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02.07.10 - 13. Marburger Nachtmarathon mit HalbmarathonIn die Hitze der Nacht |
| von Heiko Krause |
Es war heiß, drückend heiß, als am Freitagabend die Läuferinnen und Läufer zur 13. Auflage des Marburger Nachtmarathons an den Start gingen. Die Veranstaltung hat sich seit einigen Jahren zum größten Sportereignis Mittelhessens entwickelt und auch 2010 kamen trotz der Temperaturen um 30 Grad und der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika wieder mehr als 1200 Teilnehmer in die Universitätsstadt.
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Die Organisatoren vom Ultra Sport Club Marburg waren für die Hitzeschlacht gerüstet. Alle vier Kilometer waren gut bestückte Verpflegungsstationen aufgebaut, zusätzliche Schwammstationen sorgten für weitere Erfrischung. Und für den Fall der Fälle war das Deutsche Rote Kreuz auf der Strecke teils mit Fahrrädern unterwegs, um zu helfen. Außer einigen Kreislaufproblemen wurden keine besonderen Vorkommnisse vermeldet, angesichts der tropischen Temperaturen hatten die meisten ehedem ihre Ansprüche an die eigene Zeit zurückgeschraubt. |
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Start ist auf dem Historischen Marktplatz von Marburg. Zwar ist es etwas eng, aber die märchenhafte Kulisse mit Fachwerkhäusern und dem prächtigen Rathaus aus dem Jahr 1527 entschädigen, zudem bekommt mit der Nettozeitnahme der Firma Dorsch, die gewohnt schnell und präzise arbeitete, jeder seine ganz persönliche Leistung dokumentiert. Ziel und Anmeldung befinden sich im Universitätsstadion. Von dort muss ein etwa zehnminütiger Fußweg bewältigt werden, der zum Schluss bergauf geht. Aber so kommt keiner kalt zum Start, auch wenn das diesmal sicher auch sonst nicht der Fall gewesen wäre.
Pünktlich um 19 Uhr gab Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel, bekennender Fan des Nachtmarathons, den Startschuss. Den größten Teil des Feldes machte der Halbmarathon aus, 859 Finisher konnten sich im Ziel die Medaille umhängen lassen. 141 Zieleinläufe gab es über die klassische Distanz und mit 41 Staffel zeigte sich, dass diese seit kurzem ins Programm genommene Möglichkeit des Teilens der Marathondistanz für vier Läufer immer besser ankommt und hilft, dass die Marathonis nicht so einsam sind, wenn der Halbmarathon ins Ziel gebogen ist.
Leicht bergab schlängelte sich nach dem Start die Läuferschlange durch die Altstadt und vorbei an Cafés und Kneipen. Nach etwa einem Kilometer ist Marburgs Hauptverkehrsader erreicht. Auf dieser wird zwar gerade gebaut, aber wie 2009 als der erste Bauabschnitt der Universitätsstraße in Arbeit war, gab es auch diesmal keine Probleme.
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| Das Feld überquert den Rudolphsplatz |
Vorbei an der Alten Universität |
Weiter geht es durchs Zentrum, vorbei an der Alten Universität, einem geschichtsträchtigen Ort. Zwar stammt der Bau erst aus dem 19. Jahrhundert. An selber Stelle gründete aber bereits 1527 Landgraf Philipp der Großmütige, bekennender Anhänger der Reformation Martin Luthers, die erste protestantische Universität im säkularisierten Dominikaner-Kloster. Bis heute heißt es "Marburg hat keine Universität, Marburg ist eine Universität.
Gut ein Viertel der Einwohner, mehr als 20.000, sind Studierende, und die machen auch einen sehr großen Teil des Feldes vor allem über die halbe Distanz aus. Wohl bei keinem anderen Lauf finden sich so viele junge Menschen ohne Verein in der Ergebnisliste, wie in der Universitätsstadt.
Der Sieger des Halbmarathons ist aber kein Student mehr. Zum zehnten Jubiläumslauf war Marco Diehl (Laufarena) das letzte Mal in Marburg. Seinerzeit musste er sich Dieter Baumann geschlagen geben, diesmal stand er ganz oben auf dem Treppchen. Auf den ersten Kilometern konnte dem Marathonspezialisten, der in jedem Jahr zahlreiche Zeiten zwischen 2:30 und 2:35 verzeichnen kann, der junge Jan Philipp Starostzik (Blau-Gelb Marburg) noch folgen. Über zehn Kilometer hat sich der Nachwuchsläufer im vergangenen Jahr enorm gesteigert, auf der Halbmarathondistanz fehlt ihm jedoch etwas Erfahrung.
Von der Innenstadt führt die Strecke in den Stadtteil Wehrda in Marburgs Norden, von hier an geht es dann lahnabwärts Richtung Süden immer in der Nähe des Flusses.
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Und hier war auch der Zeitpunkt gekommen, an dem Starostzik nicht mehr folgen konnte. Trainer Helmut Schaake motivierte ihn zwar noch, wieder heranzulaufen, aber wenig später zog der Favorit davon. |
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Marco Diehl musste sich nicht mehr voll verausgaben und lief in gewohnt schönem lockeren Stil letztlich in 1:15:41 Stunden als überlegener Sieger ein. Aber auch Jan-Philipp Starostzik konnte mit seiner Leistung von 1:17:20 Stunden zufrieden sein, war er doch die Distanz zum ersten Mal auf einer bestenlistenfähigen Strecke gelaufen.
Auch Platz drei ging nach Marburg. Der Student Philipp Müller, im vergangenen Jahr Zweiter des Marathons, der für den TSV Krofdorf-Gleiberg startet, kam nach 1:18:39 Stunden ins Ziel im Universitätsstadion. Rang vier belegte Eric le Mercier (LG Brechen, 1:20:58) vor dem Triathleten Josip Begic von Tri Flow Bad Endbach (1:21:31).
Bei den Frauen setzte sich von Beginn an Julia Galuschka (TSV Krofdorf-Gleiberg) an die Spitze und gab sie bis ins Ziel auch nicht mehr ab. Ihre 1:33:01 Stunden bedeuteten schließlich mehr als drei Minuten Vorsprung auf W40-Siegerin Birgit Jüngst-Dauber vom SC Willingen (1:36:13), die sich ihrerseits jedoch um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr steigern konnte. Den dritten Platz im Frauenfeld belegte Katrin Scheuer (TSV Urfftal, 1:36:39).
Nachdem die nördliche Schleife von etwa elf Kilometern bewältigt ist, kommen alle Läufer am Zielstadion vorbei, in dem Moderator Artur Schmidt in gewohnt lockerer Weise unermüdlich die Zieleinläufer ansagte, Hintergrundinfos gab und pausenlos das Publikum unterhielt.
Bevor die südliche Schleife, die von den Halbmarathonis einmal, von den Marathonis dreimal bewältigt werden muss, beginnt, ging es zum letzten Mal über den alten Hirsefeldsteg, die einzige Engstelle des Laufs. Die alte Holzbrücke wird bald abgerissen. Daneben entsteht derzeit ein breiterer zeitgemäß für die vielen Radfahrer des Lahnradwegs und zahlreichen Spaziergänger, die an schönen Tagen unterwegs sind, geeigneter Steg. Durch den Neubau ist der Aufgang zum alten Bauwerk bereits abgetragen. Eine Gerüstkonstruktion dient als Ersatz. Glücklicherweise gab es keine Probleme an dieser Stelle und im nächsten Jahr ist die neue Brücke ja fertig.
Als Andenken an die alte Konstruktion wird 2011 der Hirsefeldsteg die Finishermedaille zieren, versprechen die Veranstalter. In diesem Jahr war es das Marburger Rathaus. Seit 2009 gibt es Prägemedaillen, die sich zu schönen Sammlerobjekten entwickeln könnten. Als Motiv haben bereits die gotische Elisabethkirche, sowie das Landgrafenschloss gedient, das auf dem Rückweg in die Stadt auf dem Berg thronend von weit her sichtbar ist.
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| Trotz Hitze waren die meisten siegesgewiss | Horst Liebetruth zeigt, dass ein Läufer nicht nur Muckis in den Beinen haben muss | Ausgelassene Stimmung im Feld zwischen Wehrda und Innenstadt |
Am Stadion ist auch der Staffelwechsel. Vor allem für Laufanfänger ist diese Variante des Marathons eine Gelegenheit dabei zu sein. Aber auch ambitionierte Läufer nahmen teil. Mit Abstand schnellste Staffel war der TV Wetter, der nach 2:54:17 Stunden ins Ziel einlief. Hinter dem LT Wolfhagen und dem TV Dillenburg kam das Team von Saskia Wohlgemuth auf Rang vier, dicht gefolgt vom Team Biela. Das Tyron Team der Firma Schütt belegte Rang sieben vor den "Weizenfreunden Mittelhessen", "Kostbar", "Turbojugend Playa Benijo" und "Kirche Marburg III".
Dass die Marburger Christen so zahlreich in den Ergebnislisten auftauchen, ist ein Verdienst von Pfarrer Uli Biskamp. Der begeisterte Läufer, er selbst nahm am Marathon teil, hat viele begeistern können, beim Nachtmarathon teilzunehmen. Seine Idee war es auch, bei "seiner" lutherischen Pfarrkirche, leicht oberhalb des Marktplatzes, eine Stunde vor dem Start eine kleine Läuferandacht anzubieten. Eine schöne Geste ist es auch, dass die Kirche ihre Toiletten für die Läufer öffnet, bestimmt nicht überall üblich.
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| Mit der Glücksnummer lief Stammgast Guido Becker | Patrick Brandenburger vor Marathon Siegerin Iris Lenhard | 2. W40 Sylvia Herz |
Während die Halbmarathonläufer noch alle bei Tageslicht das Ziel erreichten, fing es für die Marathonis dann an zu dämmern und die langsameren liefen in die Dunkelheit. Bei Marburg-Cappel muss ein kleines Geländestück gemeistert werden. Dort wurden von Veranstalterseite Lichtschlangen verlegt, die eine optimale Orientierung ermöglichten. Ansonsten braucht es auch nicht unbedingt Lampen, auch wenn einige Athleten vorgesorgt hatten. Das Restlicht reicht eigentlich immer aus, wenn sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben.
Hell war es erstmals im Stadion. Hier hat die Uni richtig aufgerüstet. Erst kürzlich wurde die Alte Aschenbahn durch Kunststoff ersetzt und dazwischen befindet sich ein moderner Kunstrasen. Und eben eine schöne neue Flutlichtanlage ermöglicht es, dass nicht nur die Läufer mehr sehen, sondern dass ihre Ankunft auch vom Publikum länger verfolgt werden kann.
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| Marathon Sieger Frank Löschner | Klaus Pasternak läuft beim Marathon in die Dämmerung | Der Marathon 2. Dirk Karl |
Beim Einlauf des Siegers war es aber noch nicht stockfinster. Nach zwei heimischen Siegen in den vergangenen Jahren durch Markus Henning und Hakim Ouahioune, ging der Marathonsieg dieses Mal ins Siegerland. Frank Löscher (TV Büschersgrund) gewann souverän in 2:48:17 Stunden vor Dirk Karl (TSG Grünstadt, 3:03:41), der bereits 2008 auf den Silberrang gelaufen war. Dahinter liefen zeitgleich zwei Marburger Läufer gemeinsam ins Ziel mit individuell sehr guten Ergebnissen. Der Fleckenbühler Iamal Sanhji lief bei seinem ersten Marathon 3:07:18 Stunden und freute sich über den dritten Platz. Er hat schon immer Sport getrieben, Fußball gespielt und ist auch gelaufen, doch Freunde brachten ihn erst jetzt auf die Idee, einmal einen Marathon in Angriff zu nehmen. Unsicher, was er sich zutrauen konnte, stellte er sich beim Start ganz hinten an und rollte dann das Feld auf. Auch für Dietrich Winkelmeier, der für das BBZ Marburg startet, wurde es trotz der Hitze ein guter Lauf. Zeitgleich im Ziel, aber mit der etwas schlechteren Nettozeit wurde es für ihn Platz vier und Rang zwei in der Altersklasse M50.
Den Sieg im Frauenrennen sicherte sich die Sulzbacherin Iris Lenhard in 3:46:46 Stunden vor Susanne Hein (Hilchenbach, 3:52:20). Über den dritten Platz in 4:13:47 Stunden und einen schönen Lauf trotz der Hitze freute sich Simone Schraub aus Kirchhain und verriet, dass Marburg ihr zweitschönster Lauf gewesen sei.
13 Marburger Nachmarathons sind nun Geschichte und ein Läufer hat die Historie mitbestimmt. Als einziger kann Michael Stein aus Schönstadt in der Nähe Marburgs darauf verweisen, in jedem Jahr die 42,195 Kilometer bewältigt zu haben. Auch wenn er im Ziel doch anmerkte, dass es diesmal wegen der Hitze ganz schön hart gewesen sei. Aber nach dem Lauf ist vor dem Lauf, und so kann fest damit gerechnet werden, dass der M55er auch im kommenden Jahr wieder am Start auf dem Marktplatz zu finden ist, um das 14. Mal den Marathon zu bestreiten, wenn bei vielleicht etwas kühleren Temperaturen wieder mehr als 1000 Läuferinnen und Läufer bei der größten Laufveranstaltung zwischen Frankfurt und Kassel ihren ganz persönlichen Erfolg suchen werden.
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Bericht und Fotos von Heiko Krause |
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