28.8.16 - 38. Koberstädter Wald Marathon in Egelsbach

Auf der Suche nach der verlorenen Stadt

von Markus Heidl

Informationen zum Lauf 2017 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

Während mancher vergeblich auf der Karte sucht, weiß der gewiefte Läufer, dass, will der Koberstädter Waldmarathon gelaufen werden, nach Egelsbach gefahren werden muss. Von der SG Egelsbach bereits zum 38. Mal organisiert und am Sportstadion des Ortes startend und endend, ist doch die Koberstadt namensgebend. Diese stammt aus der sogenannten Hallstattzeit und umfasst 29 Grabhügel. Aufgrund zweier Skelettfunde konnte die Siedlung ungefähr auf das Jahr 800 vor Christus datiert werden. Der Name leitet sich aufgrund von frühen Metallfunden von Kupferstätte ab.

Nach einer Sage erregte der Lebensstil der Bewohner der Koberstadt den Unwillen Gottes, weshalb er die Stadt in den Untergang schickte. Weiter wird in der Überlieferung behauptet, die rote Färbung des Erdreiches rund um Langen rühre vom Blut der Bewohner der Koberstadt her. Wer beim Wettkampf also Zeit hat, kann Blicke und Gedanken schweifen lassen, um Ausschau nach Spuren der Stadt oder des Blutes zu suchen. Wen die Vorstellungen der Sagen zu weit tragen, der wird gar vielleicht vom irrenden König in Gestalt eines Hirschen, der der Sage nach in der Koberstadt umgeht, getrieben.

Noch bei "kühlen" 20° C werden die Marathonis auf die Strecke geschickt Auf geht's zum 38. Koberstädter Waldmarathon
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Berichtet werden soll jedoch nur von den Fakten, die sich tatsächlich am heutigen Sonntagmorgen zutrugen. Schon die Woche über bahnte sich an, dass es ein heißer Wettkampftag werden würde. Gut für die Marathonläufer, dass bereits um 8 Uhr in der Frühe gestartet und größtenteils durch den Wald gelaufen wurde. Und dennoch: es wurde heiß. Selbst die am Streckenrand im Sitzen wachenden Sanitäter hatten Schweißperlen auf der Stirn.

Spätestens, als um 9:40 Uhr der Halbmarathon startet, konnte von hochsommerlichen Temperaturen gesprochen werden. Der eine oder andere begegnete sich so auf der Strecke. Auseinanderhalten konnte man die Läuferinnen und Läufer anhand der Startnummern: die um 10:00 Uhr als letzte gestarteten 10er (die 10-km-Strecke ist im Gegensatz zu Halb- und Marathon nicht offiziell vermessen) hatten einen grünen Streifen auf der Nummer, die Halben keinen und die Marathonis einen roten. Weiterhin unterschied man daran, wie viel Ehrgeiz die Sportler an den Verpflegungsstationen an den Tag legten, sämtliche Becher zu leeren. Denn auch im schattigen Wald stiegen die Temperaturen immer höher. Ab und zu wehte zwar ein Wind, dieser schien jedoch aus der Sahara zu kommen.

Beim Start der Halbmarathonis und 10er wurde es schon ordentlich warm

Gelaufen wurde außerdem beim Kinderlauf. Die 4- bis 9-Jährigen konnten um 9:30 Uhr eine Sportplatzrunde unter die Füße nehmen. Veranstaltet wurde der Kinderlauf vom ortsansässigen Lebensmittelmarkt, der keinen Wert auf Zeitmessung legte. Es ging um Spaß an der Bewegung und um etwas Werbung in eigener Sache. Den Kindern machte es nichts aus - schön, wenn man selber laufen darf und nicht nur auf Mama oder Papa warten muss.

Dann aber gehörte die Bühne ganz den Erwachsenen. Und die Ereignisse überschlugen sich gleich zu Beginn der Zieleinläufe. Zunächst war es bei den 10ern recht eng, als sich der Dietzenbacher Jörg Kaiser (38'22, SC Steinberg) in einem packenden Rennen mit nur 18 bzw. 30 Sekunden Vorsprung gegen die Konkurrenz durchsetzte. Dicht auf seinen Fersen folgten Stephan Kehr (LT Fritz) und Philipp Kroneberg vom Marathonprojekt Darmstadt. Auch Michael Burkardt aus Neuberg (39'22) und Tobias Schuff (39'56, Eschbach Analysecenter Hünfeld) blieben noch unter 40 Minuten, bevor schon der erste Marathoni ins Stadion einlief.

Jörg Kaiser gewinnt den 10 km Lauf Der nächste Marathonsieg für Kay-Uwe Müller Berlachew Kifle ist der schnellste Halbmarathoni des heutigen Tages

Während vieler seiner Mitstreiter noch um den Weißen Tempel am Ernst-Ludwig-Platz im Wald vorbeikamen - benannt nach seinem Erbauer, Großherzog Ludwig III im weitläufigen Wald ein beliebtes Ausflugsziel - oder sich im Vorbeilaufen das Koberstädter Falltorhaus besahen, hatte Kay-Uwe Müller bereits die komplette Distanz zurückgelegt. Trotz der warmen Temperaturen in lediglich 2h39'56. Der für die TSG Schwäbisch Hall startende Ausdauerkünstler hatte sich dabei auf den ersten zwei Kilometern zurückgehalten und war in der ersten Gruppe gelaufen. Erst nach der Autobahnbrücke erhöhte er das Tempo und lief fortan alleine, immer hinter dem Führungsradfahrer, durch den Koberstädter Wald.

Ihm folgte eine dreiköpfige Gruppe, die lange gut zusammenarbeitete. Nach fast 30 Kilometern war es Markus Heidl (3h03'36, Spiridon Frankfurt), dem die Hitze als erstem zusetzte. Vier Kilometer später musste auch Lorenz Köhl (3h00'54, TGMSV Jügesheim) Christoph Lux (2h57'33, TG Viktoria Augsburg) ziehen lassen. Für Christoph waren die Bedingungen ideal, trainiert er doch für einen Ultralauf in der Wüste Gobi in vier Wochen. Lorenz und Markus haben noch länger Zeit, bei ihnen liegt der Fokus auf dem Frankfurt Marathon.

Lena Berg läuft direkt hinter Thomas Wehner als schnellste Frau über 10km ins Ziel Julia Roth gewinnt trotz Umweg den Marathon souverän Nadine Richter gewinnt den halbmarathon bei den Frauen

Dieses Ziel verfolgt auch Julia Roth vom TV Schweinheim. Nur Georg Kunzfeld (3h09'57, Spiridon Frankfurt) konnte sich als fünfter Mann ihrer erwehren, bevor Julia alle anderen stehen ließ. Und das, obwohl sie in der zweiten Runde von ihrem Führungsradfahrer ein zweites Mal um den Wendepunkt gelotst wurde. Trotz der Extrameter blieb sie deutlich unter ihrer Vorgabe: sie erzählte vor dem Start, dass sie mit 3h20 zufrieden wäre. Man kann auf ihren Herbstmarathon gespannt sein, den sie gerne in unter 3 Stunden absolvieren würde.

Georg wäre heute gerne mit Uli Amborn gelaufen. Doch der Dauergast von der LG Offenbach, der schon fünf Mal in Egelsbach siegen konnte, musste aufgrund einer schon drei Wochen dauernden Krankheit in diesem Jahr passen. So versuchte Georg im Alleingang, unter 3h10 zu bleiben - und war fast punktgenau erfolgreich.

Um Platz zwei bei den Frauen wurde es spannend. Sowohl Astrid Staubach (LT Unterreichenbach) als auch Martina Osmann (LT Hanau/Bruchköbel) kamen mit dem ständigen Auf und Ab der schottrigen Waldwege glänzend zurecht. Schließlich war es Astrid, die sich mit 3h33'35 mit einer halben Minute Vorsprung gegen Martina durchsetzte.

Sylvia Erkel gewinnt als 2. Frau über 10 km die W45 Jens Bäss läuft ein klug eingeteiltes Rennen und arbeitet sich im Halbmarathon auf Platz 6 nach vorne Für ihn passende Bedingungen: Christoph Lux, zweitplatzierter des Marathons, trainiert für einen Lauf durch die Wüste Gobi

Ihre weiblichen Äquivalente des 10ers sollen an dieser Stelle natürlich keineswegs untergehen. Lena Berg vom engelhornsportsteam - TV Schriesheim, lief hier allen anderen davon. Ihre Zeit von 41:35 min reichte gar für den 10. Gesamtrang. Volle sechs Minuten hatte sie ihrer ärgsten Konkurrentin abgenommen, dann aber ging es Schlag auf Schlag. Sylvia Erkel vom Radteam Neu-Isenburg (47'42) lag im Ziel nur neun Sekunden vor Ulrike Bickert vom Marathonprojekt Darmstadt.

Und schon folgte auch der erste Halbmarathoni, der seiner Konkurrenz wiederum ebenso sechs Minuten aufgebrummt hatte. Berlachew Kifle startete für den austragenden Verein SG Egelsbach und war von Beginn an allein auf weiter Flur. Nach und nach konnte er einige Marathonläufer einsammeln und siegte nach exakt 74 Minuten. Ihm folgten Yannik Gentil (1h20'30, LuT Aschaffenburg), Anatoly Dunaer (1h21'56, Gymnasium Offenbach), Thorsten Avemarie aus Messel (1h22'27), Velizar Kolev aus Darmstadt (1h22'52) und die beiden Wiesbadener Jens Bäss und Martin Schneider (1h22'52 und 1h23'13, beide TV Waldstraße Wiesbaden). Jens und Martin waren das Hitzerennen mit Bedacht im 4er Schnitt angegangen und wurden dafür belohnt. Von Beginn an konnten sie Konkurrent um Konkurrent überholen und sich immer weiter nach vorne arbeiten.

Halbmarathoni Wolfgang Nau (Nr. 459) hätte fast noch Marathoni Dieter Kreis eingeholt 10 km Läuferin Laura Voigt und Halbmarathoni Rudolf Alt genießen den Zieleinlauf des 38. Koberstädter Wald Marathon gemeinsam
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Gut zurecht mit den Temperaturen kamen ebenso Nadine Richter (TuS Griesheim) und Conny Spiecker (BSG Merck), die sich auf der Halbmarathondistanz ein enges Rennen lieferten. Schließlich siegte Nadine in 1h37'17, 42 Sekunden vor Conny. Auf den dritten Stockerlplatz lief Sonja Lenz vom SC Güttersbach mit einer Zeit von 1h40'15.

Sie alle konnten im Ziel, wo sie von "Vanman" Jochen Heringhaus gebührend in Empfang genommen wurden, so viel trinken, wie sie wollten. Zu Wasser, Apfelschorle, Cola und alkoholfreien Biermischgetränken gab es außerdem noch Obst. Verkauft wurden zudem gegrillte Würstchen der ortsansässigen Metzgerei sowie Kuchen, wo es vor lauter Auswahl schwerfiel, sich zu entscheiden. Das schöne Zusammensein wurde schließlich mit der Siegerehrung abgerundet. Wer dann noch meinte, einen Platz zu finden, ging ins Schwimmbad, um sich abzukühlen. Was ein Sommertag!

Bericht von Markus Heidl - Fotos von Svenja Heidl

Foto-Impressionen im LaufReport HIER
Ergebnisse www.koberstaedter-marathon.de
Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.