21.10.12 - 9. Magdeburg MarathonOttostadt feiert gelungene Generalprobe |
| von Axel Künkeler |
Die 9. Auflage des Magdeburg Marathons am vorletzten Oktober-Wochenende dieses Jahres war eine gelungene Generalprobe für das 10-jährige Jubiläum am 20. Oktober 2013. Nicht nur der mit einem Bilderbuchwetter aufwartende "Goldene Oktober" sowie eine prächtige Stimmung bei Läufern und Zuschauern ließen die Veranstalter der VLG 1991 Magdeburg mit der Sonne um die Wette strahlen. Zumal neben dem rekordverdächtigen Wetter noch gleich mehrere Rekorde purzelten: erstmals wurde mit 5.137 Finishern die 5.000er-Marke bei den Zielankünften geknackt - Rekordbeteiligung! Neue Streckenrekorde gab es zudem bei den Männern auf der Marathon- wie auf der Halbmarathon-Distanz. Nur ein Problem bleibt jetzt dem Organisations-Team um Torsten Schollasch und Hubert Miehle für das nächste Jahr. Angesichts der Schlagzeile: Rekorde. Rekorde. Rekorde' stellt sich die Frage: "Wie sollen wir das alles beim Jubiläum toppen?"
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Schon im Vorfeld zeichnete sich der neue Teilnehmerrekord ab: 5.700 Voranmeldungen tags zuvor stellten eine neue Bestmarke dar. Und als dann die Prognosen noch ideales Laufwetter vorhersagten, gab es samstags und sonntagsfrüh in den Magdeburger Messehallen natürlich eine Vielzahl von Nachmeldungen. "Allein 50 Nachmeldungen zum Marathon, das hatten wir noch nie", freute sich Torsten Schollasch. Trotzdem werden er und seine VLG-Kollegen diese sehr erfreulichen Gesamtzahlen nochmals nüchtern analysieren. Denn mit 431 Finishern ist der Marathon wieder auf dem Niveau der Premiere 2004 angelangt. Hinter dem Finisher-Rekord von 590 Marathonis (2005) blieb man diesmal doch weit zurück und auch in den Folgejahren bis 2010 lagen die Zahlen stets deutlich über der 500er-Marke. Nur vergangenes Jahr (495) wurde erstmals wieder diese magische Grenze unterschritten. |
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| Laufen mit Elbeblick - nicht nur bei KM13 | Am Erlebnisbad Nautica laufen die Massen los | Am Nordbrückenzug geht es vor zahlreichen Zuschauern auf den Elberadweg |
Das braucht die Macher des Magdeburg-Marathons, die ohnedies nicht ständig nach neuen Rekorden schielen, nicht weiter beunruhigen. Zum einen solle es beim Volkslauf-Charakter mit der Devise Von Läufern für Läufer' bleiben, betonten Schollasch und Miehle unisono. Und zum anderen ist der Rückgang der Teilnehmerzahlen auf der klassischen Distanz nicht nur in Magdeburg zu beobachten, sondern ein bundesweiter Trend. Stärker beschäftigen dürfte die Beiden, dass auch die kürzeren Laufstrecken Einbußen verzeichneten. Während der 13km-Lauf das Rekordniveau des Vorjahres (1.445) mit 1.396 Finishern noch fast halten konnte, lag der Halbmarathon mit 1.436 Finishern deutlich hinter den Zahlen der letzten vier Jahre zurück. Der Rekord aus dem Jahr 2008 liegt immerhin bei 1.760!
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| Bei Km 4 vorbei an Hauptpost und Hundertwasserhaus | Vorbei am Fürstenpalais, Sitz des Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts |
Dass unter dem Strich dennoch eine neue Rekordmarke vermeldet werden konnte, lag also am Rahmenprogramm. Beim Mini-Marathon über 4,2km, dem Elbe-Biber-Kinderlauf (400m) und den verschiedenen Nordic-Walking-Wettbewerben (21,1/13/4,2km) stiegen die Zahlen teils kräftig an. Insofern ist die Zufriedenheit der Veranstalter dann doch wieder absolut berechtigt. So viele Teilnehmer gab es eben wirklich noch nie beim Magdeburg Marathon', auch wenn der namensgebende Lauf zumindest quantitativ dazu weniger beigetragen hat als die zahlreichen Neben-Wettbewerbe. Für den Erfolg einer Volkslauf-Veranstaltung' ist das aber auch nicht wirklich entscheidend, interessiert vielleicht mehr die Statistiker und reinen Marathon-Freaks.
Diesmal konnten aber auch die Marathon-Läufer die prächtige Stimmung vor allem auf den letzten Kilometern noch intensiver erleben als in den Vorjahren. Die Startzeit beim Marathon war um eine dreiviertel Stunde auf 9.15 Uhr vorgezogen worden, während der Hauptlauf mit Halbmarathon- und 13km-Startern erst um 10 Uhr begann. Diese organisatorische Änderung hatte zur Folge, dass beim Zieleinlauf der meisten Marathonis das Zuschauerspalier an der Zielgeraden vor den Messehallen noch dichtgedrängt war und die Läufer ebenso lautstark anfeuerte wie auf den kürzeren Distanzen. Besonders viel Beifall gab es für den Marathon-Sieger Frank Schauer.
Der Lokalmatador vom SCM stellte in 2:31:10h einen neuen Streckenrekord auf. Dabei war es für den 23-jährigen Magdeburger überhaupt erst sein dritter Marathon. Nach Hamburg und Frankfurt 2011, wo er in einer 2:26h seine bisherige Bestmarke aufstellte, nun also der erste Start beim Marathon in seiner Heimatstadt. Natürlich kennt er die Strecke(n) aus dem Effeff, nicht nur von seinen Trainingsläufen. An den Unter-Distanzen hat er bereits in den Vorjahren mehrfach teilgenommen. 2009 lief er als 20-Jähriger bereits Streckenrekord über Halbmarathon (1:07:59h), der aber 2010 von seinem Vereinskameraden Arthur Lenz um eine Sekunde unterboten wurde. Und die 13km lief er 2011 in 39:24 als Einziger nach dem Rekordhalter Michael Schering aus Leipzig (39:16/2005) unter 40 Minuten. In der Bestenliste des Magdeburg-Marathons taucht Schauer jetzt bei allen drei Läufen auf: Zweitschnellster über 13km, nunmehr Dritter bei den HM-Bestzeiten und Streckenrekordler beim Marathon. Das SCM-Talent ist also wahrlich kein Unbekannter, hat sich längst über Magdeburg hinaus in der Laufszene einen Namen gemacht.
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| Über die Jerusalem-Brücke mit Stadtblick gehts in die City | Über die Sternbrücke mit Dom-Blick in den Stadtpark |
Völlig unbekannt dagegen der derzeit an der Elbe lebende 31-jährige Amerikaner Scott Traer, der trotz der milden Temperaturen mit seinem nackten Oberkörper für Aufsehen sorgte. Der US-Amerikaner ging vom Start weg zunächst in Führung. Doch mit Frank Schauer, Yves Löbel, dem Doppelsieger von 2010/11, dem bisherigen Streckenrekordler Jörg Richter aus Leipzig, der 2007 und 2009 ebenfalls bereits zweimal in Magdeburg gewonnen hatte, sowie Karsten Pinno (LG Ihleläufer Burg) bildete sich gleich eine Fünfergruppe, die bis KM 12-13 zusammen blieb. Pinno und Löbel, dem es etwas zu warm war ("Ich laufe lieber bei Schmuddelwetter."), mussten als erste abreißen lassen. Und sechs Kilometer später konnten auch Richter und der Amerikaner Traer das hohe Tempo von Frank Schauer nicht mehr mitgehen.
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| Durch den Stadtpark zwischen Stromelbe und Alter Elbe | Über den Elberadweg in die Elbwiesen geht es Richtung Wasserstraßenkreuz | Durch herbstliche Baumalleen |
Der SCM-Athlet lief dagegen auch den zweiten Streckenabschnitt konstant schnell und baute seinen Vorsprung bis ins Ziel auf über sechs Minuten aus. In 2:31:10h gewann Frank Schauer klar vor Scott Traer (2:37:23h) und unterbot den alten Rekord von Richter (2:32:47) um über eineinhalb Minuten. Der Leipziger kam diesmal auf eine 2:40:48h, musste auf den letzten KM auch noch Yves Löbel vom TSV Niederdodeleben (2:39:34h) an sich vorbei ziehen lassen. Der Drittplatzierte war mit seiner Zeit ("nur eine Minute langsamer als bei meinem Sieg 2011") durchaus zufrieden. Sicher hätte er wohl gerne zum dritten Mal in Folge ganz oben auf dem Treppchen gestanden, doch nach ersten, zweiten und vierten Plätzen in den Vorjahren "hat mir der 3. Platz in meiner Sammlung noch gefehlt", nahm es der 35-Jährige mit Humor.
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| Raus aus dem Stadtpark gehts zurück Richtung Elbauenpark | Die Leipzigerin Annett Speer wird 3. Frau beim Magdeburg-Marathon |
Nicht ganz so gut wie bei den Männern waren die Siegerzeiten bei den Frauen - auch nicht in Relation betrachtet. Der Streckenrekord von 3:03:37h durch Angelika Hummel aus 2005 wurde ebenso deutlich verfehlt wie die Siegerzeit aus dem Vorjahr, als Sigrid Hoffmann mit 3:09:36h zum zweiten Mal in Folge gewann. Diesmal reichte Susanne Harz (RC Vorwärts Speyer) eine 3:18:35h für einen deutlichen Erfolg vor dem Verfolger-Trio Beatrice Zierold (3:24:39h), Annett Speer (3:25:28h) von der LG exa Leipzig und der Magdeburgerin Claudia Hüllmann (3:25:43h). Zu Beginn hatte Zierold zunächst das Tempo bestimmt, doch dann konnte die Pfälzerin ihre Konkurrentin ein- und überholen. Wie Frank Schauer konnte sich Susanne Harz im zweiten Streckenabschnitt mehr und mehr absetzen und mit über sechs Minuten Vorsprung gewinnen.
Für die 40-Jährige war es der erste Sieg beim ersten Start in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts. Nach dritten Plätzen in Cuxhaven und beim Oberelbe-Marathon war es sogar ihr erster Marathon-Sieg überhaupt. Nur mit der Zeit war Harz selbst nicht so ganz zufrieden, hatte sogar gehofft, ihre PB von 3:16h toppen zu können. Nach dem Langdistanz-Triathlon von Roth, bei dem sie nach 3,8km Schwimmen und 180km Rennrad den Marathon noch in einer 3:39h gelaufen war, hoffte sie, ihre gute Form in den Herbst-Marathon retten zu können. Doch letztlich steckte der Triathletin die Langdistanz "in den Knochen", hatte sie mehr mit muskulären Problemen zu kämpfen als ihr lieb war und die wenigen Rampen am Wasserstraßenkreuz bei dem ansonsten flachen Magdeburger Marathon machten ihr zu schaffen.
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| Miriam Paurat ist sich schon 3km vor dem Ziel sicher - das wird der 2. Platz im HM | Steffi Bernstein aus Spergau wird 3. Frau im HM | HM-4. Frau wird Elke Rosenthal aus Blankenburg |
Dennoch gelang Susanne Harz ein souveräner Sieg bei "einem schönen Lauf durch eine tolle Landschaft." Nur in den Elbwiesen sei es zuweilen etwas einsam gewesen, meinte die Frau aus der Pfalz, die gerne an unterschiedlichen Marathons teilnimmt ("allein in Deutschland gibt es so viele interessante Läufe"). Für eine Stadtbesichtigung Magdeburgs blieb ihr dabei allerdings zu wenig Zeit. Was sie gesehen und erlebt hat, hat ihr jedoch richtig gut gefallen. Eine alte Bekannte - trotz ihrer jungen Jahre - ist dagegen Ann-Kathrin Litzenburg. Die für den SV Post Telekom Schwerin startende 21-Jährige ist bereits seit 2007 Stammgast an der Elbe.
Und bereits zum zweiten Mal nach 2010 konnte Litzenburg in 1:27:18h den Halbmarathon der Frauen gewinnen. Taktisch geschickt hielt sie sich lange in einer Laufgruppe mehrerer Männer versteckt', nutzte den Windschatten für ihren überlegenen Sieg vor Miriam Paurat (MTV Schladen/1:29:05h) und Steffi Bernstein (1:29:47h/SG Spergau) auf den weiteren Podestplätzen. Ebenso wie Magdeburg-Novizin' Susanne Harz schwärmt auch Serientäterin' Ann-Kathrin Litzenburg für den Mix aus City- und Landschaftslauf: "Die Strecke entlang der Elbe und durch den Herrenkrug gehört sicher zu den schönsten Läufen überhaupt." Anders als Harz beim Marathon kam Litzenburg der Bestzeit (1:24:24h) von Claudia Kratzenstein (OSC Berlin/2008) auf der halben Distanz zwar deutlich näher, konnte sie aber letztlich nicht gefährden.
So blieb es auch hier dem Männersieger vorbehalten für einen neuen Streckenrekord zu sorgen. Yabakal Daniel Berye (PSV Grün Weiß Kassel) gewann bei seinem 1. Magdeburg-Start in 1:07:50h - acht Sekunden schneller als Arthur Lenz (SCM) vor zwei Jahren. Dahinter tat sich dann lange Zeit nichts, bevor Sebastian Kestner (LG Sonnenblick Elbeu) in 1:16:19h das Ziel erblickte. Weitere gut drei Minuten später kam Philipp Letzgus (TuS 1860 Magdeburg) in 1:19:29 auf Rang drei, knapp vor dem Vierten André Hopf (1:19:38h) von RadUnion Halle. Ebenfalls noch unter 1:20h blieb der Fünfte Bernd Breier (1:19:58h) von der LG Hopfen TSV Schackensleben, der sich mit seinen Vereinskollegen Mario Stach (11./1:22:49h) und Marco Hermecke (26./1:26:06h) damit den Sieg in der Mannschaftswertung sicherte. Mit 4:08:53h lagen die M40-Läufer aus der Börde nur knapp vor dem zusammen 41 Jahre älteren Team von HSV Medizin Magdeburg (4:09:09h).
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| An den Messehallen gehts ins Ziel | Das Sax'n Anhalt Orchester sorgte für Party-Stimmung in den Messehallen |
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Mannschaftswertungen gab es natürlich auch bei den übrigen Laufwettbewerben von 4,2km über 13km bis zum Marathon. Auf der klassischen Distanz siegte die LG exa Leipzig in der Besetzung Jörg Richter, Roland und Anett Speer in der Gesamtzeit von 8:56:36h mit mehr als einer Stunde vor der TSG Wittenburg. Klare Siege gab es auch auf den kürzeren Distanzen: der Nachwuchs des SCM demonstrierte hier sowohl über 4,2 als auch 13km jeweils seine Überlegenheit. |
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Die beiden B-Jugendlichen Samuel Gold und Tim Krukowski gewannen in 44er Zeiten nicht nur die Einzelwertung, sondern gemeinsam mit Frauen-Siegerin Franziska Lüth, die A-Jugendliche gewann in 51:10h, auch die Teamwertung. Und den Mini-Marathon dominierte die SCM-Jugend ebenso: Marcel Ebel und Tim Scheschonk als Doppelsieger bei den Jungs in 12:03 bzw. 12:59h, die erst 12-jährige Leoni Buchmann (14:14) bei den Mädels sowie die zwei Jungs zusammen mit Max Stöckel als SCM 1 vor SCM 2 mit Leoni Buchmann die Team-Wertung!
In Magdeburg ist also alles bestens bestellt: der Leichtathletik-Nachwuchs des SCM tritt in die Fußstapfen der erfolgreichen Kaderathleten früherer Jahre, Frank Schauer hat sich mit Streckenrekord inzwischen in der Männer-Hauptklasse erfolgreich etabliert und macht viel Hoffnung auf künftige Leistungssteigerungen in der deutschen Marathonszene und die VLG 1991 Magdeburg hat wieder einmal unter Beweis gestellt, dass auch Ehrenamt mit ganz viel Professionalität verbunden sein kann. Auch bei nüchterner Betrachtung der Rekordzahlen muss einem um die Zukunft des Laufsports und des Magdeburg Marathons also nicht bange sein. Hubert Miehle, Torsten Schollasch und ihre zahlreichen Helferinnen und Helfer gehen mit großer Zuversicht in die Vorbereitung des Jubiläums nächstes Jahr. Am 20. Oktober 2013 heißt es dann: Herzlich Willkommen zum 10. Magdeburg Marathon!
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Bericht und Fotos von Axel Künkeler |
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