27.1.18 - 19. 50 km-Ultramarathon des RLT Rodgau

Zum Auftakt der Ultra-Laufsaison brilliert Benedikt Hoffmann mit neuem Streckenrekord

von Reinhold Daab

Über eintausend Voranmeldungen und 635 Teilnehmer über die gesamte 50km-Distanz im Ziel, das ist die beeindruckende Statistik der 19. Ultramarathon Veranstaltung in Rodgau-Dudenhofen. Damit wurde sogar das bislang beste Ergebnis aus dem Jahre 2016 mit 629 Teilnehmern im Ziel knapp übertroffen.Man kann also mit Fug und Recht sagen, Rodgau wird in der Ultra-Langlaufszene immer beliebter. Das hat seine Gründe und fängt bereits lange im Vorfeld bei einer vorbildlichen Athletenbetreuung mit Unterstützung bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten an. Am eigentlichen Tag der Veranstaltung wird vom ausrichtenden RLT Rodgau mit vielen Helferinnen und Helfern alles dafür getan, dass sich die Teilnehmer wohlfühlen und über viele Stunden bestens versorgt sind.

Radbegleiter bahnen dem schnellsten Läufer Benedikt Hoffmann und der schnellsten Läuferin Susanne Gölz den Weg
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In den Anfangsjahren haben befreundete Top-Athleten aus der Ukraine keine Kosten und Mühen gescheut, eine lange Anreise in Kauf genommen und den Ultra-Marathon durch ihre Teilnahme aufgewertet und geprägt. Unvergessen ist dabei der Streckenrekord von Evgenil Glyva aus dem Jahre 2012, der mit 3:02:31 Std. erstmals der 3-Stunden-Marke sehr nahe gekommen ist. Inzwischen geht die Entwicklung erfreulicherweise in eine andere Richtung, denn zuletzt haben deutsche Top-Läufer das Zepter in die Hand genommen. Zunächst war es Florian "Flo" Neuschwander, der 2014 als Erster mit 2:58:42 Std. eine Zeit unter drei Stunden erzielte. Schon zwei Jahre später wurde diese Marke von Benedikt Hoffmann unterboten, der 2016 den Streckenrekord auf 2:57:26 Std. schraubte.

Auch bei den Frauen war 2016 ein Rekordjahr, der Frankfurterin Tinka Uphoff blieb es vorbehalten, den Uraltrekord von Constanze Wagner aus dem Jahre 2004 von 3:37:28 Std. im zweiten Versuch um fast fünf Minuten auf sagenhafte 3:32:41 Std. zu verbessern. Eine Zeit, an der sich die Ultra-Läuferinnen künftig mit großer Sicherheit die Zähne ausbeißen werden.

Am persönlichen Verpflegungsstand war es gar nicht leicht, den Überblick zu behalten und "sein" Getränk zu finden Diese beiden "Alleinunterhalter" hatten bestimmt keine kalten Hände, alle vorbeilaufenden Teilnehmer wurden mit Applaus und Musik begrüßt Prächtige Stimmung auf der Laufstrecke bei Markus Kachel (links) und Endre Szabo

Nachdem der Streckenrekordhalter Benedikt Hoffmann seine Teilnahme für Samstag zugesagt hatte, wollte Orga-Chef Wolfgang Junker einen Coup landen. "Ich habe "Flo" Neuschwander angeschrieben und gefragt, ob er nicht starten wolle. Aber er musste absagen, weil er kommende Woche beim 100 km Lauf in Malibu startet und seine ganze Vorbereitung auf dieses Event ausgerichtet hat". Das wäre in der Tat eine wahnsinnig interessante Konstellation gewesen, die beiden besten deutschen Ultraläufer in einem Rennen. Aber was nicht ist, kann ja vielleicht beim 20-jährigen Jubiläum im nächsten Jahr klappen.

Als ich am Samstagvormittag am Freizeitgelände "Gänsbrüh" eintraf, waren fast alle Parkplätze belegt und die Veranstaltung bereits in vollem Gange. Es war nebelig und die Temperatur betrug 5 Grad. Nicht gerade ideale Bedingungen, aber zumindest trocken. Schon von weitem war die Stimme der Streckensprecherin zu hören, die aus einem neben dem Ziel stehenden Transporter die mehr oder minder schnell vorbeieilenden Teilnehmer persönlich begrüßte. Sie kannte fast jeden und wusste über die meisten etwas Interessantes zu berichten. Etwa, dass es sich um Teilnehmer am Deutschland-Lauf handelte oder, wie bei Jochen Höschele, um den Einzigen, der alle 19 Ultraläufe in Rodgau absolviert hat, am Samstag in 5:06:52 Stunden.

Alex Kiesow verlangte seinen nackten Füßen einiges ab. In 6:15 Stunden legte er 50 km barfuß zurück. Respekt Nebel begleitete die Teilnehmer auf dem 5 km Rundkurs, die Sonne ließ sich den ganzen Tag über nicht blicken

Als die letzten Läuferinnen und Läufer etwa eine halbe Stunde nach dem Start um 10 Uhr gerade ihre erste von zehn 5-km-Runden beendet hatten, preschte auch schon der Führende auf dem Weg in seine dritte Runde an mir vorbei. Es war natürlich Benedikt Hoffmann mit der Startnummer 1 auf dem roten Trikot der TSG Heilbronn. "Rodgau dient als Formtest, mehr nicht", hatte er im Vorfeld gesagt und angefügt: "Wenn es möglich ist, will ich Streckenrekord laufen." Dieses Vorhaben ging er tatsächlich mit exakten Rundenzeiten zwischen 17:30 min. und 17:40 min. an. Keiner der Konkurrenten, darunter Vorjahressieger Frank Merrbach und Vorjahresdritter Bernhard Eggenschwiler, war in der Lage, dieses Höllentempo mitzugehen und sie taten auch gut daran, vorsichtig zu sein und nicht zu überpacen.

Hoffmann spulte die Runden wie ein Schweizer Uhrwerk ab und lag klar auf Streckenrekordkurs. Wenn er keinen Einbruch erleiden würde, was man bei einem Ultramarathon aber nie ausschließen kann, würde er tatsächlich neue Bestzeit laufen. Im Ziel bereitete man sich langsam auf die Zielankunft vor, das Zielbanner wurde bereit gelegt und Wolfgang Junker nahm das Mikrofon in die Hand. Die Zieluhr lief unerbittlich, 2:55 Std. waren inzwischen vergangen und das Führungsfahrrad war noch nicht zu sehen. Dann überschlug sich Junkers Stimme fast "Ich sehe ihn" und wenige Augenblicke später war Benedikt Hoffmann im Ziel, wo er erst mal ein Freudentänzchen aufführte.

Benedikt Hoffmann gewinnt den 19. Ultramarathon in neuer Streckenrekordzeit Sofort nach dem Zieleinlauf steht der Sieger Orga-Chef Wolfgang Junker für ein erstes kurzes Interview zur Verfügung Noch schnell ein kurzes Dankeschön an den Radbegleiter und dann ist die Überraschung des Tages, Susanne Gölz, als Frauensiegerin im Ziel

Dazu hatte er auch allen Grund, denn in sagenhaften 2:56:18 Std. (1. MHK) unterbot er seine eigene Bestzeit aus 2016 um über eine Minute und stellte einen sagenhaften neuen Streckenrekord auf."Ich bin genau die Rundenzeiten gelaufen, die ich mir vorgenommen hatte. Gegen Ende wurde es jedoch etwas schwieriger, weil die Strecke an einigen Stellen ziemlich tief war", erzählte der Sieger kurz nach seinem famosen Rennen. "Wir haben etwa 3 Tonnen Split verteilt, besser konnten wir die Strecke nach den Regenfällen der letzten Tage nicht präparieren", ergänzte Orga-Chef Junker. Auf dem Nachhauseweg erzählte mir Benedikt später noch, dass er in diesem Jahr zwei große Ziele anpeilt, zunächst die Deutschen Halbmarathon-Meisterschaften in Hannover und anschließend die Deutsche Meisterschaft beim Marathon in Düsseldorf, wo er endlich einmal unter 2:20 Std. laufen will.

Vorjahressieger Frank Merrbach wird Zweiter Dritter wird Janosch Kowalczyk Der Schweizer Bernhard Eggenschwiler freut sich über Platz 4 Matthias Wagner wird Siebter und gewinnt die M40 Der Mann mit dem Hut, Thomas Kröll, wird Achter und M50-Sieger

Obwohl Frank Merrbach (LG Nord Berlin Ultra Team) fast drei Minuten schneller war, als bei seinem Vorjahressieg, betrug sein Rückstand auf den Sieger fast zehn Minuten. Nach 3:05:38 Std. war er als Zweiter und M35-Sieger im Ziel. Der dritte Platz ging in 3:06:24 Std. an Janosch Kowalczyk vom SKV Eglosheim (2. MHK). Hinter den drei schnellsten Läufern klaffte eine riesengroße Lücke, erst eine Viertelstunde nach ihnen war der Schweizer Bernhard Eggenschwiler als Vierter im Ziel (3:21:11 Std., 3. MHK, www.mega-joule.ch). Den fünften Platz belegte Michael Chalupsky von der TSG 78 Heidelberg in 3:24:36 min. (2. M35).

Unter den Teilnehmern befand sich auch ein sehr prominenter Ultra-Läufer. Florian Reus, 24h-Lauf-Weltmeister von 2015 und 4-maliger Deutscher Meister im 24h-Lauf wollte einen langen Trainingslauf absolvieren und das fiel ihm unter vielen Gleichgesinnten wesentlich leichter. Mit Ulrich Amborn hatte er schnell einen geeigneten Mitläufer gefunden und fortan spulten die Beiden die zehn Runden knapp unter vier Stunden nebeneinander ab. Nach 3:55 Std. erreichten sie gemeinsam das Ziel, Uli einmal mehr als M60-Sieger und Florian als 7. der MHK. Florian Reus peilt in diesem Jahr Starts bei den 24 Stundenlauf Europameisterschaften in Rumänien und beim Spartathlon an und will dabei an seine bislang erfolgreichste Saison als "Welt-Ultraläufer 2015" anknüpfen.

Platz zwei bei den Frauen geht an W45-Siegerin Britta Giesen Lisa Mehl wird Dritte und gewinnt die WHK Isabell Rabe freut sich über Platz vier (2. WHK) Bärbel Fischer vom Ausrichter des Ultramarathons RLT Rodgau gewinnt die W50

Auch das Frauenfeld war stark besetzt. Mit Sabine Schmitt war die Vorjahressiegerin am Start, ebenso die Vorjahresdritte- und vierte Natascha Bischoff und Katrin Herbrik. Das versprach ein interessantes Rennen. Doch nach wenigen Runden lag eine andere Läuferin in Führung, die niemand auf der Rechnung hatte und die auf Nachfrage auch niemand kannte. Es war Susanne Gölz vom LC Breisgau, welche die Konkurrenz und Zuschauer gleichermaßen ins Erstaunen versetzte. Zunächst dachte man noch, dass sie vielleicht eine schnelle Trainingseinheit absolvieren und irgendwann aussteigen würde. Doch weit gefehlt. Anfangs mit Split-Zeiten unter 22 Minuten, später sogar unter 21 Minuten, reihte sie sich unter die Top 20 der Männer ein und baute ihren Vorsprung auf ihre Konkurrentinnen kontinuierlich aus. Zu diesen zählte Sabine Schmitt bald nicht mehr, sie beendete das Rennen vorzeitig. Als unmittelbare Verfolgerinnen kristallisierten sich dann Britta Giesen und Lisa Mehl heraus, jedoch mit immer größerem Rückstand.

3:54 Std. zeigt die Uhr von Nina Mutschke, die auf Rang fünf läuft (3. WHK) Zufrieden mit dem sechsten Platz ist Katrin Herbrik (2. W35) Groß ist die Freude von Anke Libuda, sie wird Siebte und bleibt unter vier Stunden

In den letzten drei Runden ließen auch bei Susanne Gölz die Kräfte etwas nach und ihre Rundenzeiten wurden deutlich langsamer. Ihr riesengroßer Vorsprung schmolz aber nur minimal und so gewann sie den Ultramarathon in der tollen Zeit von 3:40:31 Std. als Erste der W35. Damit verpasste sie es nur denkbar knapp um gerade einmal eine halbe Minute, als dritte Frau nach Constanze Wagner und Tinka Uphoff, eine Zeit unter 3:40 Std. zu erzielen. Kurz nach dem Zieleinlauf erzählte mir die glückliche Siegerin: "Ich bin eigentlich Marathonläuferin mit einer Bestzeit von 2:50 Stunden. Im Herbst vergangenen Jahres habe ich an meinem ersten Ultramarathon auf einer ziemlich hügeligen Strecke teilgenommen und wollte deshalb sehen, was ich auf dem flachen Kurs von Rodgau laufen kann." Ziemlich schnell, wie sie in beeindruckender Manier bewiesen hat. Kein Wunder, dass Wolfgang Junker voll des Lobes über die "Überraschung des Tages" war und sie sehr gerne im nächsten Jahr in Rodgau wiedersehen würde.

Die beiden haben sich unterwegs gesucht und gefunden, der 24h-Lauf-Weltmeister von 2015 Florian Reus (rechts) absolviert einen langen Trainingslauf und Ulrich Amborn gewinnt die M60 Werner Mootz war einer der ältesten Teilnehmer (3. M75) Auch nach 50 km wird noch um die Plätze gesprintet, Steffen Andres (links, 8. M35) und Ludwig Schraud (6. M45) geben alles auf den letzten Metern
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Britta Giesen verteidigte den zweiten Platz in 3:50:31 Std. (1. W45, Laufwerk Hamburg e.V.) knapp vor Lisa Mehl, die nur mit einer guten Minute Rückstand als Erste der WHK in 3:51:42 Std. (WILLPOWER) Dritte wurde. Als Vierte war Isabell Rabe nach 3:53:49 Std. (2. WHK, #twitterlauf) im Ziel. Nina Mutschke vom LC Olympia Wiesbaden wurde Vierte (3:54:35 Std., 3 WKH) und Rang fünf ging an Katrin Herbrik vom TV Hergershausen (3:55:52 Std., 2. W35).

Man muss sich das einmal vorstellen. Als ich gegen 14:30 Uhr längst wieder zu Hause war und meine kalten Füße aufwärmen konnte, befand sich nahezu die Hälfte der Teilnehmer immer noch auf der Laufstrecke und ein Ende war noch lange nicht in Sicht. Erst kurz nach halb fünf Uhr nachmittags und nach einer Laufzeit von 6:40 Stunden waren auch die letzten Teilnehmer am 50km-Ultramarathon endlich im Ziel. Ja, die Ultraläufer sind schon ein ganz besonderes Völkchen und ihre Leistung kann man gar nicht hoch genug bewerten. Im nächsten Jahr zum 20-jährigen Jubiläum werden sie alle wieder nach Rodgau kommen und wer weiß, vielleicht wird es ja wieder ein Rekordjahr.

Bericht und Fotos von Reinhold Daab
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