18.10.09 - 6. Magdeburg-Marathon

Vor 800 Jahren: Aufbruch in die Gotik

Der Marathon durch Magdeburgs Geschichte knackt 5000er-Marke

von Axel Künkeler

Von gut 1500 Finishern bei der Premiere 2004 auf über 4200 (bei rund 4800 Voranmeldungen) im letzten Jahr hat der Magdeburg-Marathon eine äußerst erfreuliche Entwicklung genommen. Schon die Voranmeldungen für die nun sechste Auflage signalisierten: in 2009 kann die 5000er-Marke erstmals geknackt werden. Und in der Tat wurde die Hoffnung der VLG 1991 Magdeburg erfüllt. Knapp 5200 gemeldete Teilnehmer konnte der 1. Vorsitzende Torsten Schollasch am Start vermelden, letztlich 4440 Finisher mit seinen zahlreichen Helfern am Ziel in der Messehalle 2 in dem Jahr begrüßen. Für die VLG ein sehr schöner Erfolg, zumal nach den internen Querelen im letzten Jahr die neue Führung mit Torsten Schollasch, Hubert Miehle, Sabine Willberg und vielen anderen erstmal beweisen musste, dass dies der Qualität des Magdeburg-Marathons nicht schadet und das Motto ‚Von Läufern für Läufern' nahtlos fortgesetzt wird. Schon 2008, aber erst recht in diesem Jahr ist dies eindrucksvoll gelungen.

Bunt wie der Herbst - die Läuferschar am Start Magdeburg - Stadt an der Elbe mit Dom und Kloster Der 71jährige Rudolf Knapp sorgt seit der Premiere 2004 jedes Jahr für Stimmung

Dabei bestätigte Magdeburg einen bundesweiten Trend: während der Hauptlauf über 42,2 km seit 2005 (590) mit diesmal 508 Finishern stagniert bzw. sogar leicht rückläufig ist, steigt die Zahl auf den kürzeren Distanzen: vor allem beim Mini-Marathon über 4,2km (864), beim Halbmarathon (1618) und über 13 km (1175), sowie bei den Walking-Wettbewerben (275) wurden Finisher- bzw. Teilnehmerrekorde verzeichnet.

Dass dies möglich wurde, verdanken die Magdeburger ein Stück weit Petrus. "Irgendwann wird es uns auch mal treffen", befürchtete Schollasch angesichts der nass-kalten Temperaturen in der Vorwoche. "Aber es muss ja nicht diesmal sein", scherzte er beim letzten Lauftreff der VLG am Mittwoch vor dem Wettkampf. Und Petrus hatte -wie schon in den Vorjahren, in denen er den Elbestädtern teils einen richtig schönen Altweibersommer zum Marathon schenkte- auch diesmal wieder ein Einsehen. Zwar blieb die Quecksilbersäule, die am Sonntagmorgen gerade mal kühle vier Grad anzeigte, bis Mittag deutlich unter zehn Grad, dennoch herrschten bei den zwar kühlen Temperaturen, aber trockenem Wetter insgesamt keine schlechten Bedingungen.

Der Dom und Elbe als Kulisse an der Strombrücke Imposantes Erlebnis - die Wendeschleife über Europas größtes Wasserstraßenkreuz

Und so gab es nicht nur Teilnehmer-, sondern auch gleich zwei Streckenrekorde zu vermelden: beim Halbmarathon durch den Magdeburger Frank Schauer in 1:07:59 h sowie beim Marathon durch den Leipziger Jörg Richter, der seinen eigenen Rekord aus dem Jahr 2007 gleich um dreieinhalb Minuten auf 2:32:47 h verbesserte. Kein Wunder also, dass bei der Zielankunft der ersten Marathonläufer sogar die Sonne am Magdeburger Himmel wieder lachte.

Der Magdeburger Marathon führt nur auf den ersten neun Kilometern durch die City. Ob 13km, Halbmarathon oder Marathon - hier laufen alle durch 1200 Jahre Stadtgeschichte entlang der Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt: historisches Rathaus mit dem Reiterstandbild auf dem Marktplatz, Otto-von-Guericke-Denkmal, Johanniskirche mit Luther-Standbild, Hundertwasserhaus und Kloster ‚Unser lieben Frauen', das Zentrum der ‚Straße der Romanik'. In diesem Jahr dominiert besonders der mit den beiden rund 100 Meter hohen Türmen eh' schon alles überragende Dom: das 1200-jährige Magdeburg feiert 800 Jahre Domgeschichte!

Durch die historische Hegelstraße Zwischen Il Capitello, Alter Post und buntem Hundertwasserhaus Vorbei am Reiterstandbild vor dem alten Rathaus

Noch bis 6. Dezember zeigt das Kulturhistorische Museum Magdeburg unter Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten die Mittelalterausstellung ‚Aufbruch in die Gotik. Der Dom und die späte Stauferzeit'. Anlass: die Grundsteinlegung für den Magdeburger Dom, den ersten gotischen Dom auf deutschem Boden, im Jahr 1209. 800 Jahre später ist die große Mittelalterausstellung im Magdeburger Museum eine hervorragende Chance, die Zeit des 13. Jahrhunderts zu betrachten. Auf 1000 qm lassen rund 200 Originalobjekte aus dieser Zeit, wertvolle Goldschmiedearbeiten, kostbare Handschriften und anmutige Skulpturen das Mittelalter auferstehen. Die Leihgaben aus Deutschland, Europa und den USA verdeutlichen ebenso eindrucksvoll wie der nahe gelegene gotische Dom den Aufbruch der Menschen aus der Zeit der Ottonen in eine neue Ära.

In Hohenwarthe geht es über den Weinberg zum Wasserstraßenkreuz Einer der wenigen Anstiege - die Rampe zur Trogbrücke Über die Strombrücke geht es in den Stadtpark

Auch die Ergebnisse der umfangreichen archäologischen Ausgrabungen im Magdeburger Dom, die derzeit stattfinden, werden in der Ausstellung erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Führungen, Vorträgen und Veranstaltungen begleitet die Ausstellung. Die Museumsstadt ‚Megedeborch', in der Kinder und Jugendliche den Alltag einer mittelalterlichen Stadt erleben können, hat ebenfalls ihre Tore geöffnet.

Der Elbauenpark mit Jahrtausendturm als eindrucksvolle Begleiter Elbauenpark mit Schwebebahn und Seebühne sind mit der BUGA 1999 entstanden

Nicht umsonst haben die Macher des Magdeburger Marathons von Anfang an das Wahrzeichen ihrer Stadt ins Motto des Laufevents integriert: "Zwischen Dom und blauem Kreuz". Damit wird zugleich deutlich, dass der Marathon ein reizvoller Mix von Stadt- und Landschaftslauf ist. Aus der City heraus geht es durch die herbstlich gefärbten Parks der Stadt, Rotehorn, Herrenkrug und Elbauenpark, entlang dem ‚Blauen Band' der Elbe über den weiterhin beliebtesten Radfernweg in Deutschland, den Elberadweg zum ‚blauen Kreuz', dem größten Wasserstraßenkreuz Europas. Mit einer mehr als 1 km langen Trogbrücke wird hier der Mittellandkanal über die Elbe geführt. Für die Läufer des Marathons gleichzeitig Wendeschleife und eben ein weiteres Highlight der 42,2km-Distanz.

Der Zielbereich an Elbauenpark und Messehallen Das Sax'n Anhalt Orchester sorgte im Ziel für Stimmung

Die wollte diesmal eigentlich der Lokalmatador Mario Stach von der LG Hopfen Schackensleben gewinnen. Stets war der 37-Jährige in den letzten fünf Jahren unter den Top Ten, zweimal auf dem Podest: Dritter 2008 und im Jahr 2006 mit Platz 2 und weniger als einer Minute Rückstand sogar ganz dicht dran. Jan Schur, der Überraschungssieger aus 2008, Sohn der DDR-Radsport-Legende Täve Schur und selbst Ex-Radprofi hatte nicht gemeldet und offen blieb bis zuletzt, ob der Vorjahreszweite und Sieger aus 2007, Jörg Richter melden würde. So fiel Stach zunächst die Favoritenrolle zu.

Doch auch diesmal sollte es nicht klappen, am Ende blieb Mario Stach sogar nur der undankbare vierte Platz. Dabei lag es nicht an der eigenen Vorbereitung, denn mit 2:37:51 h lief er so schnell wie nie; überhaupt nur Jörg Richter war zuvor in Magdeburg beim Streckenrekord 2007 schneller gelaufen. Aber Richter meldete dann doch nach, wollte seinen eigenen Rekord verbessern, was ihm eindrucksvoll gelang.

Lief mit etlichen KollegeInnen der Uni-Blutbank - Frank Tschapka wird Gesamt 31. und 6. M35 Hardy Olschewski von der ÖSA ließ den Sohn für (mit) seinen Papa laufen Schnellste Marathonfrau und souveräne Siegerin - Irina Olbrich

Bis KM 35 hatte zwar noch Ralf Preibisch aus Halsteren geführt. Doch dann erwischte den 47-Jährigen der ‚Mann mit dem Hammer'. Ein Marathon vor sechs Wochen steckte wohl noch in den Knochen, muskuläre Probleme ließen Preibisch immer langsamer werden. Auf dem letzten Kilometer wurde er sogar noch von Yves Löbel (TSV Niederndodeleben) eingeholt. Für den 33-jährigen Jörg Richter von der LG Leipzig war es am Ende ein souveräner Sieg vor dem ein Jahr jüngeren Löbel (2:35:54h), der ebenfalls noch unter dem alten Streckenrekord blieb. Dritter dann Preibisch (2:36:34h) vor Stach und dem Magdeburger Mike Hoffmann, der mit großem Abstand (2:45:38h) auf Platz fünf einlief.

Geschafft - Sieger Jörg Richter mit neuem Streckenrekord Freut sich über Platz 2 - Yves Löbel 2. Frau - Gabriele Immendorf Mit fliegenden Fahnen ins Ziel - Die Elbeblitze des SV Grieben

Top-Leistungen wie bei den Männern waren dagegen bei den Frauen nicht zu verzeichnen. Der Streckenrekord von Angelika Hummel aus 2005 (3:03:37h) stand nicht zur Disposition, aber auch die Zeiten der letzten drei Jahre zwischen 3:10h und 3:15h blieben diesmal unerreicht: 3:20:59 h reichten der 46-jährigen Irina Olbrich (Fit & Run Weimar) für einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg. Die Magdeburgerin Gabriele Immendorff, die in den letzten Jahren zweimal den MD-Halb-Marathon und vor einem Jahr in Berlin ihren ersten Marathon gelaufen ist, konnte sich so schon bei ihrem zweiten Marathon in 3:29:05h über einen zweiten Platz freuen. Wie auch die Dritte Uta Kretzer (3:32:07h/ Fit & Run Weimar) hatte sie sich ihr Rennen gut eingeteilt und machte auf den letzten Kilometern Platz um Platz gut.

1. M55 in 2:53:46h und Gesamt 12. - Egbert Zabel aus Köthen Irmgard Eggert von der FH Harz wird 1. W55 - Artur Mahlke 9. M55 Lief seinen 1. HM unter 2h - Axel Schultz (r.) - wurde begleitet von seinem Freund und laufenden Reporter Axel Künkeler

Auf der Halb-Distanz war der inzwischen für BSV Berlin startende Magdeburger André Sommer in den Vorjahren auf Sieg abonniert. Zwar hatte er seinen eigenen Rekord aus dem Premierenjahr 2004 (1:08:21h) nach längeren Pause nicht mehr erreichen können, doch 2007/8 reichten dem 28-Jährigen Zeiten von 1:12 - 1:14h für den Sieg. Nun lief er in 1:09:01 erstmals wieder im Bereich seiner eigenen Bestzeit, doch diesmal war die Konkurrenz noch stärker. Hinter dem 20-jährigen SCM-Talent Frank Schauer, der gleich bei seinem ersten Triumph einen Streckenrekord aufstellte (1:07:59h), und dem 22-jährigen Christian König vom VfL Ellrich (1:08:29h) belegte Sommer Rang drei vor dem Tangermünder Steffen Rarek (1:14:35h), der 2007 mit dieser Zeit noch Dritter wurde. Bei den Frauen gewann Elke Richter vom OSC Berlin in 1:26:28h deutlich vor Andrea Mehlhorn aus Schwerin (1:32:35h), die sich nur hauchdünn vor Anne-Kathrin Litzenberg (LG Socken-Wellen) in 1:32:40h durchsetzen konnte.

Sieg und Podestplatz verfehlt und trotzdem lächelnd - 4. Mario Stach Freude über Platz 2 + 3 - Gabriele Immendorf und Uta Kretzer VLG-Vorsitzender Torsten Schollasch (li) mit den drei schnellsten Läufern des 6. Magdeburg-Marathons v.l.: 3. Ralf Preibisch, 1. Jörg Richter und 2. Yves Löbel

Mit 1618 Finishern hatte der Halbmarathon mit weitem Abstand die größte Resonanz aller Läufe. Darunter auch viele Teilnehmer, die erstmals in einem offiziellen Wettkampf die 21,1km-Distanz bewältigten. Dazu zählte auch der aus Magdeburg stammende 48-jährige Axel Schultz, der den Lauf in Begleitung seines aus dem Saarland stammenden Freundes Axel Künkeler absolvierte. 1994 hatten sich Axel-Ost und Axel-West in Magdeburg kennen gelernt. Die Freundschaft hat bis heute gehalten, obwohl Axel-Ost inzwischen aus seiner Heimatstadt in die Nähe von Berlin zog. Aus beruflichen und familiären Gründen fehlt ihm auch die Zeit für ein intensives Training. Doch der Hobby-Läufer wollte wie viele andere diesmal seinen 1. Halbmarathon in seiner Heimatstadt absolvieren, möglichst unter zwei Stunden.

In Begleitung seines Freundes Axel-West gelang ihm dies mit einer Punktlandung. Obwohl die Beiden in ihrer Freude das Rennen zu schnell angingen und dafür im zweiten Rennabschnitt büßen mussten, kam Axel-Ost nach exakt 1:58:14h an den Messehallen ‚total Happy' ins Ziel. Für ihn wie wohl die meisten der rund 5000 Teilnehmer war der 6. Magdeburg-Marathon wiederum ein tolles Erlebnis, das Spaß macht auf mehr! Also auf ein Neues beim 7. Magdeburg-Marathon am 24. Oktober 2010!

Bericht und Fotos von Axel Künkeler

Ergebnisse www.magdeburg-marathon.eu

 unter Sportonline-Foto.de

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