31.12.16 - 38. Frankfurt Spiridon Silvesterlauf

Der etwas andere Bericht

von Markus Heidl

Laufberichte können auf verschiedenste Art und Weise geschrieben werden. Da kann ganz klassisch als außenstehender Beobachter berichtet werden, der die Ergebnisse nüchtern wiedergibt. Es kann auch aus der Ich-Perspektive geschildert werden, welche Strapazen durchlaufen und welche Euphoriestürme im Ziel ausbrachen. Es könnte auch von einer Begleitung geschildert werden, wie sich der Lauf für den Schützling anfühlte. Und natürlich können die Geschehnisse aus Sicht der Helfer erzählt werden. Das ist nicht alltäglich - so soll es heute sein.

Die Geschichte, die erzählt werden will, beginnt aber nicht weit im Vorfeld, bei den ersten Planungen und Genehmigungen und ebenso wenig am Vortag, wenn bis spät in die Nacht die Wettkampfstätte vorbereitet wird. Sie beginnt am Wettkampftag selbst, wie die aller anderen 2024 Läuferinnen und Läufer, die am letzten Tag des Jahres 2016 ins Ziel des 38. Spiridon Silvesterlaufs liefen. Sie wird erzählt von einem der Zug- und Bremsläufer, der das Ziel hatte, eine möglichst große Gruppe unter die 40-Minuten-Marke zu bringen: Mit überfahren der Stadtgrenze Frankfurts gab es die erste Überraschung des Tages, die nicht die einzige bleiben sollte: plötzlich war alles weiß, in Frankfurt hatte es geschneit. Die Parkplätze waren dadurch rutschiger, der Wind schneidender und das große Start- und Zielbanner vereister als normal. Die Witterungsbedingungen schienen aber niemand davon abzuhalten, an den Start zu gehen; der Wald war dadurch hübscher anzusehen und die Streckenverhältnisse bekanntlich für alle gleich.

Das erste Weiß des Jahres erwartete die Teilnehmer des 38. Frankfurter Silvesterlaufs Auf los geht's los: den ersten Lauf der Schüler über 2 km gewinnt Noel Freder (242)
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Während sich in der großen Halle alte Laufbekannte freuten, einander wiederzusehen und Weihnachtsanekdoten zum Besten gaben, wurden draußen bereits die ersten Laufbeine geschwungen: die Kinderläufe über 2 und 4 Kilometer standen an. Angefeuert von den ersten Fleißigen, die sich bereits warmliefen, dominierten zwei Jungen der VfL Altenstadt den 2 km Schülerlauf: Noel Freder (7:35 min) und Kjell Jona Credner (7:45 min) waren vor Jermaine Zemke von Eintracht Frankfurt (7:59 min) die schnellsten. Ausgeglichener ging es bei den Mädchen zu: Lene Keßler (TV Trebur, 8:12 min) war knapp vor Hannah Lösel (TSG Oberursel, 8:14 min) die schnellste, auf Rang drei folgte Natalie Scrivener (SV Fun-Ball Dortelweil, 8:30 min).

Trotz teils vereister Abschnitte wurde schnell gelaufen Wegen der vielen Teilnehmer (2025 im Ziel) wird beim Silvesterlauf in verschieden Blöcken gestartet

Beim kurz danach ausgetragenen doppelt so langen zweiten Schülerlauf hatte der Führungsradfahrer Probleme, das Tempo auf dem rutschigen Untergrund halten zu können, weil Sasha Müller vom SSC Hanau-Rodenbach (13:08 min) ein beachtliches Tempo vorlegte. Auch die weiteren Stockerlplatzierungen gingen bei den Jungen an den SSC Hanau-Rodenbach, denn es folgten zeitgleich Karl Wandukwa und Max Grabosch (14:15) auf Rang zwei und drei. Bei den Mädchen war die 14-jährige Emily Fender (TSG Limbach/Triathlon, 16:56 min) vor Hannah Bienenfeld (LG Offenbach, 17:02 min) und Chiara Kaiser (SC Steinberg, 17:47 min) die schnellste.

Und dann war es auch schon so weit: mit fortschreitender Uhr in Richtung Punkt 12 füllte sich der Startbereich immer mehr. Gemeinsam mit dem Moderator, dem Vorsitzenden des austragenden Vereins, Thomas Rautenberg, werden schließlich die letzten 10 Sekunden heruntergezählt, um dann den Eliteblock auf die Strecke zu schicken. Erst jetzt steigt die Aufregung weiter hinten immer weiter; nach wenigen Minuten folgt der zweite Startblock, dann die weiteren. Aufgrund der großen Teilnehmerzahl beim größten hessischen Silvesterlauf macht diese Regelung Sinn - natürlich wird für jeden die Brutto- wie auch die Nettozeit gemessen.

Der Zugläufer für 40 Minuten geht mit dem zweiten Startblock auf die Reise

Als Zugläufer für 40 Minuten geht es für mich mit dem zweiten Startblock auf die Reise. Es geht geradeaus hinunter in den Wald, dann folgt gleich eine Rechtskurve zu Kilometer eins. Die Stimmung ist gut, das Feld groß. Bis Kilometer zwei hat sich das Feld sortiert und stürmt durch die eisige Waldlandschaft.

Und während wir von ganz vorne, wo sich Vorjahressieger Tilahun Babsa etwa bei Kilometer 6 von der Konkurrenz absetzen kann, natürlich nichts mitbekommen, steigt auch bei uns die Aufregung: denn etwas stimmt nicht. Zuerst scheinen wir nur das Kilometerschild für Kilometer fünf verpasst zu haben, dann erreichen wir eine Abwärtspassage, an die ich mich beim besten Willen nicht erinnern kann. Auch Kilometer 6 wird nie auftauchen. Zwar findet das Feld auf die richtige Strecke zurück, mit der Markierung zu Kilometer 7 und einer viel zu schnellen Zwischenzeit wird dann aber endgültig klar, dass wir uns verlaufen hatten. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass ein Streckenposten das komplette Feld bei km 4,5 auf eine falsche Strecke geleitet hatte, so dass im Ergebnis alle Teilnehmer ca.300 m zu kurz gelaufen sind. Ein Fehler, der leider bei den Teilnehmern zum letzten großen Gesprächsthema 2016 wurde.

Tilahun Babsa vom ausrichteten Verein wiederholt seinen Vorjahressieg Patrick Lange und Demeke Wosene liefern sich ein Sprintduell um Rang 2

"Wir können uns das schwer erklären, wie auch immer, wir haben dafür die Verantwortung zu übernehmen und entschuldigen uns für diesen Fehler bei allen Teilnehmern.", entschuldigt sich Thomas Rautenberg im Namen von Spiridon Frankfurt. Immerhin: es wurden alle fehlgeleitet, sodass die Platzierungen repräsentativ blieben. So mussten leider auch die vielen neuen Bestzeiten annulliert werden. Schade insbesondere für den Sieger Tilahun, der sich sehr über seine erste Zeit unter 30 Minuten gefreut hatte. Kurz hinter ihm liefern sich der drittplatzierte von Hawaii Patrick Lange (DSW Darmstadt) und Demeke Wosene (LG Rüsselsheim) ein packendes Sprintduell um Platz zwei, den sich hauchdünn Patrick sichert. Beide werden mit 30:15 min gewertet. Auch die nächstplatzierten bestätigen das hohe Niveau: Gregor Buchholz (SC Wiesbaden) läuft nach 30:21 min auf Rang vier, Nico Sonnenberg (LG Eintracht Frankfurt, 30:39 min) folgt auf Rang fünf. Auch Jasper Püschel (TV Wallau) bleibt mit 30:54 min noch unter 31 Minuten.

Sarah Kistner wird überlegene Frauensiegerin Jenny Schulz wird als dritte Frau schnellste Frankfurterin Petra Wassiluk gewinnt als 6. Frau die W45

Bei den Frauen dominiert die U20-Cross-Weltmeisterin Sarah Kistner (MTV Kronberg, 33:12 min) das Feld vor der ebenso sehr jungen und starken Crossläuferin Lisa Oed (SSC Hanau-Rodenbach, 34:16 min). Auf Rang drei folgt Jenny Schulz (Skills 04 Frankfurt, 35:05 min) vor Laura Chacon Biebach (Asics Frontrunner, 35:40 min) und Tinka Uphoff (Spiridon Frankfurt, 36:10 min).

 

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Weiter hinten ist bei uns mit der Gewissheit, falsch gelaufen zu sein, etwas die Luft raus. Plötzlich sind wir weit vor dem Zeitplan. Ich halte unser Tempo, überwinde den Anstieg bei km 8, und beginne mich schon jetzt zu fragen, wo wir falsch gelaufen sind. Direkt mit dem Zieleinlauf bekomme ich auch sofort diese Frage gestellt. Mit meiner Bestätigung, dass alle falsch gelaufen sind, beginnt nach kurzer Verzweiflung sofort die Fehleranalyse. Die GPS-Daten des Laufs helfen. Ein Fehler eines Streckenpostens mit fatalen Auswirkungen. Selbst beim eingespieltesten Team nicht unvermeidbar. Schon muss über Lautsprecher die Freude über die vielen neuen Bestzeiten getrübt werden.

Laura Chacon Biebach wird 4. Frau Die 13. Lara Tortell wird hinter der Zweitplatzierten Lisa Oed 2. der U18 Der 9. Sven Perleth vor dem 10. und 2. der U20 Sebastian Buschbeck (32:15). Sieger der U20 wird Aaron Bienenfeld mit 32:04
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Und damit ist der erste Vorsatz für das Jahr 2017 gefasst: im nächsten Jahr beim Silvesterlauf wieder die Originalstrecke zu laufen.

Bericht von Markus Heidl - Fotos Svenja Heidl

 unter Sportonline-Foto.de

Ergebnisse www.spiridon-frankfurt.de

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