22.1.17 - 5. Welver Crosslauf

Optimale Bedingungen beim Minijubiläum

Aloys Buschkühl und Kirsten Rellermeyer vorne

Leicht abgespecktes Programm

von Michael Schardt

Neue Crossläufe müssen nicht zwangsläufig zum Scheitern verurteilt sein, auch wenn andernorts etablierte Querfeldeinrennen über mangelnde Resonanz klagen und öfters aufgeben werden müssen. Das zeigt das Beispiel des noch recht jungen Crosslaufs in Welver, der vom Turnverein Flerke Welver 1928 unter Federführung von Helmut Klauke organisiert wird. Bei der ersten Auflage im Jahr 2013 kamen gut 130 Läufer ins Ziel, bei der zweiten Austragung wurde dann der bisherige Rekordwert von 237 Finishern gezählt. Danach pendelte sich der Lauf auf stabile Werte von 170 bis 180 Teilnehmer ein - so auch beim Minijubiläum 2017, der fünften Edition. Und dies, obwohl man das Streckenangebot durch die Eliminierung eines Kinderlaufs leicht reduziert und die beiden Erwachsenenrennen zusammengelegt hatte, was Doppelstarts nun nicht mehr zuließ.

Abwechslungsreich durch den Welver Crosslauf-Parcours: Hügel besteigen beim Lang- und Mittelstreckenrennen Tanz durch Autoreifen beim Schülerlauf
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Läufermeinung wird ausgewertet

Der Kinderlauf über 950 Meter war zuletzt nicht so gut angenommen worden wie gewünscht, hieß es aus Veranstalterkreisen, weshalb dieser ersatzlos gestrichen worden sei. Verblieben ist für die jüngeren Läufer der Wettbewerb über 1550 Meter, an dem sich auch die U10-Schüler beteiligen können, schließlich sind es nur 600 Meter mehr, die zu bewältigen sind. Die Zusammenlegung der beiden Erwachsenenläufe über 2350 Meter (eine Runde) und über 7050 Meter (drei Runden) wurde von den Organisatoren damit begründet, den freien Sonntag nicht länger als nötig bis in den Nachmittag hinein zu belegen.

Wenn die Veranstaltung frühzeitig beendet sei, stünde einem ausgedehnten Spaziergang der Familie nichts mehr im Wege, hieß es. Man sehe die Zusammenlegung aber keinesfalls als unverrückbare Tatsache an. Man sei auf die Meinungen der Teilnehmer gespannt, so Helmut Klauke in seiner Moderation, ob sich beispielsweise zu viele Läufer auf der Strecke befunden hätten, oder ob andere gerne zweimal an den Start gegangen wären, wie es bei den ersten Austragungen geschehen war. Dann wäre eine Rückkehr zum alten Modus durchaus denkbar.

Logistikzentrum des Laufs ist die Bördehalle in Welver Bürgermeister Uwe Schumacher (links) begrüßt die Läufer und Zuschauer. Daneben Orgachef Helmut Klauke

Bei der fünften Durchführung gab es entsprechend nur noch zwei Starts mit drei Wertungen. Um elf Uhr machten sich die Schüler U14 und jünger auf die gut anderthalb Kilometer lange Pendelstrecke; eine Stunde später gab es den gemeinsamen Start der Erwachsenen, wobei die Kurzstreckler nach einer Runde gleich ins Ziel liefen, während die Langstreckler den anspruchsvollen Hindernisparcours noch zwei weitere Male in Angriff nahmen.

Schülerlauf

Über 1550 Meter hatte die vierzehnjährige Pia Vogt von der LG Olympia Dortmund schon drei Mal gewonnen, 2014, 2015 und auch 2016, womit sie Titelverteidigerin war. Jedoch war ihr die Schülerstrecke inzwischen zu kurz geworden, weshalb sie sich für die Distanz über eine volle Runde entschieden hatte. Bei den Schülern war nach einem schwach besetzten Feld 2016 mit nur zehn Teilnehmern ein deutlicher Zuwachs mit 26 Finishern zu verzeichnen. Die Schüler laufen 800 Meter auf der Erwachsenenrunde, kehren dann an der Wendemarke um und nehmen die Hindernisse und Hügel ein zweites Mal in Angriff. Dazu gehören zu Beginn eine Schikane aus Autoreifen, dann ein steiler Minianstieg und ein unmittelbar folgender Wassergraben, der allerdings diesmal flach und das Wasser einbruchssicher vereist war. Da man keinen Anlauf nehmen kann, um ihn zu überspringen und weil man den vorherigen Hügel zuweilen mehr hinabrutscht als läuft, umkreisen ihn die Schüler mehrheitlich lieber doch, auch wenn es etwas Zeit kostet. Weitere Hügelchen folgen, nachdem man einen knüppelhart gefrorenen Acker, der viele Stolperfallen bietet, durchpflügt hat. Ein paar flache und leichte Meter vor dem Wendepunkt gibt es zwar auch, aber Gelegenheit zum Ausruhen besteht nicht.

Start des Schülerlaufs über 1550 Meter Ben Rittscher gewinnt bei den Jungs Lea Jäger bei den Mädchen

Als erster Junge tauchte Ben Rittscher von Rot-Weiß Unna aus dem Wald und wenig später im Zielbereich vor der Bördehalle auf. Er siegte in 6:58min, der schnellsten je erreichten Zeit. Von einer Streckenbestzeit kann man aber hier wie auch in den übrigen Läufen nicht sprechen, da bei gleicher Streckenführung die Art der Hindernisse jährlich ständig wechselt. Zweiter wurde Lars Franken von der DJK Werl (7:19min) vor Joel Radin von der LG Warstein-Rüthen in 8:10min. Die Reihenfolge der Mädchen lautet: Lea Jäger (LG Warstein Rüthen, 8:34min) vor Vereinskameradin Lara Schrewe (9:00min) und vom Veranstalterverein Hannah Morris (TV Flerke, 9:10min).

Ideale Bedingungen

Beim Minijubiläum des Welvercrosslaufs hätten die Wetterbedingungen nicht besser sein können. Aus einem wolkenlos blauen Himmel strahlte die Sonne für die Jahreszeit dergestalt intensiv herab, dass man sich in ihr an geschützten Stellen sogar wärmen konnte. Die Luft war bei etwa vier Grad klar, trocken und ohne merkliche Bewegung. Das schöne Wetter hatte auch dazu geführt, dass sich noch recht viele Läufer am Nachmeldeschalter meldeten, zumal die Onlineanmeldung 48 Stunden vor dem Lauf aus technischen Gründen ausgefallen war.

Gemeinsamer Start der Lang- und Mittelstreckler

Knapp 150 Läufer standen exakt um zwölf Uhr an der breit gezogenen Startlinie auf dem Bördesportplatz, zwei Drittel davon hatten sich den Hauptlauf, der Rest die Kurzstrecke vorgenommen. Am ersten Hügel, etwa hundert Meter nach dem Start, gab es den ersten Stau und für viele zunächst kein flüssiges Weiterkommen. Auf den anschließenden Siglepfaden war es ebenfalls etwas eng und (fast) nur ein Hintereinanderlaufen möglich. Nach der Hälfte der ersten Runde entspannte sich die Situation jedoch, erst recht, als die Kurzstreckler im Ziel waren. Die oben erwähnte Pia Vogt von der LGO Dortmund, die erstmals die 2,3 km in Angriff nahm, hatte bei den Frauen keinerlei ernstzunehmende Konkurrenz, und selbst bei den Männern war nur einer, der Sieger Nicolas Vogt vom LC Rapid Dortmund, schneller. Damit trat Pia in die Fußstapfen ihrer schnellen Mama Sonja Vogt, die diesmal nicht am Start war, aber über die gleiche Distanz 2015 gewonnen hatte und auch schon den Hauptlauf 2014 als Siegerin beendet hatte.

Der moderate Anfang verläuft über den Sportplatz Am ersten Hügel herrscht mächtiges Gedränge. Als es dann abwärts geht, meint ein unbeteiligter Scherzbold unter den Zuschauern: "Dann guten Rutsch auch"

Pia, schon in der Vorwoche beim Oelder Crosslauf erfolgreich, siegte mit knapp vier Minuten Vorsprung in 10:09min vor Nicole Breuing (LA Hamm) in 13:50min und Luisa Bornemann vom MG Runningteam in 13:59min. Nicolas Vogt war seinerseits bei den Männern nicht zu gefährden und blieb in 8:46min als einziger im einstelligen Minutenbereich. Stephan Baum vom LV Oelde wurde in 10:46min zweiter vor Wolfgang Johnsen aus Soest in 11:15min.

Neue Gesichter dominieren Hauptlauf

Je zwei Mal haben Regina Tank aus Dortmund und André Kraus von der LAC Veltins Hochsauerland den Hauptlauf in Welver gewonnen. Während Kraus diesmal dem Lauf fern blieb und seinen Titel nicht verteidigen konnte, war Tank erneut am Start und, wie sich herausstellen sollte, nicht chancenlos. Die W55erin lag immer in Sichtweite der führenden Kirsten Rellermeyer (ohne Verein, W40), konnte ihr aber am Schluss nichts mehr entgegensetzen. So siegte Rellermeyer in 35:10 Minuten und verwies Tank um elf Sekunden auf den Silberrang. Tank erreichte nach 35:30min das Ziel. Als dritte schaffte es die vereinslose Marion Fladda (W30) aufs Podium. Ihr Zeit 36:21min.

Knüppelhart gefroren ist der Weg über dieses vereiste Ackerfeld und ... ... den anschließenden Singlepfad

Bei den Männern wurde die Frage nach dem Sieg eine eindeutige Angelegenheit für Aloys Buschkühl (M40) von der stark vertretenen LG Warstein-Rüthen. Er lief einen sicheren Start-Ziel-Sieg heraus und distanzierte Otmar Henning (ohne Verein, M30) und Ralf Klauke (M35, LC Rapid Dortmund), den Sieger des Jahres 2015, deutlich. Buschkühl finishte das Rennen nach 27:09min mit gut siebzig Sekunden Vorsprung.

Henning und Klauke waren zeitweise Seite an Seite gelaufen, wobei sie ab der zweiten Runde wegen den zahlreichen Überrundungen auf den engen Wegen Mühe hatten, in der Spur zu bleiben. Der eine versuchte zwischen den langsamen Läufer und den Baumreihen durchzukommen, der andere war zur anderen Seite aufs Feld ausgewichen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Schließlich wurde Henning in 28:20min zweiter vor Klauke, der zehn Sekunden länger (28:30min) brauchte.

Drüber 'nübber, oder unten "drunner? Diese Frage stellt sich für die beiden Läuferinnen an der "Limbostange" nicht Links ins Ziel, rechts in die nächste Runde

Sowohl Buschkühl als auch Rellermeyer standen erstmals ganz oben auf dem Treppchen.

Fazit

Der TV Flerke mit dem begeisterungsfähigen Orgachef Helmut Klauke ist ein erfahrener Ausrichter von Laufveranstaltungen. Er organisiert neben dem Crosslauf noch den Buchenwaldlauf und einen kleinen Dorfmarathon. Das kommt auch dem tadellos durchgeführten Crosslauf zugute. Mit der Bördehalle und den angeschlossenen Einrichtungen verfügt man über eine gute Administration und mit der abwechslungsreichen und anspruchsvollen Strecke über ein ideales Crossrevier, das in früheren Auflagen auch schon mal zu einer Schlammwüste geriet, wie sich Teilnehmer der Jahre 2015 und 2016 gut erinnern konnten.

Sieger über eine Runde (2350m): Nicolas Vogt (rechts) vor Stephan Baum Drei Mal schon hat sie den Schülerlauf gewonnen. Diesmal siegte sie auf der Mittelstrecke: Pia Vogt (mitte). Nicole Breuing (links) wird 2. vor Luisa Bornemann (3.)
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Positiv aufgenommen wurde bei der jetzigen Veranstaltung, dass die Organisatoren sich entschlossen hatten, erstmals auch die einzelnen Altersklassen zu ehren. Jetzt darf man noch gespannt sein, ob das Programm in Zukunft so bleibt oder die Läufer sich doch mehrheitlich für die Möglichkeit eines Doppelstarts ausgesprochen haben. Vielstarter und Ultraläufer Christoph Marquardt, der in 30:11min Platz vier eroberte, dürfte sicher für das frühere Format gestimmt haben, dem überwiegenden Anteil der Akteure dürfte es aber egal sein, da sie ohnehin keine zwei Starts planen.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse welvercrosslauf.de

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