27.1. - 29.1.17 - 11. Senftenberg Hallenmarathon

Erstmals 100-km-Ultra im Angebot

Fast alle Rennen ausgebucht

Mammutprogramm macht dritten Wettkampftag nötig

von Michael Schardt

Schon zum elften Mal hatte die Agentur Lausitzer Sportevents am letzten Januarwochenende zum lange singulären Hallenmarathon nach Senftenberg eingeladen. Den Status, der einzige Hallenmarathon in Deutschland zu sein, der auf einer Rundbahn in einer Leichtathletikhalle ausgetragen wird, hat die Veranstaltung im brandenburgischen Senftenberg zwar im letzten Jahr verloren, denn im baden-württembergischen Pfohren war 2016 ein neuer Indoormarathonlauf begründet worden, doch das Event ist nach wie vor und sicher für noch lange Zeit das Flaggschiff aller Langstreckenwettbewerbe unter einem deutschen Hallendach. Damit nicht genug: Zur Veranstaltung gehört nun auch ein weiterer Ultralauf über 100 Kilometer, der auf Wunsch zahlreicher Teilnehmer erstmals ins Programm genommen wurde und gut besucht war. Einen ersten Ultra über 50 Kilometer hatte man schon seit 2010 im Programm gehabt, sowie neben dem Abendmarathon einen zusätzlichen Morgenmarathon. Alles in allem ist Senftenberg damit so etwas wie das Mekka der deutschen Langlaufszene in geschlossenen Räumen.

Aber auch für Kurz- und Mittelstreckler ist der Angebotstisch reichhaltig gedeckt. Drei Läufe über 1000m gehören dazu, Rennen über 3000m, 5000m, 10.000m oder Halbmarathon ebenso. Hinzu kommt ein Bambinilauf, ein Walkingwettbewerb (3000m) und ein Paarlauf über zehn Kilometer. Insgesamt umfasst das Mammutprogramm fünfzehn Wettbewerbe für Läufer und Geher sowie ein an allen drei Wettkampftagen angebotenes Rad-Einzelzeitfahren über zehn Minuten auf der Hometrainerrolle, das in der Hallenmitte auf zwei Stellplätzen durchgeführt wird, während ringsum die Läufer ihre Runden drehen. An zwei Tagen wie bisher ist so eine große Anzahl von Wettbewerben nicht mehr durchzuführen, weshalb der Freitag als Wettkampftag hinzugenommen wurde, der ausschließlich für die 100-km-Läufer vorbehalten ist.

 

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Während diese ab elf Uhr morgens ihre Runden drehen, wird der schon in der Nacht begonnene Aufbau der gesamten Logistik (Beschallung, Beleuchtung, Elektronik, Messsysteme) weiter vorangetrieben. Eine vom Aufwand her enorme Anstrengung.

Einst, in den Fünfzigern, war die Niederlausitzhalle in Senftenberg die größte freitragende Sporthalle Europas und Stätte vieler DDR-Meisterschaften und Leichtathletikrekorde, die zum Teil noch gültig sind. Heute wird sie von ortsansässigen Sportvereinen privat bewirtschaftet und steht unter Denkmalschutz. Auch Konzerte und Messen werden hier veranstaltet
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Rekorde und Anerkennung

Im Laufe seines nun bereits elfjährigen Bestehens hat sich der Senftenberger Hallenmarathon von einem Geheimtipp zu einer festen Größte im frühen Wettkampfjahr entwickelt. In fast allen Wettbewerben wurde die Obergrenze von sechzig Teilnehmern schon vor dem Termin erreicht und teils sogar überschritten. Für den neu ausgeschriebenen Hunderter hatte man zur Auflage gemacht, dass sich mindestens dreißig Läufer anmelden müssten, damit er stattfinde. Am Ende waren es sogar vierzig, womit er nicht nur für diesmal gesichert war, sondern auch im nächsten Jahr wieder angeboten wird, wie unmittelbar nach dem Zieleinlauf die veranstaltende Agentur Lausitzer Sportevents mitteilte. Mit rund 800 Anmeldungen und etwa 600 Finishern durfte man hoch zufrieden sein.

Mit der Niederlausitzhalle verfügt das 25.000 Einwohner zählende Senftenberg über die größte Sporthalle Brandenburgs. Als das heute unter Denkmalschutz stehende Gebäude Ende der Fünfziger eingeweiht wurde, war es die größte freistehende Halle Europas. Sie war zu DDR-Zeiten eine hoch frequentierte Sportstätte, wo insbesondere in der Leichtathletik zahlreiche nationale und internationale Rekorde aufgestellt wurden. Einer davon, der Kugelstoßeuroparekord von Ulf Timmermann, steht noch heute. Nach der Wende wurden keine dort aufgestellten Laufrekorde mehr vom DLV anerkannt, weil die Halle eine 250-Meter-Bahn hat mit besonders langen Geraden und engen, hohen Kurven. Laut Reglement gelten aber nur solche Bestleistungen, die auf 200-Meter-Bahnen erzielt werden, egal wie sie geschnitten sind. Damit verlor die Halle für Laufbewerbe sehr an Bedeutung.

Bis zu sechzig Teilnehmer werden pro Wettbewerb zugelassen. Die Halle verfügt über eine Laufbahn von 250 Metern mit besonders langen Geraden und ... ... engen, hohen Kurven. 1200 Zuschauer kann die Halle aufnehmen

Eldorado für Marathonsammler

Mit solchen Bedenken schlägt sich die Deutsche Ultra-Marathonvereinigung (DUV) bei ihren Rekordlisten nicht herum. Wer in Senftenberg eine Bestleistung über eine Strecke von mehr als Marathon erzielt, wird in die nationale Bestenliste für Hallenbestzeiten eingetragen und auch in den inoffiziellen Weltrankings geführt.

Kein Wunder also, dass einige Betreuer der Ultraläufer während des Hunderters aufgeregt durch die Halle marschierten und den Akteuren zuriefen, ob sie noch Chancen auf einen neuen Bestwert hätten. Und das war recht häufig der Fall, denn 100-km-Läufe unter dem Hallendach fanden bisher nun einmal äußerst selten statt.

 

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Der Senftenberger Hallenmarathon zieht aber nicht nur Bestzeitenjäger jenseits der 42 Kilometer an, sondern spätestens seit der aktuellen Austragung auch die Marathonsammler, denn man kann innerhalb von gut 48 Stunden gleich dreimal die Königsdistanz absolvieren: freitags beim Hunderter, samstags beim Abendmarathon, der allerdings eine Zeitobergrenze von fünf Stunden hat, und sonntags beim parallel ausgetragenen Fünfziger und Morgenmarathon. Einige der Teilnehmer wagten sich auch tatsächlich ans Tripple, andere zumindest ans Double. Zu den "Dreifachtätern" gehörte beispielsweise Cornelia Rohwedder aus Berlin, die allerdings den Hunderter abbrechen musste, oder der Österreicher Dietmar Korntner, der ganz nebenbei auch noch alle "Kurzstrecken" absolvierte und insgesamt elfmal im Einsatz war (zusammen 240 km).

Um viele Medaillen, Pokale und Minirennschuhe in Gold, Silber und Bronze wurde in 15 Wettbewerben gekämpft. Auch ein Walkingwettbewerb gehörte dazu sowie ein Rad-Zeitfahren auf einer Hometrainerrolle über 10 Minuten Start des stark besetzten Rennens über 10.000 Meter

Perle der Niederlausitz

Wer aber nicht drei Tage am Stück in der Halle verbringen wollte, für den lassen sich in Senftenberg leicht gute Gründe finden, einmal abseits des sportlichen Geschehens zu wandeln, zumal das Laufwochenende das schönste Winterwetter hervorgezaubert hatte. Da ist zuerst der Besuch der Senftenberger Seenplatte zu empfehlen, die größte künstlich entstandene, zusammenhängende Seelandschaft Europas, die ihre Entstehung dem Kohlebergbau zu verdanken hat. Im Sommer sind Kanufahrten oder Radtouren zu empfehlen, im Winter ein ausgedehnter Spaziergang.

Ein Muss für Kulturfreaks ist zudem das Theater der Stadt, das schon zu DDR-Zeiten als Sprungbrett für junge Schauspieler galt. Etwa war hier in frühen Jahren auch Armin Müller-Stahl engagiert. Das Stadttheater genießt einen besseren Ruf als das Staatstheater in Cottbus und wurde 2005 zum deutschen Theater des Jahres gewählt. Beliebt bei Touristen sind auch das Amphitheater und das Schloss inklusive des Schlossparks und des Schlossmuseums. Des Weiteren ist in Senftenberg ein Museumsdorf beheimatet und kann eine Wehranlage mit Renaissancefestung besichtigt werden. Senftenberg ist auch Sitz einer kleinen, aber renommierten technischen Universität, an der Studenten aus dem In- und Ausland Ingenieurwissenschaften und andere naturwissenschaftliche Fächer studieren können. Diese liegt etwas außerhalb vom Zentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zur Niederlausitzhalle.

Wenn die Sonne durch die breite Glasfront in die Halle scheint, eröffnen sich hübsche Lichtspiele. Nur wer genau hinschaut, kann Läufer entdecken Der Bambinilauf über eine Hallenrunde (250m) steht samstags als erstes auf dem Programm. Rechts steht Sprecher Gerhard Adolph, genannt Adi, ein früherer, erfolgreicher DDR-Geher, Schauspieler und Fernsehmoderator, der in seinen Sendungen besonders Kinder zum sportlichen Tun bewegen wollte

100km: Benjamin Brade läuft deutsche Bestzeit

Am ersten Wettkampftag steht nur ein Rennen, der 100-km-Ultralauf, auf dem Programm. Der Start erfolgt um elf Uhr morgens - die Akteure haben dreizehn Stunden Zeit, bis Mitternacht also. Von vierzig angemeldeten Teilnehmern traten dreißig Läufer an, darunter drei Frauen. Ins Ziel sollten es schließlich zweiundzwanzig schaffen, davon einer mit leichter Zeitüberschreitung.

Am eiligsten hatte es von Anfang an der schlaksige Mittdreißiger Benjamin Brade von der LG Kleiner Eisbär Berlin. Er passierte die Marathonmarke bei etwa 3:10h, was die zweitschnellste Marathonzeit des Wochenendes bleiben sollte. Bei Halbzeit standen Brade exakt 3:45h zu Buche, was auf eine Endzeit von 7.30h hindeutete. Das allerdings war für den M35er letztlich nicht zu schaffen, denn die vielen Überrundungen während der vierhundert Drehungen, das ungezählte Ausweichen auf die Außenbahnen, in die Kurven etc. kosteten zu viel Kraft, als dass er das angeschlagene Tempo hätte halten können.

 

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Im Gegensatz zu dem Berliner Uwe Laenger, der schnell angegangen war, lange auf Platz zwei lag, zum Schluss - partiell nur noch gehend - auf Position vier zurückfiel, gelang Brade ein kontinuierlicher Lauf mit starkem Finish und der schnellsten Runde am Schluss.

Neu im Programm ist der 100-km-Ultralauf. Der erste Sieger heißt Benjamin Brade aus Berlin, der in 7:56h neue deutsche Hallenbestzeit über diese Distanz lief Jens Vieler wird für TorTourdeRuhr 2. Einzige Finisherin über 100 km und damit Siegerin: Ricarda Bethke verpasste die 10-h-Marke nur um wenige Sekunden Der Österreicher Dietmar Korntner läuft auf Rang 3 und steht damit ebenfalls an der Spitze des nationalen Rankings. Er nahm an allen elf möglichen Wettbewerben (1km bis 100km) teil und absolvierte rund 240 km innerhalb von 48 Stunden

Ihn, den "kleinen Eisbär", habe die laute Musik angetrieben, erklärte er später, besonders aber der Hit "Wir wollen die Eisbären sehen", den er sich insgeheim für die letzten Runden gewünscht habe und die dann - Zufall oder nicht - tatsächlich durchs Hallenrund schallte. Brade siegte in für die Bedingungen sehr guten 7:56:24h, was zum Eintrag auf Position eins in die deutsche Hallenbestenliste der DUV reichte. Hinter Brade erreichten Jens Vieler (M50), der Organisator des Ultralaufs an der Ruhr, in 8:17:22h und mit Landesrekord der Österreicher Dietmar Korntner (M40) vom SK Vöest in 8:42:52h das Treppchen.

Von den anfangs angetretenen drei Frauen mussten Cornelia Rohwedder aus Berlin und Christine Seidel aus Bayern nach fünfzig Kilometern aufgeben, so dass Ricarda Bethke die einzige Finisherin blieb. Bethke, W50erin vom WSG 81 Königswusterhausen, war lange auf einer Endzeit von unter 9:30h unterwegs, ließ aber ab km achtzig stark nach und finishte in guten 10:01:09h. Sie hatte vermutlich aus Unachtsamkeit die Marke von zehn Stunden aus den Augen verloren, denn ein einstelliger Stundenwert war auch noch zwanzig Minuten vor dem Finale möglich. Öfters war sie aber am Ziel stehen geblieben, um einen männlichen Kollegen zu herzen, dessen Zieleinlauf gerade erwartet wurde. Das hat in Summe einige Zeit gekostet. Ihre Endzeit ist - wie die einiger Männer - zumindest ein deutscher Altersklassenbestwert.

Verpflegung alle 250 Meter, beim 100-km-Lauf 400 Versorgungsstellen Rundenzeiten, noch zu laufende Runden und andere Informationen können die Läufer auf elektronischen Tafeln während der Rennen nachlesen

Kurzweil am Samstag

Während der Freitag und der Sonntag nahezu ausschließlich den Langstrecklern vorbehalten ist und das ewige Rundendrehen für "normale" Zuschauer vielleicht etwas langweilig sein könnte, geht am Samstag in der Niederlausitzhalle die Post ab. In flotter Taktung finden eine Vielzahl von rasanten Wettbewerben über Kurz- und Mittelstreckendistanzen statt, bei denen das Tempo deutlich höher liegt und die unterschiedlichen Renntaktiken und Rennverläufe gut zu beobachten sind. Ein besonderes Spektakel bietet sich dem Publikum vor allem beim Paarlauf, bei dem sich zwei Läufer (Männer, Frauen, Mix, Familie, AK-Team) 10.000 Meter teilen und immer abwechselnd je 1000 Meter, also vier Runden, absolvieren.

Läufe über 1000m gibt es drei. Hier der Start der Frauen und Mädchen Schnellste Frau über 1000m wurde Annika Holland vom SCC Berlin Patrick König aus Görlitz siegte bei den Männern

Der Samstag beginnt mit Starts für die jüngeren Teilnehmer. Da gibt es zunächst ein Bambinirennen über eine Runde, bevor ein Klassiker angeschossen wird, der Lauf über 10.000m.

Dieser ist in Senftenberg immer besonders stark besetzt, nicht nur von der Klasse, sondern auch Masse her. Bei den Frauen war die sechsfache Siegerin und aktuelle Streckenrekordhalterin Franziska Kranisch (W30) vom LSV Niesky am Start. Sie setzte sich gleich in Führung, wurde nach 3km aber von der 27jährigen Almut Dreßler (Die Laufpartner) aus Berlin gestellt. Das Duo blieb ungefähr bis km 7 zusammen, bis es Dreßler zu bunt wurde und sie sich absetzte.

 
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Dreßler gewann in neuer Streckenbestzeit von 40:49min (Verbesserung um 67sek.) vor der Titelverteidigerin (42:35min). Sie könne schon deutlich unter vierzig Minuten laufen, sagte Dreßler nach dem Rennen, sie habe aber in der Mitte die Zeit etwas verbummelt, als sie neben Kranisch blieb. Dritte wurde Sandra Marx (W20, Turbine Zittau, 49:03min).

Starker Auftritt von Ultraläufer Martin Ahlburg, der trotz der ungezählten Überrundungen und Ausweichmanövern in 33:29min eine neue persönliche Bestzeit über 10km aufstellte und klar siegte Almut Dreßler (in blau) löste über 10km die vielfache Titelträgerin Franziska Kranisch (rechts) ab und entriss ihr auch den Streckenrekord

Bei den Männern setzte Dreßlers Freund und Laufpartner Martin Ahlburg (M20) die Akzente und erreichte in 33:29min eine neue persönliche Bestzeit. Er komme eigentlich vom Ultralaufbereich und starte über 10 km nur sehr selten, sagte der sympathische Berliner. Er könne sicher wohl noch schneller, wenn er gezielter auf kürzere Distanzen trainieren würde und die Bedingungen einfacher seien. Zweiter wurde Carsten Voigt (M45, Burgstädter LV, 37:39min) vor Stephan Gerber (M40, TSV 92 Freiberg, 37:53min). Der Streckenrekord hält seit 2008 der Berliner Lennart Sponar mit 31:11min.

Doppelstarter

Nicht nur Marathonis sieht man in Senftenberg als Doppelstarter agieren, auch die Mittelstreckler fühlen sich zu "Mehrfachem" berufen. So sah man bei Männern und Frauen einige Läufer über einen und drei Kilometer starten. Kein Zufall also, dass es bei beiden Geschlechtern zwei Doppelsieger zu feiern gab.

Bei den Frauen wurde diese Ehre Annika Holland (W35) vom SCC Berlin zuteil. Zunächst setzte sich die aparte Blondine über 1000m in 3:16min gegen starke Konkurrenz durch, später lief sie über 3km anfangs der starken Jugendlichen Pauline Fiedler (U16, Europamarathonverein Görlitz) hinterher, um sie nach einem Drittel der Strecke zu stellen. Holland siegte in 11:54min vor der inzwischen auf Platz zwei vorgerückten Gabi Hiersemann (W55, Eintracht Hildesheim, 12:28min) und Fiedler (13:45min). Holland verbesserte damit auch den Streckenrekord von Hiersemann um elf Sekunden.

Start des Laufs über 3000m. Am frühen Nachmittag sind inzwischen viele Zuschauer anwesend 3km: In rot ist der Zweitplatzierte Daniel Naumann zu sehen, dahinter die 3. bei den Frauen, Pauline Fiedler. Am linken Rand Sieger Patrick König (grau) vor Marc Ueberfuhr (grün, 3.) Annika Holland gewinnt über 3km

Bei den Männern konnte sich Patrick König aus Görlitz (M30) zweimal durchsetzen. Sein Sieg über 1000m in 2:47min war zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Im Lauf über die dreifache Länge hielt er sich lange im Windschatten des eigentlichen Favoriten Daniel Naumann (Asics Frontrunner, M30) auf, um ihn erst auf der Schlussrunde zu überspurten. Er siegte in 9:38min vor Naumann, der zehn Sekunden länger brauchte und in 2:44min auch den Streckenrekord hält, und Marc Ueberfuhr (M20, OSLV Bautzen) in 10:04min. In der Jugendsektion gewannen Nova Lortz (W14, SV Neptun 08, 4:00min) und Kimi Kölling (U14, Cottbus, 3:29min) die 1000-Meter-Rennen.

Paarlauf

Die Disziplin Paarlauf hat im Osten Deutschlands eine große Tradition und reicht lange in die Vorwendezeit zurück, womit sie vergleichbar ist mit den vielen dortigen Stunden- und Halbstundenläufen, die im Westen eher die Ausnahme im Wettkampfgeschehen bilden. Am Start waren nicht nur die beiden Sieger des 10.000-Meter-Laufs (Almut Dreßler, Martin Ahlburg) und Annika Holland mit Partner Pascal Legrand (SCC Berlin), je in der Kategorie "Mix", sondern auch Doppelsieger Patrick König mit Partner Matthias Schöneich (Görlitz).

Der spektakulärste Wettbewerb ist der Paarlauf. Zwei Partner teilen sich 10000 Meter und wechseln alle 1000m den Staffelstab. Hier Lukas Küter vom Team Dresdner Laufsportladen, der mit Jonas Zschornak siegte Die Mix-Wertung entschieden "Die Laufpartner" für sich mit Almut Dreßler (vorne) und Martin Ahlburg aus Berlin. In der GW wurden sie zweite

Am schnellsten von allen aber trug das Männerteam Lukas Küter und Jonas Zschornak vom Team Dresdner Laufsportladen das Staffelholz durchs Hallenoval. Sie siegten in einem entfesselten Rennen in 31:44min. Die Laufpartner Dreßler/Ahlburg unterboten als Staffel sogar die Einzelzeit über 10.000 Meter von Ahlburg deutlich und wurden Gesamtzweite in 33:07min.

Das schnellste Familienduo stellten Detlef und Georg Bär vom Citylaufverein Dresden eins auf Platz vier mit 33:56min. Schöneich/König wurden dritte (33:36min), Holland Legrand achte in 36.02min. Das Niveau im Paarlauf war ausgesprochen hoch.

 

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Zu leichten Misstönen beim Publikum führte der Auftritt des österreichischen Vielstarters Dietmar Korntner über 3000m Walking. Er preschte gleich an die Spitze, und als er seinen ärgsten Konkurrenten Sven-Torsten Böttcher aus Dessau nicht los werden konnte, schaltete er den Turbo ein. Das heißt, er wechselte - für alle offensichtlich - in den Laufschritt, besonders in den Kurven, als er sich womöglich unbeobachtet fühlte. Die Zuschauer quittierten dies mit vereinzelten Pfiffen, Moderator "Adi" Adolph forderte für Korntner zweimal die gelbe Karte. 3000-m-Mann Daniel Naumann war nach dem Walkingfinale gleich bei Vizemeister Böttcher aufgelaufen, um ihm zum Sieg zu gratulieren, weil "der andere doch gemogelt" habe. Ein anderer Beobachter meinte, dass der laufende Walker Korntner bei dieser Sportart vielleicht etwas noch nicht verstanden habe ...

Schweizer siegt beim Abendmarathon

Wer um 18 Uhr am Samstag zum Abendmarathon antritt, sollte nach fünf Stunden, um 23 Uhr also, gefinisht haben. Denn dann soll pünktlich der Nacht-Halbmarathon angeschossen werden. Auch diesmal schaffte es einer nicht, aber der durfte auf der Außenbahn weiterwalken, bis er nach 5:26h seinen Marathon im Sack hatte. Der HM wurde ohne Verzögerung gestartet.

Beim Marathon gab mit Lars Schweizer ein Mann aus Baden-Württemberg von Anfang an den Ton an. Der M30er sauste in einem Vierminutenschnitt für den Kilometer los und lag lange auf Kurs für eine Zeit von 2:45h. Das verwunderte einige auf der Tribüne schon, zumal der groß gewachsene Mann nicht unbedingt über einen filigranen Körperbau verfügt und für Marathon recht kräftig wirkt. Dass er es aber ernst meinte, war auch den letzten Zweiflern klar, als er nach 83 Minuten die Hälfte geschafft hatte.

Ob das ein Zufall ist oder gar "Spionage"? Den Abendmarathon gewann Lars Schweizer vom Lauftreff Pfohren an der Donau, also jenem Verein, der 2016 den (nach Senftenberg) zweiten deutschen Hallenmarathon ins Leben rief. Schweizer ist dort im Vorstand. In zwei Wochen wird dort der Hallenmarathon angeschossen Kerstin Wohlgemuth dominiert den Abendmarathon nach Belieben. Neben dem Abendmarathon am Samstag bieten die Senftenberger noch einen Morgenmarathon am Sonntag an besonders für jene, die es nicht in fünf Stunden schaffen können Ein Halbmarathon um Mitternacht rundet das Samstagsprogramm ab. Hier siegte Toni Keller vom GutsMuths Rennsteiglaufverein in neuer Streckenbestzeit Neuer Streckenrekord auch für Heike Schulze aus Frankfurt (Oder)

Nun begann sich auch das Moderatorenteam für den Mann zu interessieren, der als Verein Lauftreff Pfohren angegeben hatte. "Ja, wo liegt denn Pfohren", fragten sich die Moderatoren ein ums andere Mal, was ein Zeichen war, dass Schweizer nicht auf Einladung da war. Nach seinem Sieg klärte dieser die Organisatoren und Zuschauer auf: Pfohren sei das erste Dorf an der Donau, sagte er, ohne aber zu verraten, dass dort seit 2016 gleichfalls ein Hallenmarathon an den Start gegangen ist, der (nur zwei Wochen nach Senftenberg) ein zweites Mal über die Bühne gehen wird. Schweizer, der beim Schwarzwald Marathon in Bräunlingen seine aktuelle Bestzeit von 2:52h gelaufen war, ist beim dortigen Lauftreff im Vorstand und dürfte zu den Organisatoren gehören. Möglicherweise war er (und noch ein zwei Läufer aus Pfohren) nach Senftenberg gekommen, um einmal aus nächster Nähe zu sehen, wie man eine solche Veranstaltung erfolgreich aufzieht. Inspirierender Anschauungsunterricht sozusagen.

Schweizer ließ auf dem letzten Drittel stark nach und finishte "nur" in 3:04:01h vor Martin Stäps (Turboschnecken Dresden, M30, 3:17:50h) und Mathias Klemm (M35, Oberelbe Marathon, 3:22:54h). Den Sieg bei den Frauen sicherte sich die vereinslose Kerstin Wohlgemuth (W60) in zurückhaltenden 4:15:07h vor Cornelia Rohwedder (W50, LG Mauerweg Berlin, 4:26:11h) und Anne Dünow (W30, SV Pastow, 4:32:09). Im B-Lauf am nächsten Morgen (Zielzeit sechs Stunden) siegte Danny Windisch (M40, Team velostat Berlin) in 3:43:53h und Anja Seifert (W40, PSV Kamenz) in 4:35:02h.

Zwei Streckenrekorde über HM

Für eine der besten sportlichen Leistungen des Wochenendes sorgte Toni Keller vom Gutsmuths Rennsteiglaufverein. Der M30er hatte schon 2013 den Halbmarathon gewonnen, damals noch für die VSG Saaletal Wettin startend, als er in 1:21:25h den aktuellen Streckenrekord aufstellte. Jetzt war er an die alte Wirkungsstätte zurückgekehrt und sah sich von Anfang an keiner echten Konkurrenz gegenüber. Wie fast alle Sieger der Langdistanzen ließ auch er am Schluss nach, was nachdrücklich zeigt, wie kraftraubend das häufige Überholen ist. Er habe am Schluss schon sehr beißen müssen und sei auf den Finalrunden nicht mehr hundertprozentig motiviert gewesen, gab er zu Protokoll. Seine Siegzeit von 1:18:08h bedeutet die Pulverisierung des eigenen Streckenrekords und entspricht auf der Straße wohl einer Zeit von 1:13 bis 1:15h. Es folgten Daniel Schröder (M35, SC Trebbin), der in 1:20:38h auch noch unter der alten Bestmarke blieb, und Michael Steiner (M35, happyrunningteam) in 1:26:52h.

Auch bei den Frauen gab es einen neuen Streckenrekord. Diesen stellte Favoritin Heike Schulze (W50) vom Team Honda Bohling aus Frankfurt/O. in 1:40:05h auf. Die alte Bestmarke von Vanessa Monath aus 2013 lag knapp zwei Minuten schlechter. Besagte Vanessa Monath aus Berlin (W35) war heuer auch am Start gewesen und kam unmittelbar hinter der Siegerin in 1:41:13h ins Ziel. Dritte wurde Kathleen Woythe (W40) vom happyrunningteam in 1:42:42h.

Am Sonntagmorgen gehen die 50-km-Ultras und Marathonis gemeinsam an den Start Lief abends und morgens Marathon. Am Morgen siegte er klar und locker: Danny Windisch 50km Ultra: Rainer Leyendecker (M60) in rot gewinnt vor Torsten Hentsch Bei den Frauen gewinnt Anja Rieder

50km und 5km zum Schluss

Er ist so etwas wie der aufstrebende Ultraläufer der M60er-Klasse. Die Rede ist von Rainer Leyendecker vom SV Schwindegg. Der Mann, der ein so erfolgreiches Jahr 2016 bestritten hatte, knüpfte nun nahtlos an seine Siege aus dem letzten Jahr an. Über fünfzig Kilometer gab sich der zierliche Vollbarträger keine Blöße und lief all die Jüngeren in Grund und Boden. In 4:05:59h war ihm der Sieg nicht zu nehmen. Dahinter haderte Torsten Hentsch (M50, SV Hermsdorf) etwas mit seinem Schicksal. Denn anfangs war er noch in der Nähe des Siegers zu finden gewesen, dann ließen aber die Kräfte stark nach. Mit 4:19:53h errang er dennoch sicher die Silbermedaille. Bronze ging an Thomas Fastenau (M45) aus Berlin in 4:24:59h.

Die Frauenkonkurrenz war - mit Ausnahme der Siegerin Anja Rieder - recht schwach besetzt. Die Frau von der LG Mauerweg Berlin lief ein einsames Rennen, arbeitete sich am Schluss noch an zahlreichen schwächelnden Männern vorbei und erlangte Platz fünf in der Gesamtwertung. Die Frauenkonkurrenz gewann sie in 4:47:19h klar vor der agilen Anke Schultz (W45) aus Berlin in 5:23:48h und Sabrina Grun (W30) aus Schönberg in 5:26:37h. Sechs der 24 Finisher waren weiblich.

Den Abschluss aller Wettbewerbe bildet der teilnehmerstarke Lauf über 5000m. Bei den Männern lautet die Reihenfolge Uwe Richter (M55, OSC Berlin, 19:33min) vor Tom Schindler (M30, Pirna, 20:10min) und Robert Ziege (M35, Freiwalde, 20:11min), bei den Frauen Gabi Hirsemann (W55, Eintracht Hildesheim, 21:50min) vor Denise Kottwitz (W35, SiSu Berlin, 22:19min) und Simone Oester (W50, Berlin, 23:29min).

Im abschließenden Lauf über 5000m siegte Uwe Richter (mitte) vor Tom Schindler (links) und Robert Ziege Siegerin wurde Gabi Hiersemann (l). Simone Oester wurde 3.
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Fazit

Der Hallenmarathon von Senftenberg wird mit viel Herzblut und großer Professionalität durchgeführt. Die vielen Helfer sind freundlich und stehen den Läufern mit Rat und Tat zur Seite. Die umfangreichen Siegerehrungen (inklusive jener für die Lausitzer Laufserie und den Radzeitfahr-Serie) werden zügig und zeitnah zu den Läufen veranstaltet. Wen es interessiert, kann alle gelaufenen Rundenzeiten im Internet nachlesen, beim Hunderter immerhin 400 pro Läufer.

Zum Service gehört auch, dass die Läufer in den halleneigenen Kabinen für zehn Euro pro Nacht übernachten können und sogar Bettzeug gestellt bekommen. Die Möglichkeit zum läufergerechten Frühstück besteht gleichfalls. Tagsüber wird in der Halle für Läufer und Zuschauer ein Imbiss betrieben, unabhängig vom bestens ausgestatteten Versorgungsstand an der Strecke.

Vielleicht begründete man mit dem Event in Senftenberg eine Veranstaltungsform, die in den nächsten Jahren im Winter Schule machen könnte, nicht nur in Pfohren, sondern auch andernorts, wo solche Hallen zur Verfügung stehen. Vor Eis, Schnee und Frost ist man jedenfalls bestens geschützt.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Ergebnisse www.hallenmarathon.de

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