), Habtom Tedros (rot, Sieger) und Simon Dahl (links, halb verdeckt) Im Verfolgermodus: Muharrem Yilmaz (links, 2. M45), neuer Clubkamerad von Solomon, und Freddy de Haas (2. M50)

Als Favorit des Zehners war der mehrfache Sieger Eyob Solomon (M20) schnell auszumachen, trug er doch standardgemäß die Startnummer 1. Der Mann, der von der SG Wenden zum Essener Ayyo Team gewechselt war und 2017 eine langwierige Verletzung zu überbrücken hatte, schaffte es wider Erwarten nicht, sich in den ersten beiden Runden von seinen Konkurrenten Habtom Tedros (TG Neuss, M20) und Simon Dahl (M30, Bunert) abzusetzen. Noch zwei Kilometer vor dem Ziel bemühte er sich vergebens darum, Abstand zwischen sich und den Konkurrenten zu bringen. Das sah mühevoll aus und nicht erfolgversprechend. Beim letzten Anstieg zeigte sich, dass Solomon noch nicht der alte ist und fiel zurück. Dahl und Tedros schenkten sich nichts, doch auf den letzten Metern hatte der zierliche Mann aus Neuss kleine Vorteile gegenüber dem Schlacks aus Köln. Tedros trat die Nachfolge von Simon Hamann als Sieger von 2017 an und gewann in 32:37min vor Dahl in 32:40min sowie Solomon 33:02min und David Sidowe (M30) vom Team Essen99 in 33:53min.

Siegerin Lisa Jaschke vom Kölner Laufladen Bunert Knapp geschlagen: Jungtlalent Sonja Vernikov wird 2. Die Ratinger Mehrfachsiegerin Christl Dörschel schaffte als 3. den Sprung aufs Stockerl

Eine neue Siegerin ist bei den Frauen zu vermelden. Hatte Lisa Jaschke aus Köln (W20) im letzten Jahr noch hinter Inga Hundeborn und Christl Dörschel Rang drei in 38:18min belegt, konnte sie sich nun über eine Minute steigern und den Angriff der Jugend abwehren. Sie siegte mit elf Sekunden Vorsprung in 37:30min vor der 17-jährigen Sonja Vernikov (Ski Keller Kaulard & Schroiff) in 37:41min. Diese, die schon am Vortag einen Wettkampf bestritten hatte, hatte ihrerseits wieder elf Sekunden Vorsprung auf Christl Dörschel (W40) von der SG Wenden, die nach 37:52min im Ziel war. Dahinter holte Vereinskameradin Melanie Linder (W40) auf den letzten Metern die vor ihr liegende Katharina Urbainczyk (Bunert, 5. in 38:20min) ein und wurde in 38:08min 4.

Der Stolz: die Schülerläufe

Waren früher vielleicht die Elitefelder im Erwachsenenbereich der Stolz der Ratinger Veranstalter, sind es heute die Schülerläufe, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Das liegt insbesondere an zwei ausgeschriebenen Rahmenwettbewerben für die "laufstärkste Kita" und die "teilnehmerstärkste Schule", an der sich viele Bildungseinrichtungen zahlreich beteiligen. So kamen in drei unterschiedlichen Rennen je 180 bis 230 Kinder zusammen, die sich auf Strecken von 500m (Bambini - U8), 1,1 km (Schüler 1 - U10) und 2,1 km (Schüler 2 - U16 und jünger) machten.

Im Schülerleistungslauf liegen die schnellsten drei Jungs gleich vorne: links in grün Sieger Jonah van Thiel, Vizemeister Laurenz Nietz (orange) und Erik Diegel (grau, 3.) Die Medaillen blieben nicht lange im Regen hängen - jeder Finisher bekam eine
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Die drei Läufe für die Jüngsten werden ab 11 Uhr vor den Erwachsenenrennen im Takt von zwanzig Minuten angeschossen. Gibt es bei den Bambini keine Gesamtreihenfolge, so werden die drei schnellsten Jungen und Mädchen später in der Schule Philippstraße verdientermaßen geehrt. Gewonnen haben Yoshizawa Kento und Emma Brandt. Bei der mittleren Altersgruppe kamen Theo Reisinger von Hildener AT in 4:23min vor Robert Harz (Gebrüder Grimm Schule) in 4:29min und Marie Hensel (Grimm Schule) in 4:32min vor Carina Düren (Club Raffelberg) in 4:40min zu Urkunden, Medaillen und Preisen.

Schließlich wurde in den Altersklassen von U16 bis U12 mit viel Eifer der Wettstreit über gut zwei Kilometer ausgetragen. Die Nase vorn hatte Jonah van Thiel vom TV Ratingen in 8:07min vor Laurenz Nietz (o.V.) in 8:10min und Erik Diegel (DSC99) in 8:38min und Franka Wiechers von der LG Stadtwerke Hilden in 8:33min vor Anika Schepers (LT Stoppenberg) in 840min sowie Luise Reisinger (LG Stadtwerke Hilden) in 8:40min.

Fazit

Während die Siegerehrungen der schnellsten drei Männer und Frauen zeitnah auf dem Marktplatz stattfinden, werden die für die höheren Altersklassen in der 500 Meter entfernten Turnhalle zelebriert, wo es auch die Startunterlagen gibt sowie die Verköstigung. In der Woche eins einer eventuellen neuen Altersklasse harrten nicht wenige reifere Läuferinnen und Läufer dafür länger aus - oder eben für die noch anstehende Tombola, wo es zum Abschluss hübsche Preise für die Abgabe der Startnummer gab.

Der 41. Ratinger Neujahrslauf war eine rundherum gelungene Angelegenheit, die hoffentlich nicht irgendwann behördlichen Auflagen zum Opfer fällt.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse asc-ratingen.de/neujahrslauf

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