14.1.17 - 34. Oelder Berg-und Crosslauf

Traditionsreicher Crosslauf hat Glück mit dem Wetter

Stanley Kipkogei und Sonja Vogt siegen

Teilnehmerzahl steigt leicht mit Rückkehr in den Januar

von Michael Schardt

Der Oelder Berg- und Crosslauf im Ortsteil Stromberg findet seit Anfang der achtziger Jahre statt und hatte seinen angestammten Platz immer am zweiten Januarsamstag des Jahres. 2013 dann übernahm der rührige Leichtathletikverein Oelde (unter anderem auch Organisator eines hochkarätigen Citylaufs sowie des Burggrafenlaufs) die Ausrichtung der westdeutschen Crossmeisterschaften, wofür der Verband allerdings eine Terminierung im November verlangte. Deshalb verlegte man von da an den Oelder Berg- und Crosslauf ebenfalls in den November, wie Orgachef Joachim Kallenbach erklärte.

Das allerdings wirkte sich negativ auf die Teilnehmerzahlen des traditionsreichen Laufs aus. Hatte man bei den Januarterminen (2010-2012) zuletzt immer dreihundert bis dreihundertfünfzig Läufer zu Gast, waren es im unbeliebten November in den Jahren 2014 und 2015 nur noch gut die Hälfte. Das war für die Organisatoren des LV Oelde Anlass genug, die Reißleine zu ziehen. Man ließ den Novembertermin 2016 aus und verlegte den Lauf ab 2017 wieder auf den ursprünglichen Termin im Januar.

Nach zwei Ausflügen in den November kehrt der Oelder Crosslauf auf den angestammten Platz im Januar zurück Die Oelder Laufstrecke ist mit Mulch und Sägemehl bestens präpariert. Die Laufrunde bietet ein permanentes Auf und Ab. Flache Passagen zum Ausruhen sind Mangelware
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Und zwar mit tendenziell positivem Ergebnis. Schon die Voranmeldezahlen lagen mit exakt 200 Läufern und Läuferinnen wieder leicht über den Novemberwerten. Da die Oelder zudem in diesem Jahr mit dem Wetter recht viel Glück hatten, kamen über die Nachmeldemöglichkeit noch einige Kurzentschlossene dazu, so dass man mit 225 Finishern zwar noch nicht in den Bereich der früheren Werte gelangte, aber doch die Talsohle wohl durchschritten haben dürfte.

Anspruchsvolle Strecke

Der Lauf, von dem hier zu berichten ist, firmiert unter zwei leicht abgewandelten Namen. Auf dem Veranstaltungszettel heißt er schlicht "Oelder Crosslauf", auf der Veranstalterhomepage wird er als "Oelder Berg- und Crosslauf" tituliert. Oelde, das ziemlich genau in der Mitte zwischen Münster und Paderborn und damit in einem vollkommen flachen Umland liegt, verfügt im Ortsteil Stromberg jedoch über die einzige nennenswerte Erhebung weit und breit. Einmal diesen Hügel zu erlaufen, würde wohl noch nicht dazu Anlass geben können, von einem Berglauf zu sprechen. Wenn die Strecke am Gassbachtal allerdings so konstruiert ist, dass sie ein einziges Auf und Ab ergibt mit Steigungen und Abläufen von mehr als zwanzig Prozent und ohne flache Passagen zum kurzen Verschnaufen, dann schon.

Die abwechslungsreiche und kurvige Cross-Strecke ist an einem Hang angesiedelt, den die Akteure pro Runde (2050m) mehrfach hinauf und hinab zu laufen haben. Das ergibt siebzig Höhenmeter für die gut 2000 Meter lange Runde, die die Mittelstreckler zweimal und die Hauptläufer viermal zu durchlaufen haben, was 140 bzw. 280 Höhenmeter ergibt. Der Kurs verläuft auf Wiesen, Waldwegen und Naturpfaden. Dort, wo der Untergrund durch die Regen- und Schneefälle der letzten Tage tief vermatscht war, haben die Veranstalter die Strecke mit Mulch und Holzspänen vorbildlich präpariert, so dass sie gut zu belaufen war. Auch die Witterungsbedingungen waren, entgegen der Vorhersage, sehr gut. Bei Temperaturen leicht über dem Gefrierpunkt und einem böigen Wind war es zwar sehr kalt, aber blauer Himmel und Sonnenschein entschädigten dafür zumindest phasenweise.

Drei Läufe für Schüler und zwei für Erwachsene stehen auf dem Programm. Der erste Start gehört den U10 Mädchen und Jungen Den Schülerleistungslauf U16 gewinnen Patrick Schäfer (rechts) und Pia Vogt, Tochter der Frauensiegerin Mittelstrecke, Sonja Vogt Die beiden Erstplatzierten U14: Karolina Haas (1., vorne) und Kira Schroeder

Kurzgetaktetes Programm

Im Angebot des Oelder Crosslaufs sind fünf Rennen, die innerhalb von neunzig Minuten angeschossen werden. Drei der Läufe sind für Schüler ausgeschrieben, zwei für Erwachsene und Jugendliche. Bei den Läufen werden auch die Einzel- und Mannschaftskreismeister des Kreises Beckum ermitteln, die, das sei hier schon verraten, in der Individual- wie Teamwertung fast alle an den veranstaltenden LV Oelde gingen. Der Anfang gehört den Jüngsten der Altersklasse U8 und U10. Sie starten auf einer weitgehend flachen Strecke über 700 Meter. Als Schnellste konnten sich Alexander Stechbart (LV Oelde) in 3:36min und Greta Schroeder TuS Holzen Sommerberg in 3:44min durchsetzen. Über die doppelte Länge von 1400 Meter starten die Kinder der unter Zwölfjährigen. Hier hatten zwei Teilnehmer des Veranstaltervereins die Nase vorn. Niko Dierkes siegte in 6:35min, während Lena Jadzinski in 7:10min nicht zu schlagen war.

Über eine Originalrunde von 2050 Meter und siebzig Höhenmeter gehen im Schüler-Leistungslauf die Altersklassen U16 und U14 in einem gemeinsamen Rennen an den Start. Auffällig hier, dass sehr viele der guten Jugendlichen der LG Olympia Dortmund am Start waren und auch vom starken Marathonclub Menden. Bei den U14-Läufern siegte Noah Boeck von der LGO in 8:11min vor Leonel Nhanombe (LV Oelde) in 8:19min; sowie Karolina Haas (LGO) in 8:41min vor Kira Schroeder (LGO) in 8:52min. Naturgemäß etwas schneller unterwegs waren die Jugendlichen der U16-Altersklasse. Hier gewann bei den Mädchen Pia Vogt von der LG Olympia Dortmund in 8:21min vor Corinna Wunder (LV Oelde) in 9:01min. Pia ließ mit dieser Zeit nur einen Jungen vor und holte damit den ersten Familiensieg, dem später ihre Mutter Sonja den zweiten folgen lassen sollte. Bei den Jungs gewann Patrick Schäfer vom Marathonclub Menden in 8:10min vor dem Oelder Henning Albert in 8:42min.

Start Mittelstrecke mit integrierter Kreismeisterschaft der U20 und U18 Jugend Gut fünfzig Läufer finishen den Lauf über 4,2 km. Vorne mit grüner Mütze der M60-Sieger John Mallin aus England

Mittelstrecke: Mutiger Vorstoß der Jugend

Auf der Mittelstrecke (4150 Meter) kam es sowohl bei den Männern als auch Frauen zu zwei mutigen Vorstößen junger Läufer, die am Ende zwar nicht mit dem Sieg, aber guten Platzierungen belohnt wurden.

Bei den Frauen nahm die 17-jährige Carla Habighorst von der LC Solbad Ravensberg beherzt das Heft in die Hand und setzte sich gleich in Führung. Sonja Vogt von der LG Olympia Dortmund allerdings war wachsam und sah zu, dass sie nicht zu groß in Rückstand geriet. Sie ließ in der ersten Runde den Vorsprung nicht auf mehr als zwanzig bis dreißig Meter anwachsen und behielt sich eine Attacke für das Finale vor. Die W40erin, die bereits 2013 in beachtlichen 16:54min den Sieg davongetragen hatte, konnte Habighorst einige hundert Meter vor dem Ziel stellen und an ihr vorbeigehen. Vogt siegte in 17:28min mit sechs Sekunden Vorsprung vor der A-Jugendlichen, die 17:34min benötigte. Am Streckenrekord von Frederike Straeten aus 2009 (16:48min) fehlte beiden noch einiges. Als dritte Frau kam die 16-jährige Alina Thiel vom LV Oelde in 21:11min ins Ziel. Von 53 Finishern waren nur zwölf Frauen dabei.

Sonja Vogt von der LG Dortmund gewann die Mittelstrecke bereits 2013. Auch in diesem Jahr ist sie nicht zu schlagen Ihr mutiges Rennen von der Spitze weg wird nicht belohnt und muss sich der erfahreneren Siegerin knapp beugen. Carla Habighorst vom LC Solbad Ravensberg darf sich über einen feinen zweiten Platz freuen Alina Thiel vom LV Oelde wird 3. Das Gefälle von über zwanzig Prozent, was auf den Fotos nicht so sichtbar wird, fordert ebenso wie entsprechend knackige Steigungen

Bei den Männern suchte der B-Jugendliche Florian Vielhaber vom LAC Veltins Hochsauerland die Flucht nach vorne. Seine Zeit an der Spitze des Feldes war allerdings begrenzt, denn zuerst zog Ferhad Sino (M20) von der DJK Gütersloh, dann Lokalmatador Manuel Knepper (MU18) vom LV Oelde an ihm vorbei. Während es für Sino immer besser lief und er noch einen deutlichen Vorsprung vor seinen beiden Widersachern herauslaufen sollte, bahnte sich um Platz zwei ein spannender Kampf an, der bis ins Ziel anhielt. Schließlich holte Sino den Pokal in guten 15:46min vor Knepper in 16:11min und Vielhaber in 16:16min. Der Streckenrekord der Männer datiert aus dem Jahr 2013 und wird in herausragenden 13:58min gehalten von Hendrik Pohle.

Sieger über 4,2 km wird Ferhad Sino vom DJK Gütersloh Manuel Knepper vom LV Oelde wird 2.
Florian Vielhaber vom LAC Veltins Hochsauerland liegt anfangs in Führung, holt am Schluss Rang 3

Spannung im Hauptlauf der Männer

Das Hauptrennen der Männer verlief zumindest bis in die dritte Runde hinein recht spannend, einseitig hingegen das der Frauen.

Letzteres lag vor allem an der deutlichen Überlegenheit von Laura Lienhart vom Marathonclub Menden. Die Fünfunddreißigjährige sah sich schon am Anfang in einer konkurrenzlosen Situation, denn die zweitbeste Läuferin, Claudia Reimering (W50) vom SV Brackwede, verlor schon in der Startphase den Anschluss, weshalb beide während des gesamten Rennens auf sich allein gestellt waren. Lienhart hielt das Tempo trotz komfortablem Vorsprung hoch und lief einen Vorsprung von über drei Minuten heraus. Sie siegte in der guten Zeit von 36:13min, während Reimering in 39:37min noch unter der Marke von vierzig Minuten blieb. Wesentlich schneller in der langen Geschichte des Laufes war bisher mehrmals nur die neunfache Gewinnerin Kirsten Heckmann vom SV Brackwede (Siege in Folge von 2005-2013), deren Streckenrekord aus 2007 datiert und bei 34:25min liegt. Dritte wurde Ulrike Landwehrjohann (W40) vom LV Oelde in 43:11min. Nur dreizehn Frauen von neunzig Finishern erreichten das Ziel, was einer Quote von gut fünfzehn Prozent entspricht.

Paul-Moritz Hundeloh vom LC Solbad Ravensberg erobert den 3. Treppchenplatz über 8,3 km Rang 2 bei den Frauen holt sich M50-Siegerin Claudia Reimering vom SV Brackwede 3. Platz für Ulrike Landwehrjohann vom LV Oelde

Der Berg- und Crosslauf in Stromberg wurde nicht immer über die heutige Streckenlänge angeboten, sondern erst seit 2007. Zuvor hatte die Distanz mehrfach gewechselt und lag beispielsweise 2006 und davor bei 9200 bzw. 4600 Metern. Insofern gelten Streckenbestzeiten erst seit dem Jahr 2007. Seitdem gelang es nur zwei Läufern, unter der magischen Marke von dreißig Minuten zu bleiben, und zwar in ein und demselben Rennen 2013. Dies waren Philipp Kaldewei (LV Oelde) mit 29:25min (gleichzeitig Streckenrekord) und Thorsten Krüger (SV Brackwede) in 29:57min. An solche Werte konnte 2017 niemand heranlaufen.

Nach dem Start des Hauptlaufs über 8,3 km und vier Runden verfolgt ein interessierter Hundezuschauer wie Philipp Henseleit (in gelb) in der ersten Runde am heißen Favoriten Stanley Kipkogei vorbei geht. Ganz vorne aber ist schon Andreas Beulertz (nicht im Bild) enteilt. Henseleit verpasst als 4. das Podium knapp In der dritten Runde überrascht der gebürtige Kenianer Kipkogei mit der entscheidenden Attacke. Da können selbst die erfahrenen Läufer nicht mehr mitgehen Andreas Beulertz vom Marathon-Club Menden muss sich nach zwischenzeitlicher Führung mit Platz 2 zufrieden geben

Streckenrekordinhaber Kaldewei war auch bei der jüngsten Auflage dabei, spielte aber im Kampf um die Podiumsplätze keine Rolle. Er wurde in 32:30min lediglich Achter, sicherte sich dafür aber erneut den Kreismeistertitel und Rang 2. in M35. Weiter vorne bestimmten andere das Geschehen. Zunächst stürmte mit Philipp Henseleit (M20, Marathonclub Menden) ein Mann in die Spitzengruppe, der bekannt für schnelle Starts ist. Phasenweise lag er sogar vor dem eigentlichen Favoriten Stanley Kipkogei (M35, SV Brackwede), der in Kenia das Licht der Welt erblickte. Länger als der lang aufgeschossene Henseleit, der am Ende das Podium als vierter verpasste, lag Andreas Beulertz (M30, Marathonclub Menden) an der Spitze, der offensichtlich Kipkogei früh den Schneid abkaufen wollte. Dieser allerdings ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, setzte Anfang der dritten Runde zur entscheidenden Attacke an und siegte mit knapp einer Minute Vorsprung in 30:39min vor Beulertz in 31:21min und dem unauffällig, aber effektiv agierenden Paul-Moritz Hundeloh (M20) vom LC Solbad Ravensberg in 31:42min.

Mit knapp einer Minute Vorsprung gewinnt erstmals Stanley Kipkogei (SV Brackwede) den Oelder Crosslauf Klare Siegerin des Hauptlaufs: Laura Lienhart vom Marathon Club Menden Orgachef Joachim Kallenbach vom Leichtathletikverein Oelde ist zufrieden
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Fazit

Der Oelder Berg- und Crosslauf wird in Zukunft sicher wieder regelmäßig im Januar stattfinden mit der Hoffnung, es möglichst bald auf frühere Teilnehmerzahlen bringen zu können. Die Veranstaltung ist straff und gut organisiert und verfügt über einen zuschauerfreundlichen Rundkurs, auf dem sogar die Läufer die Moderation an jedem Punkt der Strecke hören können. Dass der überdachte Getränkestand nur als Endversorgung dient und nicht an der Strecke steht, um den Läufern zwischendurch eine Erfrischung zu bieten, könnte vielleicht noch überlegt werden. Die Siegerehrungen fanden zügig und schon kurz nach den Rennen unter etwas beengten Verhältnissen im Vereinsraum des angrenzenden Tennisclubs statt. Alles in allem eine schöne, empfehlenswerte Veranstaltung für Freunde crossiger Winterläufe.

Michael Schardt

Bericht von Michael Schardt
Fotos von Thomas Linnemann

Ergebnisse lv-oelde.de

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Thomas Linnemann

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